Möchte im Kloster Altomünster leben: Claudia Schwarz (Mitte) mit ihren Anwälten Katharina Rapolder und Ansgar Lederer. foto: kn

Claudia Schwarz rebelliert gegen Klosterauflösung

Verzögerungstaktik zu Lasten der Gemeinde

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Claudia Schwarz rebelliert weiter gegen die Auflösung des Altomünsterer Klosters. Die Erzdiözese drohte ihr bereits mit einer Räumungsklage, doch sie will das Kloster nicht verlassen. Den Bürgermeister ärgert das, denn die Diözese verkauft den Grund nicht, solange das Kloster nicht offiziell vom Vatikan aufgelöst ist.

Altomünster– Klar, es ist einsam geworden, seit die letzte Schwester aus dem Kloster Altomünster ausgezogen ist. Claudia Schwarz muss das Chorgebet alleine singen, betet alleine und kann die vielen Früchte aus dem Klostergarten nicht mehr verbrauchen. Denn vor rund zwei Jahren fiel die Entscheidung: Das Kloster wird aufgelöst. Aber Schwarz weigert sich auszuziehen. Und solange sie dort wohnt, verkauft die Kirche das Grundstück nicht – dabei möchte die Gemeinde hier ein ein Baugebiet schaffen.

Zur Vorgeschichte: Vor rund neun Monaten packte die letzte Schwester Apollonia Buchinger ihre Sachen und verließ das Birgittenkloster (wir haben berichtet). Monatelang wollte sie sich das marode Gebäude nicht verlassen. Nun rebelliert Claudia Schwarz: Sie ist Rechtsanwältin und wohnt seit rund zwei Jahren im Kloster, hier wollte sie Ordensschwester werden. Für Priorin Apollonia hat Schwarz eine Klage gegen die Auflösung des Klosters vor dem Kirchengericht in Rom eingereicht. Denn sie sagt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott nicht will, dass das Klosterleben weitergeführt wird.“

Eine Entscheidung, wie es mit dem Kloster weitergehen wird, ist in Rom noch nicht gefallen. Bürgermeister Anton Kerle ärgert das. Denn die Gemeinde will auf einem Grundstück, das zur Hälfte dem Kloster gehört, ein vier Hektar großes Baugebiet für junge Familien schaffen. Es ist rund einen Kilometer vom Kloster entfernt. Doch solange der kirchenrechtliche Prozess läuft, ist dieses Projekt auf Eis gelegt.

Rom muss wieder entscheiden: Darf das Kloster Altomünster aufgelöst werden? Und darf die Erzdiözese München und Freising das Kloster als Träger übernehmen? Wie lange der Prozess noch dauern wird, ist ungewiss. Im Dezember 2015 hatte die Vatikanische Ordenskongregation beschlossen, das Kloster aufzulösen. Nur wenige Monate zuvor hat sich Claudia Schwarz für das Leben im Kloster entschieden. Apollonia war damals die letzte Klosterschwester in Altomünster, ein Kloster mit einer einzigen Schwester – das geht laut Vatikan nicht.

Nach dieser Entscheidung hat die Erzdiözese München und Freising das Kloster im vergangenen Januar übernommen. Apollonia zog einen Monat später aus. Denn das Dachauer Landratsamt hat das Wohnen im Kloster aus Sicherheitsgründen untersagt, so die Diözese auf Anfrage. Als Eigentümerin des Klosters muss das Bistum diese Regelung umsetzen: „Das tun wir derzeit mit gerichtlicher Hilfe“, so die Diözese. Doch Claudia Schwarz will nicht ausziehen, bevor Rom nicht entschieden hat: „Gott schickt mich doch nicht in ein Kloster, das geschlossen wird“, sagt sie.

Deshalb lebt sie weiterhin in dem 520 Jahre alten Gemäuer. Vor rund einem halben Jahr hat die Erzdiözese eine Räumungsklage gegen Schwarz erhoben – ohne Erfolg. Schwarz bleibt. Sie hofft auf einen Rückzieher aus dem Vatikan. Denn bisher gab es keinerlei Anhörung zur Auflösung, keine Gründe für die Entscheidung, sagte Schwarz, so die Juristin vor dem Landgericht II in München. „Das war dermaßen rechtsstaatswidrig.“

Deshalb räumte ihr der Rechtsanwalt der Erzdiözese, Martin Pusch, eine Schonfrist ein. Bis das Kirchengericht in Rom endgültig über die Auflösung des Klosters entschieden hat, darf sie im Birgittenkloster bleiben.

Bürgermeister Kerle ärgert sich über Claudia Schwarz’ Kampf in Rom gegen die Auflösung des Klosters. Denn die Baugebietsplanung auf dem Grund des Klosters verzögern sich ins Ungewisse. Denn solange das Kloster nicht offiziell vom Vatikan aufgelöst wird, will die Diözese noch nichts weiterverkaufen: für Kerle angesichts der Wohnungsnot im Großraum München eine Katastrophe.

Die Gemeinde habe schon vor rund drei Jahren mit der Planung des Baugebiets am Sandgrubenfeld begonnen. Es gehört zur Hälfte dem Kloster und zur anderen der Gemeinde. Rund 40 Bauparzellen sollen dort entstehen, mit Einfamilien- und Doppelhäusern und eventuell sozialem Wohnungsbau. Rund eine Million Euro hat die Gemeinde in die Planungen investiert. „Aber ob und wann das mit dem Baugebiet funktioniert, wissen wir nicht“, sagt Kerle. Claudia Schwarz hat dafür kein Verständnis: „Die Gemeinde kann es einfach nicht erwarten, bis das Kloster endlich tot ist und kämpft schon jetzt ums Erbe.“ Wie lange der Prozess in Rom noch dauert, weiß die Erzdiözese nicht. „Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen“, heißt es.

Doch Claudia Schwarz hat ein dickes Fell. Auch das Landratsamt wollte sie bereits aus ihrer Zelle 7 bewegen. Denn es gab dort Probleme mit dem Brandschutz, der zweite Rettungsweg war nicht gesichert. Anstatt aus dem Kloster auszuziehen, zog sie eine Zelle weiter.

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