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Die Feuerwehr-Familie Wackerl (vorne, von links): Maria, Johann, Johann senior, Josef senior, Katharina. Oben, von links: Johannes, Thomas, Martina und Josef junior.

Drei Generationen einer Familie bei der Feuerwehr

Die ganze Familie eine Löschgruppe

Sie könnten notfalls allein eine kleine Löschgruppe stellen: Drei Generationen der Familie Wackerl aus Stumpfenbach sind teils seit Jahrzehnten bei der Feuerwehr Altomünster.

Altomünster – Johann Wackerl senior ist 82 Jahre alt. Mehr als sein halbes Leben hat er der Feuerwehr gewidmet. Bis zum 60. Lebensjahr. Da musste er turnusgemäß aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Der Feuerwehr verbunden ist er aber natürlich nach wie vor – nicht nur, weil inzwischen fast seine ganze Familie ebenso dazugehört. Besonders stolz ist er auf seine Enkelkinder, drei Mädchen und drei Buben. Gemeinsam könnten sie glatt eine Löschgruppe stellen.

Zur Feuerwehr gekommen ist Johann Wackerl mit 17 Jahren als junger Landwirt. Damals noch im Gemeindeteil Stumpfenbach. Und da ist er schon in die Fußstapfen seines Vaters gestiegen. „Die Wehr hat damals so gut wie gar nichts gehabt. Nur ein kleines Haus. Da hat aber kaum unser Auto reingepasst.“ Geübt wurde nur zweimal im Jahr: im Frühjahr und im Herbst, so Wackerl, der in Stumpfenbach von 1953 bis 70 zweiter Kommandant war.

Als Stumpfenbach 1972 mit der Gebietsreform nach Altomünster eingemeindet wurde, wollte der damalige Bürgermeister Anton Hofberger nicht mehr groß in die Stumpfenbacher Wehr investieren. Vielmehr sollten die Stumpfenbacher zur Altomünsterer Wehr gehen. Dort herrschte gerade „Schwund“. Ein Grund: Die Altomünsterer hatten nur einen zugigen Stadl für die Übungsabende. Erst als das frühere Haus der Isar-Amperwerke für die Feuerwehr Altomünster umgebaut wurde, interessierten sich wieder mehr für die Übungsabende und die Wehr an sich.

So auch die Wackerl-Söhne Johann junior (51, Landwirt) und Josef (50, Bauhofmitarbeiter). „Bei uns war die Feuerwehr immer ein Thema. Alle in unserem Alter sind damals eingetreten“, so Johann junior, der vor allem die Kameradschaft hervorhebt.

Die ist es in den meisten Fällen auch, warum viele junge Leute zur Feuerwehr gehen, oft nach Ende der Ministrantenzeit, wie Josef weiß. Dessen Sohn Josef junior (18, Auszubildender) ist seit zwei Jahren dabei, Tochter Martina, 20-jährige Studentin, und Neffe Thomas, 20-jähriger Landmaschinenmechatroniker, seit vier Jahren. Martina engagiert sich sogar im Vorstand des Vereins als Beisitzerin, Thomas will einen Atemschutz-Lehrgang machen und den Lkw-Führerschein für Maschinisten. Johannes, Sohn von Johann Wackerl junior, ist sogar schon sechs Jahre dabei, seine Schwester Maria (16) sowie die Cousine Katharina (15) sind im Frühjahr 2018 in die Jugendgruppe eingetreten, wo sie die Grundausbildung absolvieren.

„Wir haben keines unserer Kinder für die Feuerwehr ermutigen müssen, haben ihnen aber gesagt, was auf sie zukommt“, so Johann Wackerl. Das ist nicht nur der zeitliche Aufwand mit einigen hundert Stunden bis zum Ende der Grundausbildung, sondern auch zahlreiche Übungen. Und natürlich Einsätze. Denn ab 18 Jahren sind die jungen Leute vollwertige Mitglieder. Thomas war im März 2018 bei einem Verkehrsunfall mit zwei Toten bei der Absicherung dabei. „Das nimmt schon mit“, sagt Thomas. „Es ist immer schlimm, wenn einer unter den Händen wegstirbt“, so sein Vater Johann. Und Johann senior weiß ebenfalls von vielen Bränden und Unfällen, wo es eine stabile Familie braucht, dass man wenigstens später reden kann. „Wir hatten früher ja keinen Seelsorger, der uns nach solchen Vorfällen betreut hat“, erklärt der 82-Jährige.

Die ganze Familie findet es toll, dass die Feuerwehr mittlerweile Frauen aufnimmt. In Altomünster sind es sechs, davon die drei Wackerl-Mädchen. Dass die Feuerwehr alle so begeistern kann, das freut vor allem Johann Wackerl senior. Auf die Frage, ob er stolz ist auf seine Enkelkinder, nickt er – und es kullert ihm eine kleine Träne über die Wange. Und keine Frage: Beim Ehrenabend (18 Uhr Abendgottesdienst in der Kirche St. Alto, danach Festzug zum Kapplerbräusaal) ist er natürlich wieder dabei.

sas

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