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Die 50-jährige Frau ist vom Mordvorwurf freigesprochen worden (hier mit einem ihrer insgesamt drei Verteidiger, Rechtsanwalt Christian Langgartner).

Staatsanwältin forderte sechs Jahre Haft

Freispruch in Prozess um Mordversuch

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Sie soll ihren Sohn dazu angestiftet haben, den eigenen Vater mit einer Hantel zu erschlagen - vor dem Landgericht München II ist eine 50-jährige Frau nun aber freigesprochen worden.

Altomünster – Das Landgericht München II hat eine 50-jährige Frau vom Vorwurf des Mordversuchs an ihrem Ehemann (55) freigesprochen. Angeblich sollte sie 2008 ihren damals zwölfjährigen Sohn dazu angestiftet haben, den Vater mit einer Hantel zu erschlagen (wir berichteten).  Die Staatsanwältin forderte sechs Jahre Haft.

Nach der Urteilsverkündung zeigte die Mutter von drei erwachsenen Kindern erstmals im Verfahren Emotionen und weinte bitterlich. Dass die Schwurgerichtskammer der Argumentation der Verteidigung und nicht der Staatsanwältin gefolgt war und ihr ein jahrelanger Aufenthalt im Gefängnis erspart blieb, realisierte sie vielleicht erst in diesem Moment. Doch die Richter sahen keinen ausreichenden Nachweis für einen Plan, eine Lenkerin und die Tat an sich. Die 50-Jährige hatte anfangs geschwiegen und im laufenden Verfahren die Tat bestritten.

Das Ermittlungsverfahren war 2013 in Gang gekommen, nachdem sich der Ehemann (55) einem Kollegen von der Polizei offenbart hatte. Der Chef konnte das Kapitaldelikt nicht verschweigen und brachte den Fall zur Anzeige. Dass anschließend noch sechs Jahre bis zum Prozess ins Land gingen, lag an der Überlastung der Schwurgerichtskammer.

Vernommen wurden angesichts des Mordversuchs damals auch die Kinder der Angeklagten. Der Bursche, der mit der Hantel hantiert haben soll, erzählte allerlei kuriose Geschichten aus dem Familienalltag in Altomünster, von Indianerspielchen im Wald mit Fesselung am Baum, von einer Reifenpanne, bei der der Vater hinterrücks mit einem Drehkreuz erschlagen werden sollte. Und auch ein Cocktail von Schlafmitteln gehörte angeblich zu den Attacken. Der Bursche, ein zurückgezogener Typ, der sich am liebsten in seiner Computerwelt bewegte, zog zu Prozessauftakt vor dem Landgericht seine Aussage zurück. Die Eltern taten seine Geschichten als Fantasiegebilde ab, die vermutlich ihren Ursprung im digitalen Dauerkonsum des Buben hatten.

Trotz aller Umstände war es für die Staatsanwältin ziemlich eindeutig, dass der minderjährige Sohn nicht nur Fantasieprodukte ersponnen, sondern 2013, als die Ermittlungen begannen, die Wahrheit erzählt hatte. „Natürlich möchte sich keiner vorstellen, dass eine Frau ihren Ehemann umbringen will“, empfand die Anklägerin Verständnis für die Familie der 50-Jährigen. Doch es gebe zu viele Argumente, die für einen Tötungsvorsatz sprächen, fügte sie hinzu.

Da war der Ehemann, der 2013 in der Arbeit einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte, so sehr hatte ihn die Geschichte getroffen, dass sein Sohn ihn 2008 auf Anweisung der Mutter mit einer Hantel erschlagen sollte. Da waren die vielen anderen Tötungsversuche, zum Beispiel das Verabreichen von Schlafmitteln. Laut Telefon-Überwachung hatte die Angeklagte zu ihrer Tochter, die nicht mehr daheim wohnt, gesagt, dass der Vater nichts gespürt habe. Aus Sicht der Staatsanwältin gab es die Absicht, den Ehemann zu töten, um die Versicherungsprämie zu kassieren.

Das Gericht jedoch ging zwar von manipulativer Absicht aus, doch die reichte nicht für eine Verurteilung.

ANGELA WALSER

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