Amtsgericht Dachau

Asbestbaustelle in Indersdorf: Geschäftsführer und Bauleiter verurteilt

Bauarbeiter haben auf einer Baustelle in Indersdorf Asbestplatten mit dem Hammer zerschlagen. Vor dem Amtsgericht Dachau wurde nun geklärt, wer für dieses Verstoß verantwortlich war.

Dachau/Indersdorf – In seinem Schlussplädoyer begann Staatsanwalt Sven Jaspers mit einem psychologischen Vergleich: Vor einem Hochhaus mit mehreren Wohnungen in New York wird nachts eine Frau erstochen. In allen Wohnungen gehen die Lichter an und die Bewohner wachen auf. Trotzdem verblutet die erstochene Frau auf der Straße, weil sich jeder Bewohner darauf verlassen hat, dass eine andere Person der verblutenden Frau zur Hilfe kommt. 

So sei es auch im Falle des Geschäftsführers einer Münchner Baufirma (58) und seinem Bauleiter (48) gewesen. Beide mussten sich wegen unerlaubten Umgangs mit Abfällen vor dem Dachauer Amtsgericht verantworten (wir haben berichtet). Beim zweiten Termin nun wurden beide Angeklagte verurteilt. 

Der Geschäftsführer hatte den Bauleiter angewiesen, in Markt Indersdorf veraltete Asbestplatten abzutragen. Asbest ist hochgiftig und kann krebserregende Stoffe freisetzen. Deshalb muss ein Sachkundiger die Asbestabbrucharbeiten kontrollieren. Der Geschäftsführer gab diesbezüglich zwar einem befreundeten Unternehmer Bescheid. Er selbst kümmerte sich nicht weiter um die Baustelle, der Bauleiter nur sporadisch. Auch ein Experte war nie vor Ort. 

Bei der Fortsetzung der Verhandlung brachte nun ein Sachverständiger des Gewerbeaufsichtsamtes Licht ins Dunkel, denn er hatte nach Hinweisen des Landratsamtes die Baustelle kontrolliert: „Die Bauarbeiter haben die Asbestplatten wie mit dem Hammer zusammengehauen.“ Das sei ein „gravierender Verstoß“ gegen die Gesetze. Vor allem, weil durch diesen „Trümmerabbruch“ die krebserregenden Stoffe des Asbests freigesetzt werden konnten. Der Beamte schloss deshalb sofort die Baustelle und setzte sich mit dem Bauleiter in Verbindung. „Er hat mir nur gesagt, dass der Sachkundige woanders eingesetzt war“, berichtete der Beamte im Zeugenstand. 

Diese Aussage war auch der Schlüssel für das Urteil von Richter Tobias Bauer. Der Geschäftsführer hätte sich vergewissern müssen, dass ein zuverlässiger Sachkundiger vor Ort ist, so der Vorsitzende. Er hätte sich von allen Pflichten losgelöst und habe die Gesundheit seiner Mitarbeiter aufs Spiel gesetzt. Deshalb verurteilte ihn der Richter zu einer Geldstrafe von 4000 Euro. Auch der Bauleiter wurde zur Verantwortung gezogen.

Anna Schwarz

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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