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I red Boarisch und Du? Siegfried Bradl, Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte.

Zum Tag der Muttersprache

Siegfried Bradl aus Altomünster: Der Kämpfer für die bairische Sprache

Stirbt die bairische Sprache aus? Was ist bairisch überhaupt? Und was kann man machen, damit auch in Zukunft weiter bairisch gesprochen wird? Die Dachauer Nachrichten haben sich mit einem absoluten Verfechter und Kämpfer für die bairische Sprache im Landkreis Dachau getroffen: Sigfried Bradl.

Seit Jahrzehnten geht er in Schulen und Kindergärten, hält Vorträge, veranstaltet Volksmusikabende, kämpft, wo immer es geht, für den Erhalt seiner Heimatsprache, aber auch für die bairische Kultur. 2016 wurde er vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck nach Schloss Bellevue zum Neujahresempfang eingeladen. Als Dank für sein über 40-jähriges ehrenamtliches Engagement. „Ich war in Tracht, und da habe ich gemerkt, dass die Merkel unsere Kultur nicht versteht“, erzählt Bradl. „Ich habe eine Kategorisierung empfunden“, so Bradl nachdenklich, auch eine gewisse „Reserviertheit“. Dann stellt Bradl klar, dass es ihm nicht nur darum geht, die bairische Sprache zu erhalten: „Der Erhalt des Kulturguts ist am wichtigsten“, so Bradl, der seit Herbst vergangenen Jahres auch Vorsitzender des FBSD ist, des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte mit über 3200 Mitgliedern.

„Zum Kulturgut gehören Musik, Gesang, Tanz, Dialekt, Tracht, Sitten und Bräuche, aber auch die Baukultur“, erklärt Sigfried Bradl. Gerade letzteres sieht der Sprachkämpfer immer mehr schwinden. „Die Leute kommen zu uns und drehen alles um“, bedauert Bradl im Hinblick auf den Zuzug in seinem Heimatdorf. „Altomünster verliert seine Seele“, befürchtet der Dialektförderer.

In den Schulen sehe es oft nicht anders aus, so Bradl weiter. „Im Landkreis sind viele Lehrer aus Franken, die können keine bairische Kultur vermitteln“, glaubt Sigfried Bradl. Und dazu wollten diese Lehrer ja auch wieder zurück in „ihre Heimat“. Bairisch ist nämlich Altbairisch, dazu gehört Oberbayern, Niederbayern und die Oberpfalz, erklärt der FBSD-Vorsitzende.

Wie kann man dann den Kindern die bairische Sprache und Kultur näher bringen? Und warum sprechen die Kinder nicht mehr bairisch? Einen der Hauptgründe sieht Bradl in den „Negativerlebnissen“ der heutigen Eltern in deren eigener Kindheit. Bis hinein in die 80er Jahre war es an den Schulen verpönt, Dialekt zu sprechen. Daraufhin hätten die Eltern daheim mit ihren Kindern auch nicht mehr bairisch gesprochen, erklärt Sigi Bradl. Darum geht er jetzt verstärkt in die Grundschulen, aktuell in Odelzhausen und Schwabhausen, und versucht gerade über Musik den Spaß am Dialekt und der bairischen Kultur zu vermitteln.

Gerade bei den Migrantenkindern erlebt er dabei große „Entdeckungsfreude“ und gute sprachliche Fähigkeiten. Die „Schäden“, die damals in den 60er, 70er und auch 80er Jahren entstanden seien, seien allerdings nicht mehr aufzuholen, so Bradl betrübt.

Ein weiterer Punkt, der ihn bedrückt, ist, dass an den Schulen seiner Meinung nach immer mehr die „Herzensbildung“ verloren geht. Kultur müsste in die Lehrpläne mit einbezogen werden, damit „unsere Wurzeln nicht verloren gehen“. Der FBSD steht zwar in gutem Kontakt mit Kultus- und Heimatministerium, aber die Materialien wie beispielsweise das Lesebuch „Freude an Mundart“, die herausgegeben wurden, seien weder geeignet, noch würden sie bei den Lehrern tatsächlich ankommen, meint Sigfried Bradl.

Und: „Die Politik müsste Vorbild sein. Und auch die Pfarrer müssen bairisch können“, fordert Bradl. „Die Tradition und die Kultur wird nur weitergegeben, wenn die Dorfmeinschaft funktioniert“, hat Bradl analysiert. „Der Dialekt geht da an, wo die S-Bahn aufhört“, meint der Altomünsterer festgestellt zu haben. Eine funktionierende Dorfgemeinschaft, gute Sozialisierung und viele Protagonisten, die ihn früh mit auf den Weg genommen haben, macht Sigfried Bradl für seinen Lebensweg verantwortlich. Von Erzieherinnen und Lehrern angefangen, durfte er als junger Mann Wegbegleiter wie den Karikaturisten Franz Eder oder Dr. Herres kennenlernen. „Diese Menschen waren Vorbilder für mich, das war ein wunderbares Geschenk für mich“, so Bradl, der mit zehn Jahren schon das Zitherspielen lernen durfte.

Bradl selbst ist Marketing-Berater und mittlerweile als Kulturmanager tätig. Seit seiner Wahl zum Vorsitzenden des FBSD arbeitet er am Aufbau des neuen Vorstands und hat neu einen Beirat, einen Sprachspezialisten und einen Strategie-Entwickler installiert, um erfolgreich auf der „Riesen-Welle“, auf die der Verein momentan schwimmt, weiterzureiten.

Einen großen Wunsch hat Bradl noch: eine eigene Geschäftstelle für den FBSD, denn die ist momentan bei ihm zuhause in Altomünster. Und da wünscht er sich dann doch mehr Professionalität für die Zukunft. Über Mitgliederschwund kann der Verein zum Glück auch nicht klagen. „Wir haben auch viele junge Mitglieder, wobei ich mit jung so zwischen 40 und 50 meine“, erklärt Bradl augenzwinkernd. Egal, was Sigi Bradl bisher angepackt hat, er gibt immer 100 Prozent und vor allem: Er gibt nicht auf. „Wir wollen der Diskriminierung des Dialekts entgegenwirken!“ Der Förderverein Bairische Sprache und Dialekt unter der neuen Leitung von Sigfried Bradl schaut positiv in die Zukunft. Simone Wester

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