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Heimatgeschichte geschrieben: „Wir sitzen hier praktisch an den Wurzeln unseres Museums“

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Einen schönen musikalischen Rahmen bot das Musiktrio Coll‘A‘Parte.
Einen schönen musikalischen Rahmen bot das Musiktrio Coll‘A‘Parte. © Gisela Huber

Seit einem Vierteljahrhundert gibt es das Museum im Kloster Altomünster. Zu diesem Anlass gab es einen Festakt.

Altomünster – Dieser Tag wird in die Geschichte der Marktgemeinde eingehen – die Feier zum 25-jährigen Bestehen des Museums in Altomünster. Nicht allein das Vierteljahrhundert ist es, was es so einmalig macht, sondern vor allem die Tatsache, dass das Museum seit Anbeginn mit ehrenamtlichen Kräften betrieben wird, die nicht nur ihren Museumsdienst leisten, sondern auch ihre Ideen und ihre ganze Arbeitskraft mit einbringen.

Deshalb freute sich der Vorsitzende Prof. Dr. Wilhelm Liebhart besonders, dass viele der Gründungsmitglieder des Trägervereins zur Feier kamen, aber auch die Ehrenamtlichen und vor allem eine ganze Reihe von Festgästen, die seit Jahren das Museum wohlwollend begleiten.

Festakt im Kloster Altomünster: 25-Jahr-Feier

Eine besondere Premiere war die Geburtstagsfeier auch deshalb, weil sie im Refektorium des ehemaligen Birgittenklosters stattfinden durfte. „Es ist der Ort, der vor exakt 400 Jahren in der Renaissancezeit errichtet worden ist und seither den Schwestern als Speisesaal diente“, erklärte Liebhart. „Wir sitzen hier praktisch an den Wurzeln unseres Museums“, betonte der Museumschef. Denn das Altomünsterer Museum sei ja ein Klostermuseum und hätte ohne die Leihgaben des Klosters 1997 gar nicht eröffnet werden können.

Da der Besitz des Klosters nach der Auflösung nun seit 2017 in die Rechtsnachfolge der Diözese München und Freising übergegangen ist, freute sich Liebhart, dass er den „neuen irdischen Besitzer und Leihgeber“, Ordinariatsdirektor Dr. Armin Wouters, begrüßen konnte.

„Hier kommt zusammen, was zusammengehört“, stellte Wouters fest – das Kloster und das von hoher Qualität geprägte Museum. Viele Einwohner hätten noch Bezugspunkte zum Kloster, und dennoch sei allen das Klosterleben hinter diesen Mauern unbekannt geblieben. Die Ordensgeschichte sei geprägt gewesen von Niedergang, Auflösung, Neubeginn, aber auch von Durchhaltevermögen, Tatkraft und Geduld.

Bei den Klosterführungen stelle er immer fest, dass die Erwartungen in das Klostergebäude groß seien. Doch zu finden sind dort keine prunkvollen Räume, sondern vier schlichte große Räume zum Essen, Arbeiten, um die klösterlichen Entscheidungen zu treffen und um zu beten. Außerdem gibt es 60 kleine Klosterzellen, die Rückzugsorte für die Schwestern.

Peter Schultes wareine treibende Kraft

„Wir haben hier einen konzentrierten Ort ohne Schnickschnack, ganz im Sinne des Birgittenordens, nüchtern, dem praktischen Leben zugewandt, von der Schusterwerkstatt, über die Landwirtschaft, bis hin zur Handarbeit – einfach einen schlichten Bau von hoher Qualität. Diesen für die Zukunft zu erhalten und mit neuem Leben zu erfüllen“, sei nicht so einfach und man werde sicherlich viele Kompromisse in Kauf nehmen müssen, glaubt Wouters.

Bezirkstagspräsident Josef Mederer konnte sich noch gut erinnern, dass der Gemeinderat 1988 wohlwollend einer Museumsgründung gegenüber stand. Peter Schultes habe es als Gründungsvater verstanden, die Errichtung voranzutreiben und die ehrenamtlichen Kräfte zu finden, die all die Jahre das Museum betreuten. „Er schrieb Museumsgeschichte, in einer Zeit, wo Museen gar nicht mehr so gefragt waren“, betonte Mederer.

Die über 100 Ausstellungen in den Räumen des Museums, oft verbunden mit dem Museumsverein Dachau, werden im Gedächtnis erhalten bleiben.

Ehrengäste betonendie Wichtigkeit

Festgäste (v.l.): Dr. Armin Wouters (Diözese), Birgitta Graf (Pfarrei), Prof. Dr. Wilhelm Liebhart (Museum), Josef Mederer (Bezirk), MdL Bernhard Seidenath, Peter Schultes (Ehrenvorstand Museum), Landrat Stefan Löwl und Bürgermeister Michael Reiter.
Festgäste (v.l.): Dr. Armin Wouters (Diözese), Birgitta Graf (Pfarrei), Prof. Dr. Wilhelm Liebhart (Museum), Josef Mederer (Bezirk), MdL Bernhard Seidenath, Peter Schultes (Ehrenvorstand Museum), Landrat Stefan Löwl und Bürgermeister Michael Reiter. © Gisela Huber

Auch Landtagsabgeordneter Bernhard Seidenath unterstrich die Wichtigkeit zum Erhalt des Museums. „Das Altomünsterer Museum ist ein starkes Beispiel, wie sich Bürger für die eigene Heimat einsetzen“, lobte Landrat Stefan Löwl. Dass das Museum einen hohen Stellenwert in der Gemeinde hat, unterstrich Bürgermeister Michael Reiter.

Auch die Musik passte sehr gut in diesen Rahmen. Neben einem kleinen Altar mit dem Bildnis der Heiligen Birgitta erfreute das Trio „Coll’A’Parte“ um Hans Blume mit wunderbaren Stücken von Mozart, Beethoven, Bouffil oder Druschetzky.

Festvortrag über neues Leben in alten Mauern

Schließlich hielt Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler den Festvortrag zum Thema: „Neues Leben in alten Mauern: das Museum der Zukunft“. Dabei ging er auf die Zeit ein, als in den Familien zehn oder zwölf Kinder ganz normal waren, die meisten aber weggehen mussten, weil große Armut herrschte, und deshalb auch immer einige ins Kloster gingen.

So entstand auch eine Heimat, die heute oft verloren gehe, da viele Menschen viel unterwegs seien und oft keinen Ortsbezug mehr hätten. „Aber es ist, wichtig zu wissen, wo man herkommt“, betonte Göttler und deshalb seien auch Museen notwendig. Die Bilder und Exponate würden auch junge Leute in die Vergangenheit tauchen.   

„Nur ein Museum kann so etwas in der Zukunft übernehmen“, unterstrich Dr. Göttler, es könne auch gesellschaftliche Prozesse kritisch begleiten und ein Zeitzeuge für die Nachwelt sein.

Mit einer kleinen Powerpoint-Präsentation von Joachim Geisweid wurden Erinnerungen an die Anfänge und viele Stationen des Altomünsterer Klostermuseums aufgefrischt. Das gab natürlich viel Gesprächsstoff für den gemütlichen Ausklang in diesem altehrwürdigen Raum.

Gisela Huber

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