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Sehr engagiert: Die Ehrenamtlichen im Odelzhausener Helferkreis.

Asylbewerber in Odelzhausen

Der Helferkreis hat viele Pläne

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Odelzhausen - Die erste Hürde für den Asyl-Helferkreis in Odelzhausen ist geschafft. Die Flüchtlinge sind eingezogen, die ersten Projekte der Arbeitsteams sind angelaufen. Es bleibt aber viel zu tun.

Das Leben in der Asylunterkunft in Odelzhausen spielt sich ein. 105 Asylbewerber leben seit einigen Wochen in den Containern. Die jungen Männer stammen aus Sierra Leone, Syrien, Pakistan, Nigeria und Afghanistan. „Die Jungs sind echt top“, sagte Arnold Neugebauer, der sich als Kümmerer um die Flüchtlinge kümmert. Natürlich müssten die Asylbewerber manches noch lernen: Dass es schlecht ist, wenn Fenster und Heizung gleichzeitig offen sind, und dass Pünktlichkeit in Deutschland wichtig ist, zum Beispiel. Doch das sind Kleinigkeiten. Streitigkeiten zwischen den Nationalitäten wie in der Traglufthalle in Karlsfeld gebe es in Odelzhausen nicht, betonte der Kümmerer. Das liegt auch an der Arbeit des Helferkreises. „So eine gute Gemeinschaft wie ihr habe ich noch nie gehabt“, sagte Neugebauer.

Rund 80 Ehrenamtliche kümmern sich um die Asylbewerber. Gleich nach der Ankunft sorgte das Willkommensteam für einen schönen Einstieg. Die Helfer hatten ein Essen vorbereitete, für jeden Neuankömmling gab es eine Geschenktüte mit Decken und Handschuhen. In einem Erfassungsbogen wurden die Talente aller Asylbewerber festgehalten.

Das Arbeitsteam kümmert sich jetzt darum, dass die Flüchtlinge diese Talente so schnell wie möglich nutzen können. Einige haben schon Jobs in Aussicht. Vier Mechaniker unter den Flüchtlingen reparieren in der Fahrradwerkstatt des Helferkreises alte Räder. „Sie machen das echt gut, wir bräuchten nur mehr Räder“, sagte Jane Strozyk vom Helferkreis.

Für die Freizeitgestaltung gibt es ebenfalls viele Ideen. „Es laufen viele Dinge, die in den nächsten Monaten angeboten werden“, versprach der Helfer Toni Küpper. Die Flüchtlinge können beispielsweise Volleyball und Badminton spielen, bald soll ein Lauftreff starten. Sobald die Freisaison losgeht, wird ein Fußballteam gegründet. Außerdem werden die Asylbewerber Tischtennis spielen können. Das Freizeitteam überlegt, Kochkurse, Gitarrenunterricht, Trommelkurse und ein Verkehrsseminar anzubieten.

Ein großes Anliegen der Flüchtlinge ist es, Wlan nutzen zu können. Doch bis der mobile Internetzugang eingerichtet ist, dauert es noch einige Monate.

Ein anderer Wunsch der Asylbewerber hat sich schon erfüllt: Deutschkurse. Doch damit ist es nicht getan. Deshalb wurde beim Helfertreffen ein Integrationsteam gegründet. „Die Gruppe überlegt, welche Schulungen die Asylbewerber brauchen“, so Annerose Stanglmayr vom Helferkreis. Themen könnten zum Beispiel die Geschlechterrollen in Deutschland oder der Umgang mit Geld sein.

Am Anfang sei unser Finanzsystem für Asylbewerber schwierig zu verstehen, erklärte Sabrina Hutner von der Caritas. „Man muss aufpassen, dass es nicht zur Überschuldung kommt.“ Hier könnte der Helferkreis im Vorfeld viele Probleme verhindern. Hutner betonte, dass es wichtig sei, die Asylbewerber zur Selbstständigkeit anzuregen. Sie riet dem Helferkreis deshalb davon ab, eine Sachspendenausgabe einzurichten. „Da gab es schon schlimme Szenen. Ich empfehle Bedarfsscheine.“ Wer zum Beispiel eine Hose braucht, füllt einen Schein beim Kümmerer aus und bekommt die Kleidung. Auch wenn das Angebot bisher nicht oft genutzt wurde, soll es beibehalten werden.

Noch nicht entschieden ist die Frage, ob Zimmerpatenschaften eingerichtet werden. „Es geht um eine dauerhafte Begleitung“, sagte Annerose Stanglmayr. Jedes Zimmer soll einen eigenen Ansprechpartner bekommen. Doch die Helfer waren sich nicht sicher, ob sie diese Patenschaften stemmen können. „Ihr macht Euch fertig“, befürchtete Kümmerer Neugebauer.

Ähnlich sieht es Bürgermeister Markus Trinkl: „Irgendwann wird das nicht mehr leistbar sein. Was jetzt gemacht wird, ist keine Aufgabe, die in vier Wochen vorbei ist.“ Sondern eine Aufgabe, die Jahre dauern kann. Denn für die Integration der Flüchtlinge braucht es engagierte Helfer und viel Zeit.

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