Das Stammgelände ist bald Geschichte, der TSV darf umziehen. Foto: habschied

Aussiedlung: Bestandsschutz hilft TSV 1865 nicht

Dachau - Nur mit starken Beeinträchtigungen wäre der Sportbetrieb an der Jahnstraße mittelfristig aufrechtzuerhalten. Zu diesem Schluss kommen alle Experten. Nicht einmal der Bestandsschutz hilft 1865.

Zwei Dinge sollte die gutachterliche Einschätzung zum Immissionsschutzrecht für das Stammgelände des TSV 1865 Dachau beurteilen: die Außensportflächen und den Neubau einer Dreifachhalle am Standort Jahnstraße. Die Einschätzungen von Ingenieur Dr. Gerhard Steger, der bereits vor zehn Jahren eine schalltechnische Untersuchung des Augustenfelds vorgenommen hatte (siehe Kasten unten) bekamen die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats nichtöffentlich Anfang Dezember vorgestellt. Von dieser Besprechung hat das Stadtbauamt jetzt ein Protokoll mit interessanten Details öffentlich gemacht.

Demnach geht der Ingenieur bei der Beurteilung der Außenanlagen davon aus, dass in den Ruhezeiten „selbst bei Anwendung des Altanlagenbonus die zulässigen Richtwerte in einem reinen Wohngebiet (was hier faktisch zugrundegelegt werden müsse) an den Wohnhäusern östlich des Sportgeländes überschritten werden“. Diese Ruhezeiten gelten unter anderem morgens von 6 bis 8 Uhr (sonn- und feiertags 7 bis 9 Uhr) und abends von 20 bis 22 Uhr. An Sonntagen ist zudem von 13 bis 15 Uhr Mittagsruhe. Das schränkt natürlich gerade den Fußballspielbetrieb erheblich ein. Bei einem Bayernligaspiel sei von 500 Zuschauern auszugehen, sämtliche Richtwerte werden hier überschritten, mit der Folge, dass „die Nachbarn Ansprüche geltend machen können“, so der Fachmann.

Weniger Probleme bereitet der Verkehr. Die An- und Abfahrt zum Sportgelände seien in einem vertretbaren Rahmen, täglich 900 Fahrzeugbewegungen seien „unkritisch“, auch wenn „die Wahrnehmung der Anwohner eine andere“ sei, wie dem Protokoll zu entnehmen ist.

Der Bau und die Nutzung einer neuen Dreifachturnhalle sind laut Steger „immissionsschutzrechtlich möglich, sofern starke Beschränkungen in Kauf genommen werden. Eine optimale Nutzung wird nicht möglich sein.“ Vor allem der Abendbereich wäre kritisch zu sehen, unklar sei auch, ob bei einem Neubau der Bestandsschutz von der alten auf die neue Halle übertragbar sei. Steger spricht hier von einem „Graubereich, der letztendlich nur richterlich geklärt werden könnte“.

Auch zu der Idee, eine Lärmschutzwand zu errichten, nahm der Experte Stellung. „Keine geeignete Maßnahme“ sei das, beschied Steger laut Protokoll. Denn: „Die Wand steht zu weit vom Entstehungsort der Geräusche entfernt. Spätestens in den Obergeschossen ist so kein wirksamer Lärmschutz zu erreichen.“

Als Fazit der Besprechung hat das Stadtbauamt schließlich festgehalten: „Die bestehende immissionsschutzrechtliche Situation am Stammgelände ist bereits kritisch. Jede Erweiterung oder Veränderung führt zu weiteren Konflikten (...). Ein gesicherter, nachhaltiger und uneingeschränkter Sportbetrieb am bisherigen Standort wird aus Immissionsgründen als sehr kritisch beurteilt.“

Das sah der Bauausschuss genauso und stimmte der Aussiedlung des TSV 1865 Dachau zu.

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