Altes Foto von Blasmusikern
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Erinnerungen an die Gründung des Musikvereins 1976: Es gab ein kleines Standkonzert.

Musikverein Altomünster wird 45 Jahre alt

Traditionsverein entstand dank Zufall

Ein Polizist musste einst zu einem Einsatz nach Aichach... So beginnt die Geschichte des Musikvereins Altomünster, der 45 Jahre alt wird.

Altomünster – Alles begann mit einem Stromschlag. Und mit einer Unterhaltung zwischen einem Musiker und einem Polizisten – eine Zufallsbegegnung, aus der vor 45 Jahren Großes entstand: der Musikverein Altomünster. Vor Kurzem ist der Gründungsdirigent des Vereins gestoben. Anlass, um auf die Anfangszeit zurückzublicken.

Hätte es damals in Altomünster nicht den Polizeibeamten Max Ostermeier gegeben, wäre vermutlich gar nichts ins Rollen gekommen. Ostermeier war der Vorsitzende des Dachauer Forums in Altomünster, das damals für die Erwachsenenbildung allein zuständig war, eine Volkshochschule gab es noch nicht. Ostermeier war beruflich zu einem Fall in Aichach gerufen worden: Ein Musiker hatte dort bei einem Auftritt einen Stromschlag am Mikrofon erhalten – Gott sei dank verlief alles glimpflich.

Eine Unterhaltung zwischen dem Polizisten und dem Musiker sollte alles verändern. Dieser Musiker war der in Pöttmes lebende Organist, Akkordeonspieler und Posaunist Herbert Pukas, der zudem in Aichach auch Musiklehrer war. Ostermeier und Pukas kamen also ins Gespräch, und Ostermeier schwärmte davon, wie schön es wäre, wenn es in Altomünster auch wieder, wie früher, eine Musikkapelle geben würde. Damit war die Idee geboren, und Pukas erklärte sich bereit, interessierte Schüler zu unterrichten, nicht nur in Blasinstrumenten, sondern auch mit dem Akkordeon.

Die Nachfrage war sehr groß. Bald tummelten sich im alten Schulhaus viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene, die meist vorher noch nie ein Instrument in der Hand gehabt hatten.

Wilfried Fromm schob die Sache dann gewaltig an: Er organisierte über seinen Vater in Berlin gut erhaltene gebrauchte Blasinstrumente, die dann leihweise benutzt oder kostengünstig erworben werden konnten. Pukas gab nicht nur Einzelunterricht, sondern fasste auch gleich alle in der Gesamtprobe zusammen, bei der die ersten Versuche in Richtung Blasmusik gemacht wurden. Es reifte auch bald der Entschluss, tatsächlich eine Blaskapelle auf die Beine zu stellen und einen Verein zu gründen.

Und das passierte am 16. Juli 1976. Herbert Pukas übernahm natürlich die musikalische Leitung, Rudolf Fladerer und Wilfried Fromm wurden die Vorsitzenden des Vereins. Die Musiker probten jede Woche. Alte Hasen wie Dr. Roland Stevens mit seinem Bass oder der „Kramertsvogel“ Franz Schmid mit der Posaune unterstützten die neuen Musikanten nach Kräften.

Den Start bildete eine Instrumentenweihe in der Pfarrkirche, die Pfarrer Johann Gradl übernahm. Danach gab es nicht nur ein kleines Standkonzert an der Kirchentreppe, sondern auch einen Minifestzug zum Kapplerbräusaal, wo auch die Patenschaft mit den Musikern aus Bonstetten besiegelt wurde. Es folgten erste kleine Auftritte, und der neue Verein wagte sich an ein erstes Weihnachtskonzert im Kapplerbräusaal.

Die Musiker übten fleißig, es wurde immer besser. So spielten sie auch beim ersten Marktfest, beim ersten Christkindlmarkt, bei der Schulhauseinweihung und bei vielen anderen Anlässen. Der Musikverein machte sich unter der Leitung von Herbert Pukas einen guten Namen.

Pukas lud eine Runde von guten, jungen Musikschülern zu Zusatzübungen ein. Daraus entstand seine Bigband, die viele Jahre sein Markenzeichen war.

Wolfgang Henkel, der Altomünsterer Theaterregisseur, war auch eines der Bandmitglieder. „Ich habe unheimlich viel von seiner Spontanität und dem Mut gelernt, einfach etwas auszuprobieren. Vieles konnte ich auch fürs Theater umsetzen“, sagte Henkel einmal und ist dankbar, dass er dabei sein durfte.

Sechs Jahre war Pukas der Gründungsdirigent, bevor sich die Wege trennten und auch Rudi Fladerer seinen Posten als Vorstand abgab. Vier Jahre zuvor trennten sich einige ältere Spieler vom Verein, da sie mit Pukas nicht mehr klar kamen. Aus ihnen gingen die Pipinsrieder Musikanten hervor.

So mancher Musiker blickt jetzt dankbar an die Anfangszeit zurück und ist froh darüber, dass Max Ostermeier und Herbert Pukas wegen eines Stromschlags zusammen kamen. Ostermeier konnte die anfängliche Blütezeit des Musikvereins nicht mehr erleben. Und Herbert Pukas ist Ende März plötzlich im Alter von 79 Jahren gestorben.

Gisela Huber

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