Ausbildung in Dachau

"Abi+Auto" in Bayern: Ausbildungsturbo für Abiturienten

Eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker? „Der Beruf ist unheimlich abwechslungsreich, man hat viel mit Menschen zu tun und die Aufstiegs- und Karrierechancen sind auch sehr gut“. Sebastian Kempf weiß wovon er redet.

Der junge Mann (20) aus Mehring bei Altötting ist einer von 59 Auszubildenden, die das bislang nur in Bayern angebotene Ausbildungsprogramm „Abi+Auto“ absolvieren. Kempf ist im dritten Lehrjahr zum Kfz-Mechatroniker beim Mercedes-Benz Autohaus Burghart in Altötting. Als Abiturient absolviert er die normalerweise auf 3,5 Jahr angelegte Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in zweieinhalb Jahren. An seine Ausbildung schließt dann in einem halben Jahr die Weiterbildung (Teil 3 und 4 der Meisterprüfung), der Servicetechniker (Teil 1 der Meisterprüfung) und schließlich Teil 2 der Meisterprüfung an.

„Nach drei Jahren Ausbildung habe ich nicht nur den Gesellenbrief, sondern auch die Qualifikation als Servicetechniker sowie den Meisterbrief in der Tasche“ erzählt Kempf. Er ist sich darüber im Klaren, dass der Meisterbrief alleine noch keinen Meister aus ihm macht. „Dazu muss ich im Anschluss sicher noch einige Jahre praktische Erfahrung sammeln. Aber meine Berufsaussichten und die Chance auf eine Führungsposition im Kfz-Gewerbe steigen mit der Ausbildung deutlich“, ist Sebastian Kempf sicher. Vor dem Abitur hatte er kurz überlegt, ein Studium aufzunehmen. „Fahrzeugtechnik war mein Favorit. Ein Freund von mir macht das. Ich bin heilfroh, dass ich mich für die Ausbildung im Handwerk entschieden habe.“ Zum einen seien die Studienbedingungen alles andere als gut. „Teilweise sitzen die Studenten auf der Treppe, weil die Hörsäle überfüllt sind.“ Zum anderen schätzt Sebastian Kempf die familiäre Atmosphäre in seinem Ausbildungsbetrieb. „Im Studium, sagt mein Freund, seien alle Einzelkämpfer und keiner gönne dem anderen Erfolg. Bei mir im Betrieb hilft jeder jedem und alle arbeiten daran, einen Auftrag bestmöglich abzuschließen. Und wenn du etwas nicht weißt, findet sich immer ein Kollege, der dir weiterhilft.“

Auch in der Berufsschule in Landsberg am Lech sei die Betreuung optimal. „Auf einen Lehrer kommen 20 Schüler und wir werden optimal unterstützt“, so Kempf. Geschenkt wird ihm und seinen Kollegen nichts. Denn den Stoff für Gesellenbrief, Servicetechniker und Meisterbrief in nur drei Jahren zu absolvieren, verlangt den Abi+Auto Auszubildenden einiges ab. „Man muss dran bleiben und sich reinhängen, dann kann man das ganz gut schaffen“, sagt Sebastian Kempf. Dabei kann er sich auch der Unterstützung seines Chefs sicher sein. Der hat den Plan, den Ausbildungsgang Abi+Auto zu belegen, von Anfang an unterstützt.

Nach der Ausbildung strebt Kempf eine Führungsposition in einem Autohaus an. Um alle Facetten des Jobs kennen zu lernen, möchte er dazu noch den Kfz-Betriebswirt des Handwerks erwerben. Auch das Thema Studium hat er noch nicht vollständig abgehakt. Zumal ihm der Meisterbrief als Eingangsqualifikation den Weg an eine Fachhochschule oder Universität ebnet.

In einem Industrieunternehmen sieht er sich aber nicht. „Ich komme vom Land und mag die familiäre Atmosphäre und den engen Zusammenhalt im Team. In einem großen Unternehmen stelle ich mir das schwierig vor.“ Danach gefragt, welche Tugenden Schulabgänger mitbringen sollten, wenn sie sich für eine Ausbildung im Kfz-Gewerbe interessieren, muss Sebastian Kempf nicht lange überlegen. „Man sollte Spaß am Umgang mit Menschen haben, gern im Team arbeiten und bereit sein, sich mal die Finger schmutzig zu machen. Denn trotz aller Elektronik wird man auch bei der Arbeit an modernen Autos schmutzig“. Gute Mathe-, Deutsch- und Physikkenntnisse könnten auch nicht schaden. Und „eine gewisse Leidenschaft für Technik und Automobile sollte man mitbringen.“ Dann sagt Sebastian Kempf, sei die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ein echter Traumjob.

ProMotor/lk

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