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Simulation im Wohnzimmer: Martha Roth, Agnes Kranzberger, Julia Loschko, Irmi Achter, Markus Hagl und Marianne Kerle (von links) halten schon mal Schilder mit möglichen Reisezielen hoch.

In Wollomoos soll es Mitfahrbankerl geben

Trampen für Einheimische

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Wer in Wollomoos wohnt und kein Auto hat, tut sich schwer, aus dem Ort wegzukommen. Das wollen einige Wollomooser ändern: mit Mitfahrbankerln. Das Konzept ist umstritten, denn Trampen für Einheimische ist nicht jedermanns Sache.

Wollomoos – Ohne Auto hat man es in Wollomoos schwer. „Wir sind am letzten Zipfel vom Landkreis“, sagt Bäuerin Marianne Kerle. Verkehrstechnisch ist das 650-Seelen-Dorf hinter Altomünster ganz im Nordwesten des Landkreises Dachau abgehängt, Busse halten dort nur selten. Deshalb will ein sechsköpfiges Team sogenannte Mitfahrbankerl aufstellen. Das bedeutet: Trampen für Einheimische.

Am Irschenberg (Kreis Miesbach) gibt es bereits solche Bankerl. Marianne Kerle hatte davon bei einem Vortrag über Dorfentwicklung gehört, fand die Idee gut und sammelte bald Mitstreiter um sich: Irmi Achter (58), Agnes Kranzberger (24), Julia Loschko (27), Martha Roth (52) und Markus Hagl (44). Ihr gemeinsamer Wunsch: In Wollomoos und den umliegenden Orten sollen Holzbänke mit der Aufschrift „Mitfahrbank“ aufgestellt werden. Auf einem Masten daneben sollen aufklappbare Schilder mit Fahrtzielen montiert werden: Altomünster, Thalhausen oder etwa Sielenbach. Wer mitgenommen werden möchte, klappt das Schild mit dem gewünschten Ziel aus, setzt sich und wartet auf ein Auto, das ihn mitnimmt. Praktisch, glauben die Damen, seien die Bankerl vor allem für Senioren, die nicht mehr autofahren können, oder Jugendliche, die noch keinen Führerschein haben. Die Bankerl könnten zudem ein Treffpunkt zur Bildung von Fahrgemeinschaften werden. Bei einem ersten Treffen legte das Bankerl-Team fest, wo die Sitzgelegenheiten stehen könnten: zum Beispiel an der Wollomooser Kirche und an der Trauerweide, aber auch in Sielenbach an der Schule, am Altomünsterer Bahnhof oder am Maibaum in Thalhausen – schließlich müssen die Reisenden ja wieder nach Wollomoos zurück.

Irmi Achter ist aus Altomünster und wüsste schon, wo sie hinfahren würde, wenn die Bankerl stehen: „Ich würd mich in den Biergarten nach Thalhausen fahren lassen, dann müsste ich nicht selbst fahren!“ Marianne Kerle ist optimistisch, dass das Projekt ankommen wird: „Viele aus Pfaffenhofen wollen zur Messe oder zum Wirt nach Wollomoos.“

Mit dem Projekt will das Bankerl-Team auch etwas für die Umwelt tun. Denn jeden Tag stünde eine Schlange von Autos am Altomünsterer Bahnhof mit Mamas am Steuer, die ihre Kinder vom Zug abholten, so Achter. Wenn es die Mitfahrbankerl gäbe, könnten zumindest die älteren Jugendlichen bei Bekannten mitfahren. Für die Nutzung der Bankerl soll ein Mindestalter von 16 Jahren gelten.

Doch es gibt auch kritische Stimmen aus der Dorfgemeinschaft: „Einige haben geschimpft, dass für die Bankerl extra eine Stelle im Gras ausgemäht werden muss“, sagt Julia Loschko. Außerdem hätten viele Bürger Angst bei einem Fremden mitzufahren. Aber Achter sagt: „Es wird wohl eher unter Einheimischen genutzt. Und im Umkreis von zehn Kilometern kennt man sich ja.“ Und wenn einem der Autofahrer nicht sympathisch ist, dann winkt der Mitfahrer den Autofahrer eben weiter – „Danke, sorry, aber ich warte auf den nächsten“, so Achter.

Auch die Gemeinde Altomünster will die Initiative unterstützen. 800 Euro aus dem Erlös des Altomünsterer Christkindlmarktes sollen an das Projekt gehen. Und ein Termin für die Einweihung der Bankerl steht auch schon: Am 1. Mai kommenden Jahres können sich die ersten Wollomooser beispielsweise zum Maibaumfest in Thalhausen und zurück chauffieren lassen.

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