Wieder entscheidungsfähig: der neue Vorstand mit Anette Reiss, Mira Wissert und Marina Langmesser-Peter (v.l.). reg

Auflösung ist vom Tisch

Dachau - Der Streit ist vorbei. Die Mitglieder haben sich entschieden: Der Verein Frauenhaus Frauenhilfe wird nicht aufgelöst. Im Gegenteil: Der 1989 gegründete Notruf für Frauen kann mit neuem Vorstand und Satzungsänderungen in das 25. Jahr seines Bestehens gehen.

Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung stand die Auflösung des Vereins im Raum, da das Frauenhaus in die Trägerschaft der AWO übergegangen ist (wir haben berichtet).

„Der Zweck des Vereins ist es, ein Frauenhaus zu leiten. Dafür haben wir den Verein gegründet“, erklärte Gründungsmitglied Gerdi Müller. Den Verein bestehen zu lassen, nur um einen 24-Stunden Notruf und eine Rechtsberatung für Mitglieder anzubieten, ist für sie keine Option. Vehement wehrte sie sich während der knapp dreistündigen Sitzung gegen jegliche Vorschläge von Seiten der Vorsitzenden Marina Langmesser-Peter, den aktiven Notrufdamen sowie den Mitgliedern, die ebenfalls für die Weiterführung des Vereins Stellung bezogen. „Am besten wäre es, den Verein aufzulösen. Die Notrufdamen können ja dann einen neuen, eigenen Verein gründen“, schlug Müller, die Frau des AWO-Vorsitzenden Oskar Krahmer, vor. Bei einer Auflösung wäre das Gesamtvermögen des Vereins der AWO zugefallen. Der Notruf müsste folglich nicht nur mühselig einen neuen Verein gründen, sondern auch die gesammelten Spendengelder abtreten.

Die Vorsitzende Marina Langmesser-Peter möchte das Vermögen gerne aufteilen: „Die Gelder, die für das Frauenhaus gespendet worden sind, stehen selbstverständlich den Frauen im Haus zu.“ Sowohl Langmesser, die seit 2009 dem Verein vorsteht, als auch die Aktiven des Vereins wollen ihre Arbeit gerne ehrenamtlich weiterführen.

Knapp 250 Anrufe von Frauen und Kindern in Not sind vergangenenes Jahr bei der 24-Stunden-Telefonberatung eingegangen. „Unser gemeinsames Ziel ist es doch, Frauen in Not zu unterstützen“, findet die stellvertretende Landrätin Eva Rehm (CSU). Und genau das erledige auch der Notruf. Es ginge im Verein nicht hauptsächlich um die Leitung des Frauenhauses, sondern um das Wohl der Frauen. „Und dafür ist auch eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung wie der Notruf sie gewährleistet, so wichtig.“ Auf der Sitzung wurde heiß diskutiert, manchmal wurde es lauter, einige Mitglieder, die laut eigener Aussage mehrere Jahre nicht mehr an einer Sitzung teilgenommen hatten, konnten die Feindseligkeiten zwischen den beiden Parteien nicht nachvollziehen. „Sie haben auch die vielen guten Zeiten verpasst. Als wir harmonisch und toll zusammengearbeitet haben. Jetzt gibt es einige Probleme, und wo Probleme sind, da gibt es meistens auch Ärger. Das heißt aber nicht, dass es für alles nicht auch eine Lösung gibt“, so Marina Langmesser-Peter.

Vieles ist trotz der Sitzung immer noch nicht geklärt. Im August 2012 ist das Frauenhaus in die AWO übergegangen. Die Verträge zwischen AWO und Verein wurden aber immer noch nicht aufgelöst. Die hauptamtlichen Mitarbeiter des Frauenhauses zum Beispiel haben einen Arbeitsvertrag ab August mit der AWO geschlossen, ohne dass eine ordentliche Kündigung beim Verein erfolgt ist. Bei der Mitgliederversammlung fehlte die Geschäftsführerin der AWO, Wiebke Kappaun. Sie weilte im Urlaub, eine Vertretung war nicht gefunden worden. Der Vorstand, der nun endlich wieder aus drei Personen besteht und damit wieder entscheidungsfähig ist, wird sich dieser Sache annehmen. Marina Langmesser-Peter, Anette Reiss und Mira Wissert werden den Verein für die nächsten zwei Jahre nach außen hin vertreten.

(reg)

Auch interessant

Kommentare