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„Heiliges Grab“ zum Leben erweckt

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Prächtige Kulisse: Das heilige Grab wurde jetzt – nach 60 Jahren – wieder aufgebaut.
Prächtige Kulisse: Das heilige Grab wurde jetzt – nach 60 Jahren – wieder aufgebaut. © Gisela Huber

Das Heilige Grab schlummerte 60 Jahre lang auf dem Dachboden des Hohenzeller Pfarrhauses. Nun wurde es entstaubt, aufgebaut und ausgestellt. Es weckt viele Erinnerungen.

Hohenzell – Das „Heilige Grab“ gehört normalerweise in die Kartage vor Ostern, wurde aber jetzt in Hohenzellaufgebaut. Drei Tage lang konnte es besichtigt werden, und bei manch älterem Bewohner kam die Erinnerung an die Kinder- oder Jugendjahre, wo das Heilige Grab noch fester Bestandteil der Karfreitagsliturgie und des Karsamstags war. Dass es jetzt aufgebaut wurde, das hatte seinen besonderen Grund.

Schon lange trieb es Michael Heitmeir um, dass es früher doch immer ein sehr buntes Heiliges Grab in der Pfarrkirche St. Stephanus gegeben hat. Er schreibt derzeit die alten Bräuche und Geschichten von Hohenzell auf. In der „Rentnergang“ mit Josef Schuri, Stefan Schleipfer, Michael Huber, Josef Greppmeier und Michael Maier fand er Mitstreiter. Auf dem Dachboden des Pfarrhauses fanden sie das Heilige Grab und befreiten die Teile von der 60-jährigen Staubschicht.

Früher stand diese prächtige Grabkulisse in der Pfarrkirche und verdeckte nahezu den gesamten Hochaltar. Die Frontseite misst eine Höhe von 3,70 Meter und eine Breite von 2,30 Meter. Es wird gestützt von vier hintereinander angeordneten Bögen und einer Wand. Die mit Architekturmalerei versehene Holzkonstruktion selbst ist unterteilt in zwei Etagen: unten die Grabkammer mit dem liegenden Leichnam Jesu und oben ein Schrein zur Aufnahme der Monstranz. Hier lenkt ein Strahlenkranz den Blick zum Zentrum des Allerheiligsten in der Monstranz. Ein ganz besonders eindrucksvolles Bild aber hinterlässt die Farbenpracht der beleuchteten Glaskugeln, die mit unterschiedlich gefärbtem Wasser gefüllt sind.

Das Baujahr des Heiligen Grabes ist den Hohenzellern nicht bekannt, liegt aber nach Einschätzung von Michael Heitmeir in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Historisch belegt ist eine Signierung der Kunsthandwerker auf der Rückseite des Bauwerks: „Abänderung und Bemalung von Johannes und Thomas Sporer Taxa 1904“. Auch die Lichtquellen für die Glaskugeln hatten sich im Laufe der Zeit geändert. Während früher Petroleum-Lampen hinter den Glaskugeln angebracht waren, so wurde vermutlich 1929 auf elektrische Glühbirnen umgerüstet, denn in diesem Jahr kam das elektrische Licht nach Hohenzell.

Für die sechs Männer war es nicht einfach, die Technik herauszufinden, mit der das Heilige Grab aufgebaut wurde. Sie waren daher froh, dass ihnen Josef Schuri die Tenne seines ehemaligen Stalles zur Verfügung stellte, die hoch und breit genug war, um dieses „Bauwerk“ auszuprobieren. Dass sie es schließlich schafften, freute sie selbst, aber auch die Bevölkerung.

Eine Reihe der Älteren konnte sich noch gut an das Zeremoniell erinnern, das nach dem Gottesdienst am Gründonnerstag in Bewegung gesetzt wurde. Am Vormittag waren die Altäre entblößt worden, und am Nachmittag bauten die Männer von der Kirchenverwaltung mit dem Mesner das Heilige Grab auf. Zur Abdunklung der Kirche im vorderen Bereich wurden die Fenster mit lila Tüchern verhängt. Am Karfreitag folgte nach der Karfreitagsliturgie die Anbetungsstunden vor dem Grab des Herrn bis in den Nachmittag. Sie wurden auch am Karsamstag fortgesetzt mit abwechselnden Gebeten, dem Rosenkranz, der Litanei oder einer Andacht mit Liedern.

„Wir Kinder waren nicht so glücklich, wenn wir da lange zum Beten gehen mussten“, sagte viele ehrlich, aber es half nichts, es war eben Brauch und Ehrerbietung. Am Karsamstagmittag wurde das Allerheiligste wieder eingesetzt, also wieder in den Altar gebracht. Danach reinigten viele freiwillige Helfer die ganze Kirche und brachten sie auf Hochglanz für das Osterfest. Auch die Ministranten putzten ihre „Arbeitsgeräte“ wie die Handglocken, das Rauchfass, die Weihrauchschiffchen und vieles mehr.

Das alles wollte Michael Heitmeir nun ins Gedächtnis der Hohenzeller zurückrufen. Doch nicht nur das, auch die Kreisheimatpfleger Dr. Birgitta Unger-Richter aus Dachau, ihre Kollegin Susanne Poller aus Fürstenfeldbruck sowie Michael Schmidberger aus Aichach-Schiltberg bestaunten das Schmuckstück. „Es ist ein wichtiges kulturhistorisches Dokument, das schön in Szene gesetzt wurde“, lobte Kreisheimatpflegerin Dr. Birgitta Unger-Richter. Ob im nächsten Jahr die Anbetungsstunden vor dem Heiligen Grab in der Kirche stattfinden können, das steht noch nicht fest. Auf alle Fälle waren alle dankbar, dass sich die Männer die Mühe gemacht hatten, dieses Kleinod wieder aufzubauen und für alle sichtbar zu machen.

Gisela Huber

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