Amtsgericht Dachau verurteilt den Sheriff von der Autobahn

Dachau - Auf dem Standstreifen der Autobahn bis zur nächsten Ausfahrt zu fahren, ist verboten. Dennoch tun das bei Stau immer wieder Autofahrer. Weil ein 37-jähriger Handwerker versuchte, das auf seine eigene Art zu unterbinden, landete er auf der Anklagebank.

Täglich ist der 37-jährige selbstständige Isolierermeister von Nördlingen über die A8 nach Dachau gefahren, um zu seiner Baustelle zu kommen. Und täglich hat er sich geärgert: über den Stau vor der Ausfahrt Dachau/Fürstenfeldbruck. Noch mehr wurmte den Isolierer allerdings, dass immer wieder Autos verbotenerweise auf dem Standstreifen bis zur Ausfahrt fuhren, um so schneller die Autobahn verlassen zu können - während er brav im Stau wartete, bis er schließlich regulär von der Autobahn fuhr.

Am 22. April dieses Jahres regelte der dreifache Familienvater die Angelegenheit auf seine Art. Er fuhr mit seinem Lieferwagen Fiat Ducato zu zwei Drittel auf den Standstreifen, so dass niemand mehr durchkam. Als sich dann aber doch ein Mercedesfahrer zwischen ihm und der Leitplanke durchzwängte, soll der 37-Jährige mit einem Schlenker nach rechts den Mercedes touchiert haben.

Wegen Nötigung stand der Handwerker gestern vor dem Dachauer Amtsgericht. „Ich wollte bezwecken, dass niemand den Fahrstreifen befährt. Das war natürlich nicht richtig, ich weiß, dass das nicht meine Aufgabe ist“, gab der Mann vor Gericht zu. Dass er absichtlich in den Mercedes gefahren ist, bestritt er jedoch. „Ich bin etwas nach links gekommen, er hat die Lücke genutzt und hat sich an mir vorbeigedrückt. Es war brutal eng, er ist dann an mir hängengeblieben.“

Wie der Unfall, bei dem am Mercedes ein Schaden von rund 2000 Euro entstand, genau passiert ist, konnte auch der Mercedesfahrer vor Gericht nicht genau sagen. Der 53-jährige Kaufmann gab zu, mit seinem Firmenwagen auf dem Standstreifen gefahren zu sein, um schneller zur Ausfahrt zu kommen, als sich plötzlich der Lieferwagen vor ihn setzte. „Ich musste abbremsen, fuhr aber eh nur etwa 30. Wenn ich schon was Verbotenes tu, dann wenigstens langsam“, sagte der Kaufmann. Als der Lieferwagen wieder nach links fuhr, sei er vorbeigefahren. Er war fast vorbei, doch dann habe er bemerkt, dass sein Auto am linken Heck angefahren wurde. „Ob das mit Absicht war, kann ich nicht sagen“, so der Mercedesfahrer. Die beiden Kontrahenten verließen anschließend die Autobahn. Der Angeklagte wies den Kaufmann daraufhin, dass er nicht auf der Standspur fahren dürfe. „Ich habe ihm dann gesagt, dass er nicht die Polizei oder ein Richter ist und er mich nicht zu richten habe“, sagte der Kaufmann. Er holte die Polizei.

„Wenn ich am Standstreifen überhole und es entsteht ein Unfall, würde ich nicht die Frechheit besitzen, den Unfall zu melden“, bemerkte der Angeklagte gestern. Richter Christian Calame verurteilte den Isolierermeister zu 30 Tagessätzen zu je 30 Euro - mit der Bemerkung: „Sie haben hier einfach ein bisschen Sheriff gespielt, das muss man klar sagen.“ (mm)

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