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Sie setzt aufs E-Bike und ist trotzdem „zu spät“: Laura Knoll.

Starkbierfest in Altomünster

Unbequeme Aussichten vom Bankerl aus

Eine große Gaudi war’s auch heuer, das Starkbierfest der Pipinsrieder Musikanten. Höhepunkt war wie immer die Theatereinlage, bei der die Mitwirkenden über viele Begebenheiten des vergangenen Jahres sinnierten und einen kleinen Ausblick wagten auf die Kommunalwahl im nächsten Jahr.

Altomünster – Bereits eine Viertelstunde vor Beginn des beliebten Bockbierfestes war kaum noch ein Sitzplatz zu finden im Kapplersaal. Gründe dafür gäbe es einige: Das Bockbierfest machte in 2018 Pause wegen des Jubiläums der Pipinsrieder Musikanten. Oder lockten einmal mehr Bier, bayerisch-böhmische Blasmusik und das über halbstündige Stück, für das die Führungsriege der Blaskapelle mit Dirigent Simon Schlatterer und den beiden Vorsitzenden Markus Knoll und Klaus Steinhardt sich aufs Neue ins Zeug gelegt hatten?

Die „Gespräche am Mitfahrbankerl“, wie das Theater überschrieben war, verfolgten nicht nur die zahlreichen Gemeinderäte im Publikum, sondern auch Bürgermeister Anton Kerle, Altbürgermeister Konrad Wagner, Landrat Stefan Löwl und Bezirkstagspräsident Josef Mederer. Kein Wunder, wurde doch nur über kommunale Angelegenheiten geredet.

Zum Beispiel über Probleme mit dem öffentlichen Personennahverkehr. Denen will man in der Marktgemeinde ein wenig mit den Mitfahrbankerln abhelfen, die im vergangenen Jahr in vielen Ortsteilen aufgestellt wurden. Es läuft nur nicht immer alles, wie es soll. Die Fahrt nach Altomünster habe ganz gut geklappt, berichtet der erste Bankerlsitzer (Klaus Steinhardt). Nur zurück nicht, mangels Bankerl. „I glab, do hod einfach wer vergessen, dass ma a wieder hoamkemma wui.“

Ganz schlecht sei die Lage in Pipinsried. „Ohne Auto sitzt du do fest“, so Steinhardt. „Nur oamoi, do san 100 Busse auf oan Schlog kemma – letztes Jahr, ois de 60er do warn.“ Seitdem läuft es nicht mehr. Bankerlsitzer 2 (Markus Knoll) fällt es wie Schuppen von den Augen: Vielleicht seien Bürgermeister und Gemeinderat deswegen so darauf bedacht, dass in Pipinsried nicht gebaut wird, damit niemand, trotz hoher Grundstückspreise, auf die schlechte Infrastruktur aufmerksam wird.

Eine junge Pipinsriederin (Laura Knoll) hat das Problem auf ihre Weise gelöst und ein E-Bike gekauft. Zur Melodie von „Zu spät“ („Die Ärzte“), hat sie nicht mehr die Sorge, umsonst zu warten auf dem Mitfahrbankerl, aber sieht jetzt die Tücken, auf huckliger Straße ohne Markierungen unterwegs zu sein.

Ins Gespräch mischt sich kurz auch SPD-Gemeinderat Josef Haltmayr (Florian Bradl) ein, der zufällig mit seinem Hund vorbeikommt. „Den hob i so obgricht, dass der voi auf mi hört. Des is anders wia im Gemeinderat. Do macha zwar a olle brav sitz, aba hörn duat dann koana auf mi.“

Zum Flascherl Bier, das praktischerweise aus dem nebenliegenden Automaten kommt, diskutieren die drei zudem über die ihrer Ansicht nach wenig sachliche Diskussion zum Baugebiet Vogelgarten in Altomünster („An Bürgermoasta homs a no saudumm o’gredt“), über die Verkehrssituation dort und am Sandgrubenfeld, wo die Anwohner wohl mindestens einen zweispurigen Kreisverkehr brauchen, um in die Stumpfenbacher Straße zu kommen.

Auch das Einheimischenmodell nahm Klaus Steinhardt aufs Korn. Sein Fazit: zu kompliziert und zu langwierig. Hermann Stegmairs Schlussfolgerung: „I bleib Single und bleib dahoam bei da Mam.“

Nach einem Neuanstrich des Bankerls durch Michael Geisler nehmen neue Passanten Platz: Martin Ott, Miriam Schmid und Tom Kölbl. Zu ihnen stößt auch eine Wahrsagerin (Simon Schlatterer). Sie wird dazu gedrängt, per Glaskugel die Zukunft vorauszusagen. „Wie wichtig wird Altomünster da sein?“, will Martin Ott wissen. Sehr wichtig, prophezeit die Frau. Es werde nicht nur eine Zugverbindung nach Aichach ausgebaut, der Landrat werde außerdem bekannt geben, dass das fünfte Gymnasium bei Schauerschorn gebaut wird. Dort, wo es bald Glasfaser gibt. Dann könnte Martina Schwarzmann vielleicht Lehrerin für bayerische Mundart und Gaudiwesen werden.

Den Zeitlbachern prophezeit sie ein Bürgerhaus, Thalhausen einen neuen Kanal. Und die Stumpfenbacher erhalten das gestohlene Feldkreuz zurück.

Beim wichtigsten Punkt aber versagt die Kugel: Wer wird Bürgermeister? Schlatterer: „Der Mann mit Schnauzbart – vielleicht. Wenn die CSU geschlossen is und ihm nix in die Rücken fällt, wie bei Vorschlag zu die Bahnhofskiosk.“

Sabine Schäfer

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