Helferkreises will keine Nachbelegung

Asylunterkunft in Odelzhausen: Offener Brief an den Bürgermeister

Odelzhausen - Die Asylunterkunft in Odelzhausen soll nicht mehr nachbelegt werden. Das fordert der Odelzhauser Helferkreis in einem offenen Brief an Bürgermeister Markus Trinkl und die Odelzhauser Gemeinderäte.

99 Asylbewerber leben derzeit in Odelzhausen in den Containern beim Feuerwehrhaus. Die meisten Zimmer sind 30 Quadratmeter groß und mit sechs Betten belegt. Als die Unterkunft im vergangenen Dezember eingeweiht wurde, hat sich das Landratsamt die Möglichkeit offen gehalten, jedes Zimmer mit einem weiteren Stockbett auszustatten. Somit wären acht Flüchtlinge in einem Raum untergebracht. In dem offenen Brief fordert der Asylhelferkreis jetzt, dass dies unbedingt verhindert werden soll.

Anderenfalls sei wegen der mangelnden Privatsphäre „ein friedliches Zusammenleben auf längere Sicht sehr schwierig“, schreiben die Helfer. „Sollte wieder eine Nachbelegung notwendig werden, weil Odelzhausen weitere Flüchtlinge zugewiesen bekommt, dann appellieren wir dafür, dass sich der Gemeinderat Odelzhausen für neue Unterkunftsmöglichkeiten mit kleineren Wohneinheiten einsetzt“, heißt es in dem Brief.

Der Helferkreis hat sich an die Gemeinde gewandt, um auf die schwierige Situation der Flüchtlinge aufmerksam zu machen. „Wir erleben einfach immer, wie eng es in den Zimmern ist“, sagt Annerose Stanglmayr vom Helferkreis. Auch wenn dadurch manchmal kleinere Konflikte entstehen, habe es in Odelzhausen zum Glück noch keine großen Streitigkeiten gegeben, betont sie. „Aber mit acht Leuten wäre es wirklich problematisch“, so Stanglmayr.

Zumindest in den nächsten Wochen wird es wohl nicht so weit kommen. „Wir haben aktuell keine Probleme, dass wir kurzfristig eine Nachbelegung vornehmen“, sagt Wolfgang Reichelt vom Landratsamt Dachau. Im April bekommt der Landkreis keine weiteren Asylbewerber zugewiesen (wir haben berichtet). Jetzt bemüht sich das Landratsamt, die Asylbewerber, die zur Zeit in den Traglufthallen untergebracht sind, möglichst schnell in andere Unterkünfte zu verlegen.

Parallel dazu geht die Suche nach neuen Unterkünften weiter. „Wir haben mehrere Objekte in Planung. Auch in Gemeinden, die noch keine oder nur wenige Asylbewerber haben, damit die Last auf alle verteilt wird“, sagt Reichelt. Derzeit laufen zum Beispiel Verhandlungen für ein Grundstück in der Gemeinde Sulzemoos, wo bisher keine Asylbewerber leben. Um welches Grundstück es sich genau handelt, will Reichelt noch nicht sagen.

Er weißt darauf hin, dass es für das Landratsamt sehr schwierig ist, langfristige Pläne zu machen. „Wir können nur reagieren und schauen, wie sich die politische Lage entwickelt“, sagt er. Feste Versprechungen kann er deshalb dem Odelzhauser Helferkreis nicht geben: „Nachbelegungen kann ich für die Zukunft nicht generell ausschließen.“

Sollten wirklich irgendwann weitere Asylbewerber der Gemeinde Odelzhausen zugewiesen werden, möchte sich auch Bürgermeister Markus Trinkl, dafür einsetzten, dass diese, wenn irgendwie möglich, nicht in den bestehenden Containern untergebracht werden. Stattdessen solle nach alternativen Unterkunften gesucht werden. „Eine Nachbelegung wäre sehr kritisch. Da verstehe ich den Helferkreis zu hundertprozentig“, sagt er. Auch Trinkl ist aber ebenfalls zuversichtlich, dass sich die Frage in nächster Zeit nicht stellen wird.

Zumal Odelzhausen sowieso schon mehr Asylbewerber aufgenommen hat, als die meisten andere Landkreisgemeinden. Je 1000 Einwohner leben 20,64 Flüchtlinge in der Odelzhausen. Das sind mehr, als nach dem Königsteiner vorgesehen.

Dass der Druck Unterkünfte zu finden momentan nicht so groß ist wie noch vor einigen Wochen ist auch dem Helferkreis bewusst. „Derzeit ist keine Nachbelegung im Gespräch“, bestätigt Annerose Stanglmayr. „Aber wir wollten schon einmal vorbeugen, falls sich daran doch etwas ändert. Der Gemeinderat soll über die Unterkunft Bescheid wissen.“ Mit dem offenen Brief möchte der Helferkreis deshalb die Politiker auch dazu einladen, sich selbst ein Bild von den Containern zu machen.

cla

Rubriklistenbild: © Symbolbild / dpa

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