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Schon das zweite Weihnachten in der Fremde: Mama Sarah Igie mit ihren Kindern Joan, Joel und dem kleinen James (v.l.).

Moi Moi und dann tanzen

So feiert eine nigerianische Familie das Fest

Gröbenried – Ein Festessen. Die ganze Famile ist da. Alle kochen zusammen. Es gibt viel zu lachen. Alle Menschen sind glücklich, machen Krach auf den Straßen. So ist Weihnachten, wie es die Familie Igie Garang aus Nigeria kennt. So wird sie aber heuer nicht feiern.

Auch heuer wird es nicht so sein wie zuhause in Nigeria. „In Nigeria treffen wir uns an Weihnachten mit allen Verwandten und kochen zusammen“, erzählt Sarah Igie. „Nach dem Essen besucht man Freunde und tauscht mit ihnen fertig gekochte Speisen aus. Alle Leute sind sehr glücklich und machen Krach auf den Straßen. Aber hier ist es einfach sehr still.“ Mama Sarah Igie, Papa Omar Garang und zwei ihrer drei Kinder feiern sogar schon das zweite Weihnachten in Gröbenried. Auch heuer wird es anders sein als in Afrika.

Trotzdem tut die liebevolle Mutter alles, um es ihren drei Kindern Joan (4), Joel (2) und dem zehn Monate alten James an Weihnachten so gemütlich wie möglich zu machen. Sie möchte ein typisch afrikanisches Festessen kochen – mit „Jollof-Reis“, einer westafrikanischen Version von Paella, und dazu „Moi Moi“, eine nigerianische Beilage aus gestampften Bohnen und Fleisch serviert. Als Hauptspeise wird die 32-jährige Hausfrau eine reichhaltige „Egusi-Suppe“ aus Melonensamen, Fleisch und Fisch auftischen. „Vielleicht werden wir danach schöne Musik hören und ein bisschen tanzen“, lächelt die freundliche Mama von Joan, Joel und James.

Außerdem kommt eine nigerianische Freundin zu Besuch und wird auf der Zweisitzer-Couch im kleinen Wohnzimmer der Familie Platz nehmen. Denn in der Asylbewerberunterkunft der Freundin in Ingolstadt sei es sehr einsam und verlassen.

Anstatt eines großen Festessens mit der ganzen Familie werden die Igie-Garangs heuer also nur zu sechst feiern: „Wahrscheinlich wird sich Weihnachten gar nicht so von den anderen Tagen unterscheiden und eher langweilig werden. Wir haben hier ja auch keine Verwandten, die wir besuchen können“, sagt Sarah Igie ein wenig traurig. Auch das Freundebesuchen und Speisenaustauschen wird wegfallen.

Trotzdem möchte Sarah Igie das Beste daraus machen und will die kleine Wohnung ein wenig mit Kerzen und Sternen schmücken. Außerdem ruft sie am Heiligen Abend ihre Brüder und ihren Vater in Nigeria an. Ganz wichtig für die Kinder sind natürlich auch die Geschenke: Ob das Christkind wohl an Joans Barbiepuppe oder Joels Brettspiel gedacht hat? Darauf sind sie natürlich mächtig gespannt.

Eines bleibt zumindest gleich an Weihnachten für die fünfköpfige Familie Igie-Garang aus der Gröbenrieder Asylbewerberunterkunft: Auch dieses Jahr wird ihre 32-jährige Mutter Sarah keinen Christbaum aufstellen. Denn wie bereits in Nigeria, sind auch hier die Tannenbäume einfach zu teuer für die christliche Familie.

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