Ein sogennanter „Microburst“ trieb im Landkreis Dachau sein Unwesen.

Es krachte gewaltig

„Als ob eine Wolke vom Himmel fällt“: Seltenes Wetter-Phänomen verwüstet Landkreis Dachau

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Bäume lagen quer über Straßen, begruben Autos unter sich, stürzten auf Häuser. Die Wettererscheinung, die zu diesen zerstörerischen Winden im Landkreis Dachau geführt hat, nennt sich Microburst.

Ampermoching/Hebertshausen/Dachau – Kurz nach 18 Uhr hat sich am Mittwochabend der Himmel über Ampermoching, Hebertshausen und Dachau-Ost verdunkelt. Es tat mehrere Donnerschläge, es blitzte, es begann zu regnen. Wind kam auf, der stärker und stärker wurde – und zerstörerische Kräfte entwickelte. Die Sturmfront mit Regen- und zum Teil Hagelschauern war heftig, aber kurz.

Die Bäume begruben Autos unter sich, lagen quer über Straßen, stürzten gegen Häuser. Personen wurden glücklicherweise nicht verletzt. Die Freiwilligen Feuerwehren Dachau, Hebertshausen, Ampermoching sowie das THW Dachau waren ab 18.30 Uhr im Dauereinsatz.

Experte erklärt den „Microburst“

Für das heftige Ausmaß des Gewitters war nach Ansicht von Experten ein sogenannter Microburst verantwortlich: „als ob eine Wolke vom Himmel auf den Boden fällt“, erklärt Christian Fischer aus Indersdorf, der sich in seiner Freizeit seit vielen Jahre intensiv mit dem Wetter beschäftigt. Verschiedene Voraussetzungen wie sehr trockene Luft in Bodennähe müssen dafür gegeben sein. 

Eine Wolke voller Niederschlag, quasi ein „Regensack“, kann dann in einem Gewitter zu Boden fallen, erklärt Fischer. Diese Fallböe erzeuge dann so viel Druck, „dass belaubte Bäume vom Zentrum weg umgelegt werden“. Fischer erklärt, dass der Microburst in Lotzbach losging, über Ampermoching und Hebertshausen nach Dachau-Ost zog. „Die Frage ist, ob er mehrmals aufgegangen ist oder nur einmal“, vermutlich aber mehrmals.

Die Windgeschwindigkeit betrage bei Microbursts um die 100 Stundenkilometer: „Laubbäume fallen um, Dächer werden aber nicht abgedeckt“, erklärt Fischer. Das passiere erst bei Orkanböen ab 120 km/h. Bei einem Microburst gebe es einen Schub – eine Druckwelle, einen länger anhaltenden Wind in eine Richtung, „darum sind die Bäume auch langsam umgefallen, sie sind eher umgedrückt worden“. Diese Wettererscheinung trete absolut lokal auf, „er betrifft einen begrenzten Bereich“, sagt Christian Fischer. Das erklärt auch, warum nahe liegende Orte wie Oberweilbach, Prittlbach oder Dachau-Süd nicht betroffen waren.

Einsatzkräfte im Dauereinsatz

Bei der Dachauer Feuerwehr kam die erste Meldung um 18.27 Uhr an. In der Würmstraße seien vier Bäume über die Fahrbahn gestürzt, wie die Feuerwehr mitteilte. Wenige Minuten später wurden weitere umgefallene Bäume in der Sudetenland-, Schleißheimer-, Breslauer- und Robert-Bosch-Straße sowie am John-F. Kennedy-Platz gemeldet. Acht abgestellte Pkw wurden von Bäumen begraben, einige stürzten an Häuser bzw. drohten auf diese zu stürzen.

Heftiges Unwetter fegt über Landkreis Dachau: Bilder zeigen Ausmaß der Zerstörung

Die Einsatzkräfte arbeiteten an den Einsatzstellen parallel und mussten insgesamt 15 Bäume zersägen und von den Verkehrsflächen entfernen. Für die sichere Fällung zweier übereinander hängender Bäume in der Würmstraße wurde das THW Dachau mit dem Kran nachalarmiert. Der Baum wurde mit dem Kran gesichert und aus dem Korb der Drehleiter der FF Dachau zurückgeschnitten.

Eine Straße traf es besonders heftig

Hebertshausen und Ampermoching traf es noch heftiger. 50 bis 60 Bäume stützten um, schätzt Bürgermeister Richard Reischl. Ein dicker Ast einer Linde fiel auf das Dach des südlichen Flügels des Schulgebäudes. In dem kleinen Hölzchen zwischen Deutenhofen und Ampermoching sind einige Bäume umgeknickt. Besonders getroffen hat es die Torstraße in Deutenhofen. Von der Amperbrücke bis zur Gaststation fielen rund 20 Bäume auf die Straße. Sie musste für den Verkehr vorläufig gesperrt werden. 

Die Feuerwehren aus Hebertshausen und Ampermoching waren mit Aufräumarbeiten gut beschäftigt. Unterweilbach blieb von dem Unwetter verschont. Die Feuerwehr musste nicht ausrücken, ebenso die Prittlbacher Feuerwehr. Sie mussten aber während des Unwetters zum S-Bahnhof eilen, um eine Person aus dem Aufzug zu befreien. Die Ampermochinger zählten zwölf Einsätze, die Hebertshauser fünf Einsätze.

Die Arbeiten der Feuerwehren zogen sich am Mittwochabend zum Teil bis spät in die Nacht hin – während das Unwetter mitsamt Microburst innerhalb von wenigen Minuten vorbei war.

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Ein Wetterexperte erklärt: So entsteht ein Microburst

Kalte Luft fällt in einem Gewitter nach unten, trifft auf den Boden und breitet sich dort aus. So lautet die Kurzbeschreibung eines Downbursts, der je nach Wirkungsbereich und Dauer in Micro- ud Macroburst unterteilt ist. Wie aber entsteht diese fallende kalte Luft? Martin Schwienbacher, Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes, erklärt: Ausschlaggebend ist zunächst, dass es „bodennah recht trocken ist“.

Das war am Mittwochabend laut zweier entscheidender Parameter – Taupunkt und relativer Feuchtigkeit – gegeben. Kommt es dann zu einem Gewitter, kann es einen Downburst geben. Beim Gewitter steigt warme Luft auf, die sich abkühlt, bis sie die darin enthaltene Feuchte zu Wasserdampf kondensiert, erklärt Schwienbacher. Das Gewitter verlagert sich im Entwicklungsprozess, die Feuchte, die an Ort A aufgesaugt wurde, kommt an Ort B herunter. Wenn aber die Feuchte am Ort B zu gering ist, kann mit dem Gewitter viel Feuchte verdunsten. Dann erwärmt sich die Luft nur langsam beziehungsweise bleibt kalt – und ist viel schwerer als die Umgebungsluft. Die Folge: Die Wolke fällt herunter – mit oder ohne Regen – und kann so hohe Windgeschwindigkeiten erzeugen.

So läuft ein Microburst ab.

Laut Schwienbacher kommt ein Downburst gar nicht so selten vor – „im Schnitt mindestens einmal im Sommer pro Bundesland“. Allerdings werde die Wettererscheinung mehr zur Kenntnis genommen in einem Gebiet, das dicht besiedelt ist – als wie „in den Alpen auf 2000 Metern Höhe“.

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