Ingolstadt entlässt Walpurgis - Interims-Nachfolger steht fest

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„Ein bisschen mehr als sonst“: Mehr Zuhörer und mehr Ärger gab es bei der Pellheimer Bürgerversammlung – und zwar we gen des von den Stadtwerken geplanten Windrads im Sigmerthauser Holz. 

Aufregung bei der Pellheimer Bürgerversammlung

Widerstand gegen das dritte Windrad

Die Bürger von Pellheim, Viehhausen und Assenhausen lehnen sich auf. Auf der Bürgerversammlung stimmte die Mehrheit für einen Antrag gegen das geplante Windrad der Stadtwerke im Sigmerthauser Holz. Es hagelte harsche Kritik an OB Florian Hartmann.

DachauDie üblichen Probleme wie schlechte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, zu teure Straßenbeleuchtung und Geschwindigkeitsbegrenzung sind bei der Pellheimer Bürgerversammlung in den Hintergrund gerückt. Wegen des Windrads. Die Bürger übten scharfe Kritik. Schließlich stellten sie einen Antrag gegen die geplante Anlage.

Wie vor etwa einer Woche bekannt wurde, planen die Stadtwerke Dachau im Sigmertshauser Holz eine 230 Meter hohe Windkraftanlage. Der Werkausschuss hat den Startschuss für die weiteren Planungen gegeben (wir berichteten). Das Heikle daran: Das Windrad würde die 10-H-Regel nicht einhalten. Vor allem Bürger aus Viehhausen, Assenhausen und Pellheim lehnen sich gegen die Planung auf, da deren Grundstücke zum Teil nur 800 Meter entfernt vom geplanten Standort liegen.

Offenbar aus diesem Grund war die Pellheimer Bürgerversammlung „ein bisschen mehr als sonst“ besucht, wie Hartmann mit Blick auf die zusätzlich herbeigeholten Stühle feststellte. Zwar versuchte der OB das Thema Windkraftanlage etwas auszuklammern, in dem er versicherte, eine gesonderte Informationsveranstaltung abhalten zu wollen, doch den Bürgern brannte es unter den Fingernägeln. Gleich nach der 30-minütigen Rede Hartmanns wurde das Windrad zum ersten Bürgerthema.

Lorenz Kranz gehört das Nachbargrundstück des geplanten Baugrundstücks für das Windrad. Er trat als Verfechter der 10-H-Regelung auf, „die Ihr uns wegnehmen wollt“, wie er zu Hartmann sagte. Der erklärte, dass Kommunen mit einem Bebauungsplanungsverfahren trotz dieser Regelung Windkrafträder planen können. In diesem Verfahren werden auch die Nachbarkommunen beteiligt und nach ihrer Meinung gefragt.

Maria Kreitmair aus Viehhausen wohnt etwa 800 Meter vom geplanten Standort entfernt. Sie äußerte Bedenken bezüglich des Lärms sowie zur eventuellen Schattenbildung. Ihre Äußerung: „Wir Menschen werden nicht gefragt, ob wir das Windrad wollen, aber Gutachten für Vögel werden gemacht“, erhielt viel Beifall. Sie kritisierte den OB, dass er sich um die Gesundheit der wenigen Menschen, die dort leben, nicht scheren würde. Gerhard Kreitmair stimmte ihr zu: „Es geht nicht ums Anschauen, sondern um die Lärmbelästigung.“

Die meisten störte vor allem, dass sie nicht vor dem Beschluss des Werkausschusses von den Plänen erfahren haben. Kranz: „Man sollte doch vor irgendwelchen Beschlüssen und teuren Gutachten die Bürger befragen.“ Hartmann erklärte zwar, dass der Beschluss zunächst nur weitere Planungen ermöglichte und es natürlich Bürgerbeteiligungen und Gutachten für Lärm, Schatten und Vögel geben werde und „wir die Richtlinien natürlich einhalten werden“, doch damit schien er keine Wogen glätten zu können.

„Mit Verlaub: Nur ein Molch oder Vogel kann dieses Windrad noch verhindern“, war sich Bernhard Hetz sicher. „Ihr wusstet doch von dem Widerstand, der Euch erwartet, warum habt Ihr also auch nur einen Beschluss ins Auge gefasst?“, fragte er. „Menschen spielen hier wohl keine Rolle“, folgerte Hetz – und bekam erneut Beifall.

Hartmann nannte als Beweggründe: etwa die politische Entscheidung, dass Dachauer Strom bis zum Jahr 2050 zu 100 Prozent ökologisch sein soll. Die Stadtwerke möchten diesem Leitbild nachkommen und nicht nur von außen Ökostrom beziehen sondern auch vor Ort ein Windrad bauen. „Irgendwo muss der Strom ja auch herkommen, den wir immer mehr verbrauchen“, sagte Hartmann. Bernhard Hetz fragte nach anderen möglichen Flächen, beispielsweise im Dachauer Moos. Die Antwort des OB: „Es gibt natürlich andere Flächen, bei denen die nächsten Anwohner auch nur 800 Meter entfernt wohnen, doch da weht der Wind nicht.“ Er bezog sich auf die Windgutachten und auf den Flächenplan für Windkrafträder der bayerischen Staatsregierung.  

Schließlich wurde ein Bürgerantrag behandelt, über den, anders als beantragt, nicht schriftlich, sondern per Handzeichen, abgestimmt wurde. Die Mehrheit der Anwesenden stimmte dafür, dass „auf der Germarkung/Flur Pellheim keine Windkraftanlage geplant und erstellt wird und dass der Dachauer Stadtrat keinen Teilflächennutzungsplan oder Flächennutzungsplan oder Bebauungsplan beschließt, der Flächen für Windkraftanlagen auf der Germarkung Flur Pellheim ausweist.“ Hartmann versicherte, dass dieser Bürgerantrag im verantwortlichen Gremium behandelt wird.

Miriam Kohr

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