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Schulweg Landstraße: Michelle Nehmer müsste jeden Morgen zwei Kilo meter entlang dieser Landstraße von Rudersberg nach Wollomoos gehen. Die Straße ist schmal und unbeleuchtet – und gefährlich, sagt Mutter Martina Nehmer.

Zwölfjährige darf nicht mehr kostenlos Bus fahren

Wie gefährlich ist Michelles Schulweg?

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Michelle Nehmer hat einen gefährlichen Schulweg, aber er ist nicht zu gefährlich – sagt die Polizei. Auf der Strecke gibt es weder einen Gehweg noch Straßenlaternen, und Autofahrer dürfen mit 100 Stundenkilometern vorbeifahren. Der Schulbus nimmt Michelle Nehmer nicht mehr mit.

Rudersberg – Ein Autofahrer mit rund 70 Stundenkilometern rauscht an Michelle Nehmer, 12, vorbei. Sie geht auf ihrem Schulweg von Rudersberg nach Wollomoos – einen Bürgersteig gibt es auf der Strecke zum Schulbus nicht, auch keine Straßenlaternen. Autofahrer dürfen theoretisch mit 100 Stundenkilometern fahren: Und trotzdem soll Michelle Nehmer diesen Weg jeden Tag zum Schulbus marschieren. Ihre Mutter Martina Nehmer, 31, sagt: „Ich bin diese Straße noch nie zu Fuß gegangen, mit dem Auto habe ich schon Angst, weil es so eng ist. Das ist eine Zumutung für ein Kind.“

Zwei Autos passen auf der Straße gerade so nebeneinander

Seit diesem Schuljahr wird die Siebtklässlerin deshalb von ihrem Papa in die Mittelschule Altomünster gefahren.

Die Straße ist mitten in der Prärie, daneben sind Wiesen und der Altowald, dazwischen Hügel und enge Kurven. Der rund zwei Kilometer lange Schulweg ist an den meisten Stellen nur rund fünf Meter breit, zwei Autos passen gerade so nebeneinander.

Im Schulbus wären sogar noch Plätze frei

Rudersberg liegt zwischen Sielenbach und Altomünster. Acht Häuser gibt es dort und einen Kleinbus nach Altomünster für die Schüler, organisiert von der Gemeinde. Die zwölfjährige Michelle Nehmer darf nicht mehr kostenlos mitfahren, ihre sieben- und achtjährigen Schwestern Emily und Sophie schon. „Bei uns sind sogar noch zwei Plätze im Bus frei“, sagt Sophie. 

Warum verlangt die Gemeinde Geld für den Bus?

Damit Michelle mit dem Bus mitfahren dürfte, müsste die Familie Nehmer 100 Euro im Jahr zahlen. Seit Michelle elf und in der fünften Klasse ist, müssen ihre Eltern zahlen – also seit letztem Schuljahr. Die Nehmers wollten das heuer nicht mehr hinnehmen.

Aber warum verlangt die Gemeinde Altomünster die 100 Euro Buskosten von der Familie? Die Strecke vom Haus der Nehmers in Rudersberg nach Wollomoos ist ein bisschen länger als zwei Kilometer. Wenn Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse einen Schulweg von über zwei Kilometer laufen müssten, besteht eine Beförderungspflicht für die Gemeinde. Das heißt, sie muss einen Bus einsetzen oder den Eltern das Fahrtgeld erstatten. Siebt- bis Neuntklässlern mutet der Gesetzgeber mehr zu: Erst wenn der Schulweg länger als drei Kilometer ist, muss die Gemeinde einen Schulbus einsetzen. 

Gremium entscheidet, dass der Weg „nicht besonders gefährlich ist“

Unter drei Kilometern wird entschieden, ob „die Notwendigkeit einer Beförderung“ anerkannt wird, also wenn der Weg besonders gefährlich oder beschwerlich ist. Dann muss die Gemeinde einen Bus einsetzen oder den Eltern das Fahrtgeld erstatten, sagt Verkehrsexperte der PI Dachau, Richard Wacht.   

Im Fall von Michelle Nehmer hat sich ein Gremium aus Landratsamt, Polizei und Gemeinde dagegen entschieden: Die Straße für Tempo 100 von Rudersberg nach Wollomoos – ohne Straßenbeleuchtung und Gehweg – gilt für sie als „nicht besonders gefährlich“.

Michelle Nehmer: „Ich habe Angst, dass mich jemand anfährt“

Wenn ihr Papa Michelle Nehmer nicht fahren würde, würde ihr Schulweg etwa eineinhalb Stunden dauern: Sie müsste den Bus um 6.59 Uhr in Wollomoos nehmen, damit sie bis 7.45 Uhr pünktlich in die Schule kommt. Sie müsste also gegen 6.30 Uhr zuhause loslaufen. Im Winter ist es zu dieser Zeit meist noch dunkel, aber auf der Straße gibt es keine Beleuchtung. 

„Ich habe Angst, dass mich jemand anfährt, weil es dann schon so finster und die Straße ja nicht so breit ist“, sagt Michelle. Zu dem konkreten Fall darf sich Verkehrsexperte Wacht nicht äußern. Aber im Falle einer Siebtklässlerin gehe er davon aus, dass sie „voll verkehrstüchtig und in der Lage ist, Gefahren richtig einzuschätzen“.

Mutter Martina Nehmer geht es ums Prinzip

Auch Christian Richter, Geschäftsleiter in der Gemeinde Altomünster, bestätigt, dass die Straße von Gemeinde, Polizei und Landratsamt „als nicht besonders gefährlich“ eingestuft wurde. Zudem erklärt er, dass die Eltern die 100 Euro für den Kleinbus zahlen könnten. Auf die Schultage heruntergerechnet seien das etwa 50 Cent pro Tag: „Ein Fünfzgerl pro Schultag müsste es den Eltern doch wert sein.“

Doch Mutter Martina Nehmer geht’s ums Prinzip. Sie sagt: „Die Strecke allein ist schon zu gefährlich.“ Und dann ist da noch der Wald direkt neben der Straße: „Was ist, wenn sie entführt wird? Da kann man doch kein Kind laufen lassen.“

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