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Anfahrt zu gefährlich – mit dieser Begründung liefert die Post Gertraud Krautheim und ihrem Sohn Hans-Peter Dorn keine Briefe mehr. Und das seit einem Jahr. 

Strecke unbefahrbar

Seit einem Jahr bleibt ihr Briefkasten leer - Post ist Anfahrt zu gefährlich 

50 Jahre lang hat es keine Probleme gegeben. Doch seit einem Jahr ist Schluss. Gertraud Krautheim (69) aus Altomünster bekommt keinen Brief mehr zugestellt. Die Gründe der Post verwundern. 

Altomünster – Gertraud Krautheim lebt gefährlich. So sieht es zumindest die Deutsche Post. Denn die stellt keine Briefe und Pakete mehr an die 69-Jährige zu, weil die Zufahrt zu ihrem Haus – eine Privatstraße in Altomünster (Kreis Dachau) – nicht befahrbar sei. Mit dieser Einschätzung ist das Unternehmen aber offensichtlich allein. Alle anderen Lieferdienste nutzen den Weg ohne Beanstandungen. „50 Jahre lang hat es keine Probleme mit der Zufahrt gegeben“, sagt ihr Sohn Hans-Peter Dorn. Doch seit über einem Jahr traut sich kein Postbote mehr, den Berg zu befahren. Die Straße sei zu gefährlich, so die Begründung.

Post stellt Bedingungen

Das will Dorn aber nicht so stehen lassen: „Wir haben von der Post die Auflage bekommen, dass der Berg hergerichtet werden muss. Das haben wir getan.“ Zum Beweis schickte er Bilder von den Arbeiten und Ausbesserungen. Die Post bestätigte diesen Vorgang. Bei einem Zustellungsversuch im März 2017 sei aber so viel Schnee gelegen, dass das Postfahrzeug zwei Mal aufgesessen sei, erklärte Sprecher Erwin Nier. Deshalb wurde die Zufahrt als unsicher eingestuft und die Zustellung an die Adresse eingestellt.

Ist die Zufahrt wirklich gefährlich?

Für die Situation im Winter bei Schnee habe er ja Verständnis, sagt Dorn, aber bei normalen Verhältnissen gebe es keine Gefahr. Außerdem seien die besagten Mängel ja beseitigt worden.

Die Post will die Zufahrt heute noch einmal prüfen. Ein Mitarbeiter aus dem Qualitätsmanagement soll die Zufahrt erneut begutachten und die Situation vor Ort ansehen, dann wird entschieden, ob die Post künftig wieder im Briefkasten landet. Damit würde für die Familie eine lange Odyssee zu Ende gehen. Denn natürlich hat sie sich deswegen schon bei dem Unternehmen beschwert. Es sei aber nahezu unmöglich, einen Ansprechpartner zu bekommen. „Ich habe garantiert schon 40 Mal angerufen, aber werde nur von einer Stelle zur anderen verwiesen“, erzählt Krautheim. Des Problems habe sich dort trotzdem keiner angenommen. Und auf die E-Mail-Anfragen der Familie kämen immer nur „die Standardschreiben“, berichtet Dorn. Zudem seien die Begründungen der Post nicht schlüssig gewesen. Zuerst hieß es vonseiten des Unternehmens, der Briefkasten sei falsch angebracht. Nach einiger Zeit war dies aber offensichtlich kein Problem mehr, sondern es hieß, die Straße zum Haus sei nicht befahrbar. Der Briefkasten hängt noch immer an derselben Stelle wie zu Beginn, wie Dorn erzählt.

69-Jährige ist auf Post-Zustellung angewiesen

Gertraud Krautheim wäre dringend auf die Zustellungen angewiesen. Seit einiger Zeit leidet sie an COPD, einer chronischen Lungenerkrankung. Ihr fällt es sehr schwer, das Haus zu verlassen. Darum erledigt sie die meisten ihrer Einkäufe jetzt im Internet. Doch die Waren kommen nicht bei ihr an. Auch Niers Vorschlag, einen Landbriefkasten – also einen Briefkasten an der Einmündung der privaten in die öffentliche Straße – zu errichten, hilft Krautheim nicht weiter. „Im Moment holt mir mein Sohn die Päckchen und Briefe aus der Zweigstelle im Edeka“, erklärt die 69-Jährige. Das sei aber natürlich keine dauerhafte Lösung.

Für andere Lieferanten scheint der Berg keine Gefahr zu sein. Der Sauerstoff, den Krautheim wegen ihrer Krankheit benötigt, wird regelmäßig geliefert. Und auch der Pflegedienst, der sich um ihre 96-jährige Mutter, die ebenfalls in dem Haus lebt, kümmert, hatte noch nie Schwierigkeiten. „Wir wollen einfach nur, dass die Post wieder ganz normal zugestellt wird“, wünscht sich Hans-Peter Dorn.

Thomas Benedikt

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