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Reiche Ernte: Die Polizei breitete damals alle Cannabispflanzen nach der Sicherstellung aus.

190 Cannabispflanzen in Maisfeld - Landgericht spricht Urteil

Marihuana-Anbau im Maisfeld: Zwei der drei Angeklagten müssen ins Gefängnis

  • Angela Walser
    VonAngela Walser
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Im Prozess um den Drogenhandel dreier Freunde (21) aus Altomünster wurde nun das gesamte Ausmaß des Marihuana-Anbaus in einem örtlichen Maisfeld publik. Der Sachbearbeiter der Polizei berichtete über den Sondereinsatz der Beamten bei der Ernte.

Update vom 28. Oktober, 18 Uhr: 

 Im Prozess um den Drogenhandel dreier Freunde (21) aus Altomünster wurde gestern das gesamte Ausmaß des Marihuana-Anbaus in einem örtlichen Maisfeld publik. Der Sachbearbeiter der Polizei berichtete über den Sondereinsatz der Beamten, die Telefonüberwachung der Angeklagten und schließlich die Festnahme am Flughafen Memmingen. 

180 Cannabispflanzen von über zwei Metern Höhe hatte die Polizei inmitten eines Maisfeldes ausfindig gemacht. Mit dieser gigantischen Menge hatten die drei Angeklagten niemals gerechnet. „Wir waren gar nicht darauf vorbereitet“, sagte einer der Männer. 200 Samen (Stückpreis 2,50 Euro) hatte das Trio in Österreich erworben. Darunter sollten sich 100 männliche befinden, die als unnutzbar für den Konsum gelten. Der Händler hatte ihnen voller Skepsis die Samen verkauft, als er erfuhr, dass die Freunde kein Gewächshaus für die Vorzucht hatten und die Setzlinge gleich ins Freie pflanzen wollten. Er prognostizierte ihnen maximal ein Viertel der letztendlich angefallenen Ernte. „Und als es dann so gut ging?“, hakte die Vorsitzende Richterin Regina Holstein nach. „Im August schossen die Pflanzen hoch“, berichtete ein Angeklagter. „Wir waren überfordert, lassen wir sie stehen, schneiden wir sie ab. Wir hätten sie raustragen müssen“, erinnerte sich der junge Mann vor dem Landgericht München II. Am ersten Verhandlungstag hatte er ein Geständnis abgelegt. Seine Abnehmer nannte er nicht. In einem Heuboden hätten die Burschen die Pflanzen trocknen wollen, das allerdings war bereits 2016 schon einmal gescheitert, als ihnen eine viel geringere Ernte im Heuboden des Vaters verschimmelte. Dem Vater gehörte auch der Grund des verpachteten Maisfeldes. Wie viel Mühe die Polizei mit der gigantischen Ernte hatte, beschrieb ein Beamter als Zeuge. Per Lkw seien die Pflanzen abtransportiert worden. „Wir hatten dann ein logistisches Problem“, fuhr er fort, galt es doch die Pflanzen vor dem Verschimmeln zu bewahren. Denn es musste ja die Qualität des Rauschgifts ermittelt werden. Bei der Polizei in Eichstätt wurde eine Lackierkabine „angemietet“, um das Cannabis zu trocknen. Mit einer Heugabel mussten die Pflanzen regelmäßig gewendet werden. und schließlich Blätter und Blütenstände vom Stängel getrennt werden. Letzterer eignet sich nicht zum Rauchen. 123 Kilo kamen zusammen. „Solche Mengen gab es noch nie“, erinnerte sich der Zeuge. Zehn Prozent der Menge wurden zur Analyse gebracht. Dabei stellte sich heraus, dass das Marihuana von schlechter Qualität war. Die übrigen 90 Prozent lagern noch immer in einem Nebenraum der polizeilichen Tiefgarage. „Gesichert?“, fragte die Richterin. „Selbstverständlich“, erwiderte der Beamte und erzeugte im Zuschauerraum ein Lachen. Nach ihrem Anbau-Fehlschlag hatten die drei jungen Männer munter ihre Drogengeschäfte nach Spanien verlagert. Zwei Angeklagte kauften in Malaga drei Kilo Marihuana, ließen es nach Hause liefern und gingen der Polizei daheim ins Netz. Bei den Hausdurchsuchungen wurden allerlei Utensilien wie auch Bargeld in vierstelliger Höhe gefunden, das darauf hinwies, dass die Freunde drogentechnisch bereits fest vernetzt waren. Am Abend verhängte das Landgericht gegen den Haupttäter eine vierjährige Jugendhaftstrafe. Sein Freund erhielt dreieinhalb Jahre, der dritte Mann kam mit einer einjährigen Bewährungsstrafe davon.

Altomünster – Eigentlich passte alles im Leben von den drei jungen Männern (21): Freundeskreis, Schulabschluss, Weiterbildung, Auslandsaufenthalt, Studium bzw. Berufsausbildung. Aber vielleicht war es die Monotonie der Planmäßigkeit, die sie auf die schiefe Bahn geraten ließ. Sie bauten in einem Maisfeld bei Altomünster eine riesige Marihuana-Plantage an – und wurden erwischt. Seit Freitag müssen sie sich vor dem Landgericht München II verantworten.

Voller Reue räumte das Trio die Vorwürfe der Anklage ein. „Die 14 Monate U-Haft haben mir gezeigt, was ich für einen großen Fehler begangen habe“, sagte der Erste und begann zu weinen. Er habe seiner Familie große Sorgen bereitet. Ein Aufenthalt in Kolumbien – eigentlich zur Verbesserung der Spanisch-Kentnisse gedacht – hatte ihn auf die Idee gebracht, Marihuana anzubauen. „Hier sitzt aber nicht der große Drogenkönig“, wehrte er sich gegen jeden aufkeimenden Verdacht. Eigentlich sei 2017 sein Abi-Jahr gewesen, Planlosigkeit und mangelnder Ehrgeiz hätten ihn auf die Drogen-Anzucht gebracht.

Doch die Polizei entdeckte das Feld im Feld und wartete ab, bis der „Drogen-Bauer“ zur Pflege vorbeischaute. Noch auf dem Traktor sitzend, wurde er vorläufig festgenommen. Dieser Einschnitt langte allerdings nicht, den Drogenhandel aufzugeben. In den Pfingstferien 2018 reisten die Freunde nach Spanien. 9000 Euro hatten sie mitgenommen. Die Summe war für den Ankauf von drei Kilo Cannabis gedacht. Sie landeten in einer Hippie-Kommune in Malaga, wo sie vom Häuptling über den Tisch gezogen wurden. Sie erhielten nur zwei Kilo, trauten sich dann nicht, die Ware mit nach Deutschland zu nehmen, sondern ließen sich die Drogen per Kurier nach Memmingen bringen, wo sie das Marihuana übernahmen, nach Altomünster brachten und dort an Freunde oder Bekannte weiterverkauften. Namen von Abnehmern wollten die Männer nicht preisgeben.

Deshalb drohen ihnen Haftstrafen um die vier bis fünf Jahre. Richterin Regina Holstein erschlossen sich die wirren Geschäfte der drei Männer überhaupt nicht. „Ihnen war langweilig, da haben sie Cannabis angebaut. Aber warum nicht in Töpfen?“, fragte sie. Das hätten sie in einem Waldstück versucht, aber die Pflanzen seien verschimmelt, erklärte einer der Angeklagten. Schließlich setzten sie die frisch angezogenen Pflanzen in einem Maisfeld aus, das dem Vater einer der Männer gehörte und das er verpachtet hatte. Vom anschließenden Geschäft mit dem Spanien-Marihuana hatte sich das Trio einen Gewinn über 1000 Euro erhofft, so dass sie der Urlaub praktisch kostenlos gekommen wäre. Dieser Plan ging allerdings nicht auf. Der Prozess dauert an. ANGELA WALSER

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