Die Amper wird über 100 Kilometer vermessen

Die Vermessung der Amper

Wie hat sich die Amper in den letzten Jahrzehnten verändert? Ist sie tiefer, breiter, gar schneller geworden? Diese Fragen werden jetzt beantwortet. Denn das Wasserwirtschaftamt München vermisst 100 Kilometer Flusssystem neu - vom Ammersee bis nach Moosburg.

Landkreis – 24,4 Kilometer der Strecke, die unter die Lupe genommen werden, liegen im Landkreis Dachau. Insgesamt kostet das Wasserwirtschaftamt die Vermessung etwa 90 000 Euro. Vielleicht auch ein Grund, warum die Schlauchboote mit den Meßgeräten erst jetzt zu Wasser gelassen werden. „Die Regel lautet eigentlich generell: Nach jedem Hochwasser muss neu vermessen werden“, erläutert Rainer Seidl vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Dachau. Er und sein Team sind für die Durchführung zuständig. Doch die Definition des Wortes Hochwasser ist nicht klar umrissen. Deshalb liegt die letzte Bestandsaufnahme schon über 16 Jahre zurück. „Das war 1999“, erinnert sich Seidl. „Nach dem Pfingsthochwasser.“

In der Zwischenzeit könnte sich einiges getan haben. Primär wird der Bereich auf Umschichtungen untersucht. Also: Gibt es Unterspülungen? Hat sich die Flusssohle erhöht oder eingetieft? In beiden Fällen müssten Gegenmaßnahmen getroffen werden. Denn: Ist die Sohle gewachsen, fällt es dem Wasser leichter, über die Ufer zu treten.

Hat sie sich hingegen eingegraben, hat das Auswirkungen auf das Grundwasser. „Liegt der Grund um einen Meter tiefer, fließt auch das Grundwasser einen Meter weiter unten.“ So veranschaulicht Stephan Kirner vom Wasserwirtschaftamt München die Situation. Pflanzen, deren Wurzeln nicht weit in den Boden reichen, sind so von der lebenswichtigen Quelle abgeschnitten. „Das gab es an der Isar. Dort hat sich der Fluss in zehn Jahren um einen Meter vertieft.“ Mit solchen Szenarien rechnen aber weder Seidl noch Kirner. „Grundsätzlich ist die Amper ein ruhiges Kind“, sagt der Fachmann vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt München.

Sie habe sich in den letzten Jahrzehnten nicht verändert, wie der Münchner mit Blick auf die digitalen Aufzeichnungen angibt. Die gehen zurück bis ins Jahr 1979. „Man kann von einer Tendenz des Gleichbleibens sprechen.“ Spannend könnte es allerdings im Bereich des Ampermooses werden. In den vergangenen Jahrzehnten ist dort der für das Moos notwendige hohe Grundwasserstand zurückgegangen. Man sorgte sich um die moortypische Flora und Fauna. Deshalb wurde im Winter 2012/ 2013 oberhalb des Mutterbachs in Grafrath eine Sohlschwelle eingebaut. „Dort erwarte ich auf jeden Fall eine merkliche Änderung“, so Kirner.

Ans Werk geht ein Messtrupp aus drei Personen, wie Rainer Seidl vom Ingenieurbüro erklärt. Zwei stehen im Schlauchboot, einer an Land. Mit einer Peilleine hangeln sich die Bootsinsassen von Festpunkt zu Festpunkt – grüne Täfelchen mit Nummern darauf, die in jeweils 200 Meter Abstand an der Böschung der Amper stehen. Sie markieren darunter liegende Steine und ermöglichen eine Datenerhebung an der gleichen Position im Gewässerabschnitt.

In regelmäßigen Abständen wird dann eine Messlatte bis auf den Grund gelassen und die Höhe abgelesen. Die Begleitperson am Ufer notiert die Werte. „Daraus lässt sich im Anschluss ein Profil erstellen“, so Kirner. Damit kann das Wasserwirtschaftsamt etwa Berechnungen zur Höhe des Wasserspiegels stellen.

Die werden wichtig, wenn es zum Beispiel um ein Baugesuch geht. „Die Häuser sollen ja geschützt werden“, erläutert Kirner. „Deswegen können Neubaugebiete natürlich nicht in einen Überschwemmungsbereich gesetzt werden.“

Beeinträchtigt werden die Bürger im Landkreis Dachau von den Vermessungen übrigens nicht. Die Ausführung beansprucht ungefähr zwei Wochen. Sie soll – je nach Witterung und Flussablauf – spätestens Anfang März beginnen. Die jahreszeitlich bedingten frostigen Temperaturen stören die Männer und Frauen vom Ingenieurbüro Seidl nicht: „Wir haben im Notfall Thermoanzüge“, meint der Geschäftsführer schmunzelnd. Außerdem gehören eine wasserdichte Watthose und eine Schwimmweste zur Standardausrüstung für die Messteams.

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