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Was für ein Coup! Vor drei Jahren stibitzten die Randelsrieder Burschen den bereits zuvor geklauten Zwieseler Maibaum. Heuer aber sind sie arbeitslos. Bursc henchef Thomas Kienast (ganz links) verrät in einem Gespräch mit der Heimatzeitung, wie sich seine Meisterdiebe in Corona-Zeiten fit halten. 

Randelsrieder Meistermaibaumdiebe im „Ruhestand“: Interview mit Burschenchef Thomas Kienast

„Nächstes Jahr geben wir Vollgas“

Heuer ruht der Maibaumdiebstahl. Das bedeutet Pause für die Meisterdiebe des Burschenvereins Randelsried. Doch 2021 wird Vollgas gegeben, wie Burschenchef Thomas Kienast sagt.

Randelsried– Der Burschen- und Mädchenverein Randelsried-Asbach ist überregional bekannt – er ist der Meister des Maibaumdiebstahls. Erfolge? Bitteschön: 2018: der größte Maibaum Deutschlands (50 Meter) in Englmannsberg im Landkreis Pfaffenhofen/Ilm (gemeinsam mit dem Patenverein Sielenbach). 2017: Maibaum Zwiesel, wobei die Randelsrieder den bereits geklauten Baum einem Team von Antenne Bayern stibitzten. 2010: vier Bäume. 2009: sechs Bäume.    

Bei einem Klau werden 20 bis 30 Mann alarmiert, der Suchtrupp besteht aus etwa 10 Mann in maximal drei Autos. Heuer jedoch ist alles anders. Wir haben bei Burschenchef Thomas Kienast nachgefragt, wie es den Meisterdieben in Corona-Zeiten ergeht.

Was sagen Sie dazu, dass Sie heuer arbeitslos sind?

Der aktuellen Situation geschuldet, werden Großveranstaltungen abgesagt, darin beinhaltet sind auch kulturelle und Brauchtumsveranstaltungen. So gibt es auch nirgendwo Maibaumfeste. Deshalb gibt es leider auch nirgendwo Maibäume zu stehlen. Deshalb sind wir auch schweren Herzens angehalten, keine Diebesgruppen zu formieren. Des Weiteren sind deshalb viele Mitglieder über diese Situation enttäuscht, aber akzeptieren diese selbstverständlich. Aber Nichtsdestotrotz is es a amol schee, a bissl Ruhe im Jahr zu haben. Und die Vorfreude ist dafür umso schöner. Und dann wird wieder Vollgas gegeben!

Nun hatten verschiedene Ortschaften ja schon neue Bäume organisiert oder restaurieren alte. Was sagen die traditionellen Regeln: Dürften Sie überhaupt stehlen?

Laut Tradition dürften wir natürlich die Bäume stehlen, aber die aktuelle Lage erlaubt dies nicht.

Hatten Sie schon potenzielle Opfer im Auge?

Freilich hatten wir schon Bäume in Aussicht. Der Aufstellzyklen nach wären dieses Jahr ein paar richtig schöne Schmankerl zu stehlen, unter anderem auch bei ein paar altbekannten Opfern.

Wie halten Sie Ihre Spezialisten bei Laune? Trainieren Sie das Auskundschaften oder Anschleichen? Machen Sie Video-Analysen von früheren Coups oder haben Sie gar Übungsbäume?

Das Training sieht so aus, dass die „alten“ Spezialisten die heranwachsende Jugend unter ihre Fittiche nimmt. Dies beginnt schon mit dem Suchen und Ausspähen der Bäume. Dort werden Techniken, die zum Anschleichen und Auskundschaften benötigt werden, vermittelt. Daraufhin folgt das Beratschlagen zwischen Jung und Alt, wie der Klau über die Bühne laufen soll. Aber im Großen und Ganzen wird die Erfahrung in der Praxis gesammelt. Und Erfolg oder nicht: Danach wird frühmorgens noch ein gemütliches Bier getrunken.

Das Team leidet in diesen Tagen natürlich auch ernährungstechnisch. Schließlich sind die Männer an Auslöse-Grillfeste oder -Brotzeiten gewöhnt. Nicht zu unterschätzen: die Gefahr der Unterhopfung?

Natürlich leidet das Team darunter, dass keine Auslösen stattfinden. Doch die Motivation steigt umso mehr bei dem Gedanken, nächstes Jahr viele Bäume und somit Auslösen zu ergattern.  

Interview:
Thomas Zimmerly

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