Gemeinsam anpacken: Paul Böller (l.) und Amadou Faye arbeiten zusammen am Lehrerhaus in Niederroth. Foto: ans

Arbeit zählt alles

Indersdorf - Die Asylbewerber aus der Container-Unterkunft in Indersdorf wollen sich trotz vieler Schwierigkeiten einbringen und dem Landkreis mit ihrer Arbeit etwas zurückgeben.

Einige Wände sind bereits verputzt, die morsche Holztreppe wackelt ein bisschen und auch die Bodenbeläge fehlen noch im alten Lehrerhaus in Niederroth. Im Inneren sieht es noch ein wenig gespenstisch aus, von Bewohnbarkeit noch weit entfernt, ein kalter Rohbau eben. In etwa zwei bis drei Jahren soll das alte Lehrerhaus einmal als Gemeindehaus für Vereine und die Allgemeinheit offen stehen. Bis dahin ist es noch ein langer Weg, aber Amadou Faye (29) aus dem Senegal will kräftig anpacken. Geld bekommt er dafür so gut wie keines - das war aber nicht immer so.

Draußen vor dem Haus mit den bunt bemalten Fensterläden steht ein kleiner Betonmischer: Die Indersdorfer Bauunternehmer Paul Böller (55) und sein ehemaliger Mitarbeiter und mittlerweile guter Freund Amadou Faye schippen einige Schaufeln Kies, damit sie neuen Beton anmischen können. Faye strahlt. Als gelernter Maurer war er zunächst ein Jahr in Paul Böllers Bauunternehmen in Indersdorf beschäftigt. Hat dort bis Juli letzten Jahres als Teilzeitkraft betoniert, gepflastert, sich um den Schallschutz gekümmert und das Mauern noch einmal neu gelernt: „So wie es eben in Deutschland gemacht wird“, sagt Paul Böller und grinst.

Anfangs konnte Faye damit damit normal Geld verdienen, doch das ist ´vorbei. Denn im Frühjahr 2015 hat die bayerische Staatsregierung ein Arbeitsverbot für Asylbewerber aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten eingeführt, darunter fiel auch der westafrikanische Senegal. Deshalb hilft Faye seitdem unter anderem bei der Sanierung des alten Lehrerhauses in Niederroth mit. Denn: Arbeiten mit „gemeinnützigen Status“ , wie im Alten Lehrerhaus, darf er als Ein-Euro-Jobber weiterhin erledigen. Und das ist alles was er sich wünscht: arbeiten.

Mit zwei weiteren Senegalesen und einem Flüchtling aus Mali kommt Amadou Faye etwa zwei bis dreimal die Woche nach Niederroth und werkelt unter der Anleitung von Bauunternehmer und Mitglied des Indersdorfer Asylhelferkreises Paul Böller: „Man merkt, dass er gern hier ist und arbeitet. Vor allem daran, dass er von Indersdorf hierher radelt und den Ein-Euro-Job macht.“ Denn mit 80 Euro pro Monat bekomme Amadou für 80 Stunden Arbeit im alten Lehrerhaus keinen großen finanziellen Betrag zu den Sozialleistungen vom Landratsamt. Viel wichtiger für ihn ist, dass er gebraucht wird.

Aus der Asylbewerberunterkunft in der Rieder Straße machen bereits zwei junge Männer eine Ausbildung zum Bäcker und Anlagenmechaniker, fünf Asylbewerber besuchen eine Klasse zur Berufsvorbereitung und einige haben im Dezember erfolgreich einen Deutschkurs abgeschlossen. Außerdem haben schon 15 Flüchtlinge eine Arbeit gefunden - vom Minijob bis zur Vollbeschäftigung.

Trotzdem sind derzeit noch zehn Leute in der Unterkunft auf Arbeitssuche. Die meisten sind ungelernte Hilfskräfte, die sich bei einfachen Tätigkeiten wie Putzen, Spülen, im Lager oder auf dem Bau einbringen könnten. Zudem sind einige qualifizierte Arbeitssuchende unter den Flüchtlingen. Zum Beispiel suchen Autoelektriker oder Elektriker eine Beschäftigung.

Denn wie auch Amadou Faye möchten die meisten Asylbewerber dem Landkreis etwas zurückgeben und nicht nur die Zeit totschlagen, bis das eigene Asylerfahren entschieden ist: „Bevor ich nicht gearbeitet habe, ging es mir schlecht“, betont der sonst so fröhliche 29-Jährige. „Ohne Arbeit war es langweilig. Außerdem ist es in Deutschland einfach wichtig, dass man arbeitet.“ Mittlerweile hat Faye auch schon gut Deutsch gelernt, vor allem wegen seiner festen Anstellung in dem Bauunternehmen. Das merkt auch Paul Böller, wenn er den vier Flüchtlingen im alten Lehrerhaus die Arbeit erklärt: „Amadou kann mittlerweile schon am besten Deutsch und kann meine Anweisungen den Anderen auf Französisch erklären.“ Denn in den ehemalige französischen Kolonien Senegal und Mali ist Französisch die Amtssprache.

Neben den Sprachkenntnissen hat der Job im Baugewerbe Faye geholfen, Erfahrungen zu sammeln und Anschluss in Indersdorf zu finden. Denn in Paul Böllers Firma hat er einen guten Freund gefunden, mit dem er auch nach dem Arbeitsverbot noch in Kontakt ist: „In der Arbeit kann man halt auch mal einen Spaß machen“ sagt Paul Böller zu Amadou und die beiden nicken einander grinsend zu. Dann wird der Bauunternehmer aber wieder ernster: „Mir ist das einfach ein Anliegen: Egal wie lange jemand da ist, das er nicht als Fremder behandelt, sondern aufgenommen wird“, sagt er. Deshalb versucht der Helferkreis Indersdorf, Wohn- und Arbeitsplätze für die Flüchtlinge zu finden - wenn auch gemeinnützige Arbeiten zum Beispiel bei der Papiersammlung, nur für eine Brotzeit: „Auch durch diese Arbeit werden sie in den Orten bekannter und es ist immer einfacher, wenn man sie kennt.“

Deswegen hat Paul Böller noch weitere Pläne, damit die Asylbewerber aus der Rieder Straße beschäftigt sind und etwas Neues dazulernen können: Denn auch heuer stehen wieder Arbeiten am Indersdorfer Skaterpark und am Jugendzentrum an. Darüber hinaus denkt der Helferkreis darüber nach, in der Rieder Straße eine Fahrradwerkstatt für die Asylbewerber einzurichten, damit sie selbst ihre Räder reparieren können.

Mit dem alten Lehrerhaus in Niederroth sind Amadou Faye und seine vier Gehilfen noch ein wenig beschäftigt. Zudem bleiben die Menschen in der Unterkunft mit ihrer Arbeit für Böller keine Fremden, sondern werden zu Freunden: „Amadou und ich sehen uns ein paar Mal in der Woche. Inzwischen ist er wirklich ein guter Freund geworden.“

Flüchtlinge suchen Wohn- und Arbeitsplätze

Zehn Flüchtlinge aus der Rieder Straße sind derzeit auf der Suche nach Arbeit und könnten vor allem Hilfsjobs, wie Putz-/ Spül- und Wäschereidienste, Hausmeisteraufgaben, auf dem Bau, im Lager, der Abfallwirtschaft oder einfache Tätigkeiten in der Fertigung, im Verkauf oder im Pflegebereich erledigen. Außerdem werden bezahlbare Unterkünfte für die bereits anerkannten Flüchtlinge gesucht:

Aktuell handelt es sich bei den Wohnungssuchenden um ein Ehepaar mit einem Säugling, um ein zweites Paar, bei welchem der Nachwuchs für das Frühjahr angekündigt ist, und zwei junge Männer aus Syrien, welche als Cousins eine gemeinsame Bleibe suchen.

Die Ansprechpartner Georg und Irmgard Weigl für Arbeits- und Wohnplätze vom Asyl-Helferkreis Indersdorf sind unter Telefon 0 81 36/69 17 erreichbar.

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