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Asylbewerber aus Mali droht Arbeitsverbot oder Abschiebung - Arbeitgeber frustriert: „Es ist doch zum Verzweifeln“

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Von: Katrin Woitsch

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Josef Schmid steht mit seinem Team vor einem Fahrzeug seines Landmaschinenbetriebs
Stolz auf sein Team: Josef Schmid (rechts) würde Ali Camara (3.v.l.) nach der Lehre gerne übernehmen. © privat

Josef Schmid bildet in seinem Hebebühnenverleih einen 25-Jährigen aus Mali aus. Nach der Lehre würde er ihn gern übernehmen – doch dem Mann droht die Abschiebung oder ein Arbeitsverbot. Schmid ist frustriert – und hofft, dass die neue Bundesregierung den Spurwechsel erleichtert.

Eigentlich hatte Josef Schmid ja damals gar keinen Auszubildenden gesucht. Doch der Helferkreis in Haimhausen (Kreis Dachau) fragte 2016 bei ihm an, ob er einem jungen Mann aus Mali eine Chance geben würde. Schmid ist nicht nur ein Chef, der jungen, motivierten Leuten immer eine Chance gibt. Er ist auch überzeugt, dass Integration durch Arbeit am besten gelingen kann. Also sagte er zu – er hat es nie bereut.

Ali Camara arbeitet seit fünf Jahren in Josef Schmids 25-Mann-Betrieb. Im Sommer 2017 hat er eine Lehre zum Bau- und Landmaschinen-Mechaniker begonnen. Sein Chef kann nur Positives über ihn sagen: „Er ist immer freundlich, zuverlässig, beliebt im Team und technisch sehr begabt. Und sein fröhliches Wesen tut uns allen gut.“ Schmid hat ihm einen Deutschkurs finanziert, damit er sich leichter tut. „Inzwischen versteht er alles“, berichtet er. Nur die vielen technischen Begriffe bereiten Camara in der Berufsschule noch Probleme. Deshalb ist er bereits einmal durch die Prüfung gefallen. Bald will er es ein zweites Mal versuchen. Sein Chef hofft, dass er es schafft. Auch wenn das bedeutet, dass er danach vielleicht einen guten Mitarbeiter verliert.

„Ich würde Ali gerne übernehmen“, sagt er. Schließlich ist es nicht leicht, Fachkräfte zu finden. Camara passe perfekt in sein Team und sei hochmotiviert für die Arbeit. Gebraucht werde er auf jeden Fall, sagt Schmid. Doch es deutet sich bereits an, dass es Probleme mit den Behörden geben könnte. Trotz der 3+2-Regelung, die Asylbewerbern eigentlich eine Aufenthaltserlaubnis für mindestens zwei Jahre nach der Lehre garantiert, sollten sie eine Stelle haben. Das Landratsamt fordert von Camara seit Langem einen Identitätsnachweis. Mit viel Mühe und vielen Helfern ist es ihm gelungen, ein Foto seiner Geburtsurkunde zu organisieren. Das reicht den Behörden allerdings nicht. Asylbewerbern, die bei der Identitätsklärung nicht mithelfen, droht die Abschiebung. Oder ein Arbeitsverbot.

Es ist doch zum Verzweifeln. Da bilden wir gute Arbeitskräfte aus, verlieren sie wieder und müssen dann im Ausland Fachkräfte anwerben, mit denen wir wieder ganz bei null stehen.

Josef Schmid, Arbeitgeber aus Haimhausen

Auch Josef Schmid kennt das Risiko. Er ist mit anderen Arbeitgebern gut genug vernetzt, um zu wissen, dass Ali kein Einzelfall ist. „Es ist doch zum Verzweifeln“, sagt er. „Da bilden wir gute Arbeitskräfte aus, verlieren sie wieder und müssen dann im Ausland Fachkräfte anwerben, mit denen wir wieder ganz bei null stehen.“ Schmid verfolgt die Sondierungsverhandlungen in Berlin ganz genau – er hofft, dass sich durch den Regierungswechsel etwas tut. Dass der Spurwechsel vom Asyl- ins Einwanderungsrecht einfacher gestaltet wird. Die Ampel-Koalition hatte bereits angekündigt, dass für alle Asylbewerber zu erleichtern und zu beschleunigen, die gut integriert sind und selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen können.

Als Ausbilder sagt Josef Schmid: „Das wäre für alle eine Win-win-Situation.“ Er zumindest würde sofort wieder einen Asylbewerber einstellen – trotz der Gefahr, in wegen Abschiebung oder Arbeitsverbot zu verlieren. „Ali war so dankbar für die Hilfe, hier Fuß zu fassen“, berichtet er. Aus dem Dank wurde Ehrgeiz – aus dem Ehrgeiz ein talentierter Mitarbeiter.

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