Einige der Kunstkreismitglieder (von links): Klaus Peter Kühne, Ingrid Regendantz, Ottilie Patzelt, Aysim C. Woltmann, Dieter Kleiber-Wurm und Liz Schinzler.

Ausstellung des Karlsfelder Kunstkreises

Übergänge, wörtlich oder abstrakt

Mit „Übergängen“ beschäftigt sich der Karlsfelder Kunstkreis in seiner aktuellen Mitgliederausstellung. Die Motive reichen vom Wachwerden bis hin zu Verfall und Tod.

Karlsfeld Übergänge gibt es überall: Die Fahrt von einem Ort zum anderen, das Verpuppen einer Raupe, bis sie zum Schmetterling wird, die Moderation zwischen zwei Bühnenshows, Farbverläufe, Tonleiter oder eine Ausbildung, das alles können Übergänge sein. Dieses vielfältige Thema hat der Karlsfelder Kunstkreis sich zum Motto für die aktuelle Gemeinschaftsausstellung gemacht.  

22 Mitglieder stellen ihre Übergänge ab dem heutigen Freitag in der Galerie am Drosselanger aus. „Das Thema ist schwer, weil es so breit gefächert ist, überall gibt es Übergänge“, sagt auch Kunstkreis-Vorsitzender Dieter Kleiber-Wurm. Er hat das Thema wörtlich genommen und auf einer quadratischen Holzplatte einen Fußgängerüberweg, also einen Zebrastreifen gemalt. Darauf setzte er ein grünes Ampelmännchen, das den Übergang scheinbar überquert. „Das Ampelmännchen hat mir mal jemand aus Berlin mitgebracht und ist eigentlich ein Radiergummi. Er lag jetzt jahrelang auf dem Tisch hier in der Galerie“, erzählt Kleiber-Wurm.

Gerade weil das Thema so vielfältig ist, gleicht auch bei den ausgestellten Arbeiten keine der anderen. „Es ist faszinierend, wie unterschiedlich jeder Künstler das Thema angepackt hat“, sagt Klaus Peter Kühne. Er stellt beispielsweise ein Digitalfoto aus. Er fotografierte ein altes Gemälde aus der Romantik durch eine Glasscheibe, das Bäume und eine Hütte zeigt. Auf dem Glas spiegeln sich wiederum Autos, Häuser und Bäume. „Den Übergang zwischen Gemälde und Fotografie sowie Gemälde und Spiegelung habe ich hier festgehalten“, erklärt der Künstler.

Die Malerin Liz Schinzler zeigt in ihrem gepaarten Gemälde „Übergänge – Zeit des Wandels und Veränderung“ Fotografien eines Lagerraums beim Schleißheimer Schloss mit alten Türen, gestapelten Ziegeln und Holzpaletten, das sie auf ihre typische Art mit Farben, Strukturen und anderen Materialien bearbeitet, etwas verfremdet und abstrahiert. „Ich liebe alte Mauern und Häuser, der Übergang des Verfalls hat mich schon immer interessiert“, sagt sie zu ihrem Werk. Ottilie Patzelt lässt ihre übrigen Eierfarben über zwei Leinwände fließen und gibt den aquarellen Farbverläufen mit Filzstift-Punkten Struktur und Plastik. Anita Neuhaus malte auf einem kleinformatigen, grün-blaugrundierten Leinwand eine Frau und nannte das Bild „Übergang vom Wachwerden in den Tag“.

„Manchmal ist es gut, einfach zu malen, auf was man Lust hat, was einem gerade in den Sinn kommt, und sich am Ende einen passenden Titel ausdenkt“, erklärt sie, wie sie an das Thema herangegangen ist. Genau überlegt, was sie malen möchte, hat Ingrid Regendantz. Sie hat nämlich in der griechischen Mythologie nachgeforscht und „Styx“ gemalt, den See, über den laut der Sage ein Mann mit einem Boot die Verstorbenen auf die andere Seite, also ins Jenseits, überfährt. Dementsprechend düster ist das Gemälde, das eine Gestalt mit weißem Umgang in einer dunklen, verwachsenen Höhle auf einem kleinen Boot zeigt.

Ebenfalls mit dem Tod beschäftigt sich Aysim C. Woltmann in ihrem Gemälde. „Mir ist dieses Bild sofort eingefallen, als ich hörte, was es für ein Thema wird.“ Das scheinbar fröhliche grüne Gemälde mit einem Mädchen und Zugschienen ist vor 15 Jahren entstanden, als Woltmanns Vater starb. „Damals habe ich mich viel mit dem Tod und dem Weg dorthin sowie dem Leben danach auseinandergesetzt“, erklärt die Künstlerin.

Daneben bekommt der Besucher Übergänge in der Natur, in der Farbigkeit, im Malstil, beim Material oder direkt im Motiv zu sehen. Die ausstellenden Künstler: Christl Buck, Anja Grafe-Friedrich, Renate Hafffner, Klaus Herbrich, Barbara Kleiber-Wurm, Dieter Kleiber-Wurm, Hannelore Kraus, Klaus-Peter Kühne, Frieder Leber, Meinhart Meyer, Ulrike Möller, Anita Neuhaus, Ottilie Patzelt, Ingrid Regendantz, Eva Riedl, Norbert Röhrle, Liz Schinzler, Manfred Schmölz, Tayama da Silva-Nielsen, Carin Szostecki, Leonore Welscher und Aysim C. Woltmann.

Die Ausstellung

„Übergänge“ in der Galerie Kunstwerkstatt am Drosselanger in Karlsfeld eröffnet mit einer Vernissage am Freitag, 9. November, um 19 Uhr. Die Ausstellung ist anschließend an den Samstagen und Sonntagen, 10. und 11. sowie 17. und 18. November jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Miriam Kohr

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