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Alles ist bereit für die Besucher: Jetzt hoffen Prof. Wilhelm Liebhart und Kreisheimatpflegerin Dr. Birgitta Unger-Richter auf eine baldige Lockerung der Pandemie-Beschränkungen.

Erstmalig bekommen Werke des Egenburgers eine eigene Ausstellung

Museum Altomünster: Hans Metzger auf zwei Etagen

Bisher tauchte der Maler Hans Metzger (1879-1957) immer nur als Teil einer Ausstellung auf. Im Museum in Altomünster wird dem gebürtigen Egenburger nun mit einer eigenen und deutschlandweit einmaligen Forschungsausstellung eine besondere Ehre zu Teil.

Altomünster – Die ganze Ausstellung, die eigentlich schon im November eröffnet werden sollte, aber pandemiebedingt verschoben werden musste, widmet sich nun vollumfänglich dem Künstler aus dem Landkreis Dachau. Den Anstoß zur Ausstellung hatte die Pfaffenhofer Heimatforscherin Katharina Axtner gegeben und bei Prof. Wilhelm Liebhart und Kreisheimatpflegerin Dr. Birgitta Unger-Richter sofort ein offenes Ohr gefunden.

Es wurde mit Unterstützung der Historikerin Dr. Cornelia Ölwein monatelang recherchiert, mit großer Unterstützung von Katharina Axtner Bilder aus allen Richtungen zusammengetragen, restauriert, geplant – und nun wurden die Bilder im Museum Altomünster auf zwei Etagen aufgehängt.

Dort wird schnell die Vielschichtigkeit Metzgers deutlich, der manchmal lediglich als Kirchenmaler bezeichnet wird, was seinem Schaffen aber nicht annäherend gerecht wird. Als Sohn des Fassmalers Max Metzger erlernte er dessen Handwerk ebenfalls, entwickelte sich dann aber zum Fresken-, Kunst- und vor allem Landschaftsmaler weiter. Er wurde an der Akademie der Bildenden Künste für die Klasse von Professor Gabriel von Hackl aufgenommen, zu dessen Schülern Franz Marc oder Richard Riemerschmidt gehörten, und der extrem hohe Ansprüche an seiner Schüler in puncto Exaktheit stellte.

Metzger selbst wurde später dort eine Professur angetragen. Nach der Machtübernahme durch die Nazis war das jedoch vom Tisch, da Metzger nicht das nötige Parteibuch besaß und offenbar auch nicht besitzen wollte. Obwohl er als Künstler bei der Reichskulturkammer Mitglied sein musste, wurden kaum Bilder von ihm ausgestellt.

Inwieweit die damaligen Machthaber Bilder von Metzger ankauften, ist nicht erfasst worden. Vermutlich eher wenige bis gar keine, denn Metzger musste sich während des Nazi-Regimes mit Auftragsmalerei durchschlagen und wurde dabei sehr von der Münchner Familie Dallmayr unterstützt, für die er auch zahlreiche Etiketten entwarf, die in Altomünster zu sehen sein werden.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Metzger dort anknüpfen, wo er vor 1933 stand und wofür er respektiert wurde. Er wurde im September 1945 zum Kulturbeauftragten der Stadt München ernannt.

Hans Metzger malte oft das, was er direkt vor der Haustür fand. Menschen, die nach dem Kirchgang ins Wirtshaus gehen oder durch das Dachauer Hügelland wandern, Wallfahrten machen, beten, aber auch einfach nur Landschaften oder Häuser in seiner Nachbarschaft in Egenburg. Man findet in der Ausstellung zudem Engelmotive, dazu zahlreiche Postkarten, die er ebenfalls entwarf.

Als Untergrund nahm Metzger alles, was er in die Finger bekam. Während des Krieges mangelte es oft an Leinwand. Dann malte er auch auf Zigarrenschachteln aus hochwertigem Tropenholz, die ihm Gönner, wie die Familie Dallmayr, zur Verfügung stellten.

Mit der Genauigkeit wollte es Hans Metzger, der ein fester Bestandteil der Künstlerkolonie Dachau und ein Weggefährte von Ignaz Taschner und Ludwig Thoma war, später nicht immer so eng sehen. Ein wenig Humor mag laut den Experten Dr. Birgitta Unger-Richter und Dr. Cornelia Ölwein auch dabei gewesen sein. So wie man es an den humorigen Kunstpostkarten sehen kann.

Manchmal weiß man bei Metzgers Bildern nicht sicher, welche Kirche, welches Wirtshaus oder welche Ortschaft sie darstellen. Er veränderte manches aus künstlerischen Aspekten oder auch weil er verletzungsbedingt nicht mehr überall selbst hinfahren konnte und so seine Erinnerung bemühen musste.

Daher sind die Ausstellungsbesucher aufgefordert, an der Aufklärung mitzuwirken. „Wer Hinweise liefern kann, bekommt eine Flasche Museumswein“, verspricht Professor Liebhart den Tippgebern. Wann genau die Ausstellung eröffnet werden darf, können die Verantwortlichen erst bekannt geben, wenn über weitere Lockdown-Maßnahmen entschieden worden ist. Vorbereitet ist man im Museum Altomünster auf alle Fälle jetzt schon. Simone Wester

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