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Alexander Mathes hat schnell gemerkt, dass ein Studium nicht das richtige für ihn ist. Seit September 2015 macht der 21-Jährige eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in Nürnberg.

Neuer Trend

Wieder mehr Azubis im Handwerk

Abi – und jetzt? Für Alexander Mathes kommt vor drei Jahren nichts anderes in Frage, als ein Studium. Wofür hatte er sonst zwölf Jahre die Schulbank gedrückt? Er sucht einen Studiengang – und merkt schnell: Das war die falsche Entscheidung.

Heute geht der 21-jährige Nürnberger nicht mehr in den Hörsaal, sondern in die Werkstatt. Seit September absolviert er eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker anstelle des Wassertechnologie-Studiums.

Ausbildung im Handwerk: Besserung in Sicht

Die Geschäfte im Handwerk laufen glänzend – und doch gibt es ein Problem. Jedes Jahr bleiben Tausende Stellen unbesetzt, lange entschieden sich immer weniger junge Menschen für eine Ausbildung an der Werkbank. Doch jetzt scheint Besserung in Sicht. 2015 gab es im Bund ein Mini-Plus neuer Ausbildungsverträge von 0,1 Prozent. Das Ende des Negativtrends? Bei den zuständigen Verbänden ist man erfreut – und drückt aber auch auf die Euphoriebremse. „Das ist ausgezeichnet“, sagt Alexander Legowski, Sprecher des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin. Dennoch seien die Zahlen mit Vorsicht zu genießen – und könnten sich bis Jahresende noch relativieren. Das meint auch Jens Christopher Ulrich von der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Viele Arbeitgeber würden nach den Erfahrungen vergangener Jahre immer früher nach Auszubildenden Ausschau halten.

Beide glauben jedoch auch, dass das Werben um Nachwuchs langsam Früchte trägt. Mittlerweile gibt es auch Beratungsstellen für Abiturienten und Studienabbrecher sowie assistierte Ausbildungen für Leute, die sich mit einem geregelten Berufsleben extrem schwer tun. Auch Arbeitsmarktexperten nennen den Trend zur frühen Einstellung und die Imagekampagnen als mögliche Gründe für das Azubi-Plus. Hans Dietrich vom Institut für Arbeitsmarktforschung in Nürnberg verweist außerdem auf die gestiegenen Schulabgängerzahlen in Bayern. Laut Prognose des Kultusministeriums kämen in diesem Jahr etwa 4400 Schulabgänger mehr auf den Markt als 2015. Viele von ihnen dürften sich für einen Handwerksberuf interessieren, sagt Dietrich. Doch auch er ist vorsichtig: „Das sind derzeit alles Hypothesen, man wird noch abwarten müssen, wie die Bilanz am Ende aussieht.“

Mathes hingegen hat schnell gemerkt, dass Studieren nicht sein Ding ist. So erst kam ihm die Möglichkeit einer Ausbildung in den Sinn. Heute absolviert er das Programm „Abi + Auto“: verkürzte Ausbildung und ein schnellerer Weg zum Meister. Hier werden die Führungskräfte von morgen ausgebildet. „Die beste Arbeitslosenversicherung ist eigentlich, den Meisterbrief im Handwerk zu machen“, sagt Legowski. Seit 2005 hat sich der Anteil der Azubis mit Abi in Bayern fast verdreifacht, im Bund mehr als verdoppelt. Die Hauptklientel der Handwerksbetriebe besteht trotzdem noch immer aus Hauptschülern.

Manch einen Chef lässt der Nachwuchsmangel auch kreativ werden. Die Metzgerei Hack aus Freising landete mit ihrer Kampagne zuletzt einen Internet-Hit. Mit einem Motiv etwa, auf dem eine junge Frau abgebildet ist, die zärtlich einen Mett-Igel streichelt. „Berufswunsch: Irgendwas mit Tieren...“ Einen Lehrling habe er bereits für September eingestellt, zwei weitere Bewerber kämen bald zum Praktikum, sagt Metzgermeister Steffen Schütze. In den beiden Vorjahren hatte sich nicht ein einziger Bewerber bei ihm gemeldet.

Michael Winde

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