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Große Besetzung: die Chöre während der Aufführung in der Heilig-Kreuz-Kirche.

Gigantisch, ergreifend, wunderschön

Matthäus-Passion in Heilig-Kreuz: Premiere in mehrfacher Hinsicht

130   Sängerinnen und Sänger sowie das Augsburger Barockorchester „La Banda“ haben ein beeindruckendes Konzert präsentiert. Die Aufführung der Matthäus-Passion am vergangenen Sonntag in der Heilig-Kreuz-Kirche war in mehrfacher Hinsicht eine Premiere.

DachauZum einen wurde das gewaltige Werk von Johann Sebastian Bach zuvor noch nie in Dachau gespielt, zum anderen war das Projekt die erste gemeinsam organisierte und durchgeführte Zusammenarbeit der Liedertafel und der Chorgemeinschaft. Die beiden etablierten Chöre wurden von dem Kinderchor St. Peter und natürlich Gesangssolisten unterstützt, sodass 130 mitwirkende Sängerinnen und Sänger sowie das Augsburger Barockorchester „La Banda“ längst nicht nur den Altarraum, sondern den ganzen vorderen Teil des Kirchenschiffs füllten. Auch die Kirchenbänke für das Publikum waren bis auf den letzten Platz besetzt.

Bachs Matthäus-Passion gehört zu den berühmtesten und meistgespielten Oratorien der Welt, die wunderschönen Arien, Rezitative und Choräle berichten vom Leidensweg Jesu. Das Werk ist für zwei Chöre und zwei Orchester sowie einen Kinderchor konzipiert, in voller Länge dauert es etwa vier Stunden. Die großartige Komposition ist ohnehin hörenswert, die Besetzung bei der Aufführung in Dachau machte das Oratorium jedoch zu einem besonders eindrucksvollen Klangerlebnis, was nicht nur an der Größe der gigantischen Besetzung unter der Leitung von Tobias Hermanutz lag.

Beide Chöre, die ja größtenteils aus Laien bestehen, sangen den biblischen Text klar und deutlich verständlich, die Einsätze waren meist hervorragend zusammen. Besonders lobenswert war vor allem die Begeisterung, mit der die Chormitglieder bei der Sache waren. Der Chor symbolisiert in der Matthäus-Passion meist das Volk, welches die Chorgemeinschaft und die Liedertafel überzeugend darstellten: „Da konnte man das geifernde Volk, das Jesus verspottet, richtig vor Augen sehen“, begeisterte sich der Tenor Marcus Elsäßer, der die Solopartie des Evangelisten übernahm.

Elsäßers Gesang selbst, dessen Rolle quasi die des Erzählers und daher überaus umfangreich ist, war ein weiterer Höhepunkt der Aufführung. Bach komponierte für die Stimme des Evangelisten wunderschöne Rezitative, die jedoch unter anderem aufgrund der teilweise sehr schweren Sprünge als heikel gelten. Marcus Elsäßer zeigte aber nicht die Spur von intonatorischer Unsicherheit, das helle Timbre seines Tenors erklang in glasklarer Präzision. Es gelang ihm, nicht nur den Text, sondern auch die einkomponierten Emotionen auf ergreifende Weise zu vermitteln. „Ich bin sowas von ergriffen von dieser Atmosphäre“, erzählte der Sänger nach der Vorstellung darüber, wie er selbst die Aufführung erlebt hatte.

Doch auch die anderen Solisten dürfen nicht unerwähnt bleiben: In der gesamten Passion treten diese in verschiedenen Rollen im erzählerischen Rezitativ auf, zudem gibt es zahlreiche zauberhafte Soloarien, die die emotionale Bedeutung zu Gehör bringen sollen. Neben dem Evangelisten taucht auch die Rolle des Jesus Christus durchgehend immer wieder auf und wird daher „fest“ besetzt, in Dachau mit dem Bassbariton Alban Lenzen. Glockenhell und fein sang die Sopranistin Anna Karmasin, warm und innig die Altistin Nadia Steinhardt. Als Tenor kam Berthold Schindler hinzu und Florian Dengler imponierte mit seinem sonoren, gefühlvoll wandelbaren Bass.

Besonders ergreifend wirken solche Soloarien, wenn sie auch passend untermalt werden, und Johann Sebastian Bach kombinierte oftmals eine passende instrumentale Solopartie zur gesungenen. So wird etwa die Alt-Arie „Erbarme Dich“ zusätzlich zum Orchester von einer Solovioline begleitet, die Arie „Aus Liebe will mein Heiland sterben“ für Sopran von einer Flöte. Da die Mitwirkenden des Ensembles „La Banda“ aus Augsburg auf historischen Instrumenten spielten, übernahmen diese Partien eine Barockvioline und eine Traversflöte. Das Barockorchester zog generell durch das teilnahms- und ausdrucksvolle Spiel viel wohlwollende Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Ganz außergewöhnlich einfühlsam und engagiert überzeugte auch Heidi Gröger, die auf ihrer Gambe beispielsweise die Tenorarie „Geduld, Geduld“ mit ihrem Solo bereicherte. „Ich hatte wirklich streckenweise Gänsehaut“, berichtet sie anschließend über die Aufführung. Das ist insofern ein besonderes Lob für die beiden Dachauer Chöre, als dass die Gambistin die Matthäus-Passion jedes Jahr unzählige Male mit verschiedenen Ensembles spielt und dennoch so ergriffen bei der Darbietung am Sonntag war.

Als der letzte Ton des vierstündigen Oratoriums am Sonntag verklungen war, herrschte zunächst ergriffenes, andächtiges Schweigen, bevor das Publikum den Beteiligten mit nicht enden wollendem Applaus und stehenden Ovationen für das in jeder Hinsicht großartige Konzert dankte.

Susanna Morper

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