Neuen Ausstellung im Augustiner-Chorherren-Museum

Früher gehörte ein Männerohrring zur Tracht

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Die Gäste staunten nicht schlecht bei der Eröffnung der neuen Ausstellung im Augustiner-Chorherren-Museum in Indersdorf. Bei „Statussymbol Trachtenschmuck“ hörten sie kuriose Geschichten wie, dass Tracht ganz früher mal uncool war – oder dass ein Männerohrring definitiv dazu gehörte.

Indersdorf– Zum Glück hat Hans Kornprobst vor vielen, vielen Jahren nicht auf seine Großmutter gehört. Tracht? Traditionelles Gewand? Lederhosen? Darüber konnte die Dame nur den Kopf schütteln. Unmodern war das zu ihrer Jugend, heute würde man out und uncool sagen. „So etwas haben wir nur noch an Fasching angezogen“, erzählte sie ihrem Enkel damals. „Um 1900 war es eben vorbei mit der Tracht, die Leute haben sich an der städtischen Mode orientiert“, erklärt Kornprobst Jahrzehnte später im Augustiner-Chorherren-Museum in Indersdorf – natürlich in Tracht. Dort wird gerade eine Ausstellung eröffnet. Thema: „Statussymbol Trachtenschmuck“.

Hans Kornprobst (am Pult) erzählte nette Geschichten zum Thema Tracht.

Denn Kornprobst hat sich trotz der Skepsis seiner Großmutter ausführlich mit dem Thema beschäftigt. Genauso wie Robert Gasteiger, der seit vielen Jahren bei den Ampertalern aktiv ist. Jetzt haben beide Männer tief in ihrer privaten Sammlung gekramt. Dazu gehören auch mehrere hundert historische Schmuckstücke. Kropfketten, Uhrenketten, Uhren, Charivaris, Riegelhauben, Miederstecker, Knöpfe und vieles mehr. Aus ihren schönsten Stücken haben Gasteiger und Kornprobst die Trachtenschmuck-Ausstellung konzipiert. Auch der Sammler Michael Seitz stellte einige Exponate zur Verfügung, so entstand eine umfangreiche Zusammenstellung.

Viele der Schmuckstücke wurden von Bauern in dieser Gegend getragen, wohl auch in Indersdorf: Bei ihren Recherchen haben Kronprobst und Gasteiger in der Kirche Ainhofen eine Votivtafel entdeckt. Die Männer tragen Gehrock, die Frauen Mieder und Florschnallen. Das Bild stammt aus der Zeit rund um 1800, es wurde zum Dank dafür gestiftet, dass Indersdorf von den napoleonischen Kriegen verschont geblieben ist. „Es ist die erste Darstellung der Indersdorfer mit Gwand“, erklärte Hans Kornprobst – und für ihn ein Beweis, dass man auch in der Marktgemeinde die Dachauer Tracht schätzte.

Dazu gehörte natürlich der passende Schmuck: Denn auch damals wollte man zeigen, was man hat – nur eben nicht mit einem Ferrari oder dem neuesten Smartphone, sondern mit vielen und großen Knöpfen an der Joppe, einer Vielzahl von Miederanhängern oder besonders aufwendig gestalteten Florschließen in den Haaren der Damen. „Schmuck ist nicht gleich Schmuck. Überall steckt eine unglaubliche Bedeutungsvielfalt“, erklärte Alexander Wandinger vom Trachteninformationszentrum des Bezirks Oberbayerns.

Beispiel Männerohring: „Im frühen 19. Jahrhundert war er zur Tracht gang und gäbe, 1980 wäre man damit aus dem Trachtenverein geflogen“, so Wandinger. Stattdessen wurde der Ohrring zum politischen Symbol der Punks und Homosexuelle. Sie vollzogen mit einem Stecker im richtigen Ohr ihr Coming-Out. Schon unsere Vorfahren zeigten mit Schmuck, wer sie waren. Bei Frauen, die eine so genannte Goaßduttn, eine Haube, die an das Euter einer Geiß erinnert, trugen, wusste man sofort über das Liebesleben Bescheid: Bei ledigen Frauen war die Haube weiß, bei verheirateten gold, bei Witwen schwarz oder dunkelblau. Silbertaler, Eicheln, Trauben und Blumenkörbchen aus Silberblech am Mieder waren Fruchtbarkeitssymbole und Liebesgaben.

Männer hingen zum Protzen Rösser und Stiere an ihre Uhrketten und versteckten kleine Fotos in Uhrenschlüsseln: Von einem Wallfahrtsort, der Angebeteten und manchmal sogar von einer nackten Frau. Wer seine Liebste immer dabei haben wollte, ließ sich aus ihrem Haar eine Uhrkette fertigen.

Das fasziniert auch Andreas Brummer. Der 31-Jährige ist einer der Trachtler der „Lustigen Glonntaler“, die bei der Vernissage getanzt haben. Schon von klein auf ist er bei dem Verein dabei und trägt Tracht. „Bei der Ausstellung sind einige interessante Sachen dabei“, findet er. Besonders die Messer interessieren ihn. Er zieht sein eigenes aus seiner Lederhose. Es sieht ungewöhnlich aus: Das Leder ist schon alt, der Griff ist ein Rehfuß. „Es ist ein Geschenk von meinem Opa“, erzählt er. „Das hat schon einige Schweinsbraten aufgeschnitten.“ Wie alt das gute Stück genau ist, weiß er nicht, auf jeden Fall wird er es in Ehren halten.

Die meisten der Besucher, die zur Ausstellungseröffnung gekommen sind, haben einen persönlichen Bezug zur Tracht, einige haben ein historisches Gewand angezogen. So wie Ulrike Bachinger. Sie trägt die etwas figurbetontere erneuerte Dachauer Tracht mit einem etwas dünnerem schwarzen Plissee-Rock und einer Kropfkette mit Perlen. „Sie ist von meiner Urgroßtante“, erzählt sie. Auch sie trägt dieses Familienerbstück mit Stolz, wie inzwischen wieder viele Dachauer und Indersdorfer. Und wer selbst noch kein Schmuckstück hat, kann sich bei der Ausstellung eines kaufen, das er dann später einmal seinen Enkeln vererben kann. Denn echte Tracht ist längst kein Faschingskostüm mehr.

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