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Angehörige der Glas-Familie mit Agathe Halmen (rechts hinten).

Ausstellung „Das Lager und der Landkreis“

In dunkler Zeit die Stirn geboten

Bergkirchen - Die Lebensgeschichte dreier Brüder, die Widerstand gegen das NS-Regime leisteten, steht im Mittelpunkt der 14. Ausstellung „Das Lager und der Landkreis“ in Bergkirchen.

Lebensgeschichten von Menschen aus dem Landkreis zu erforschen, die im KZ Dachau inhaftiert waren, hat sich die Geschichtswerkstatt im Landkreis Dachau mit der Ausstellung „Das Lager und der Landkreis“ zum Ziel gesetzt.  

In der im Bruggerhaus in der Römerstraße in Bergkirchen eröffneten Ausstellung, die bis zum 10. Februar läuft, stehen die Gebrüder Josef, Johann und Benno Glas aus dem Ortsteil Bibereck in der Gemeinde Bergkirchen im Vordergrund. Sie wuchsen auf dem Anwesen ihrer Eltern, Walburga und Benno Glas, mit zwei weiteren Brüdern, Andreas und Simon, auf. Sie widersetzten sich als Handwerker und Arbeiter den Nationalsozialisten und ließen sich nicht verbiegen.

Erinnert wird in der Ausstellung aber auch an Menschen aus verschiedenen anderen Gemeinden des Landkreises Dachau, die aus politischen Gründen verfolgt wurden, weil sie nicht ins Weltbild passten oder Geistliche waren, wie Projektleiterin Sabine Gerhardus bei der Vernissage erläuterte.

Wenig ist bisher bekannt über die im KZ inhaftierten Michael Heigl aus Palsweis (von 1937 bis 1939), ein „Emigrant“, wie es hieß, und Franz Xaver Obermeier aus Feldgeding (von 1935 bis 1937). Die Projektleiterin freute sich über das große Interesse der zahlreichen Gäste und dass Angehörige der Familie Glas anwesend waren. Die junge Geigerin Larissa Siafaka umrahmte die Veranstaltung mit stimmungsvollen musikalischen Beiträgen.

Die Studentin Agathe Halmen hat im Rahmen ihres freiwilligen Bildungsjahres an der evangelischen Versöhnungskirche in Zusammenarbeit mit Andreas Kreutzkam, einem Biberecker, für das Projekt „Das Lager und der Landkreis“ Gedächtnisblätter mit den Biografien von Josef (1901-1977), Johann (1903- 1976) und Benno (1905- 1963) erstellt. Die Feldgedinger Heimatforscherin Inge Bortenschlager hat für die Recherchen Kontakt zu der ihr bekannten Familie Glas hergestellt. Hubert Eberl unterstützte mit Bildmaterial. Er hat in der 2014 herausgegebenen Bergkirchner Dorfchronik die Daten der Familie Glas und ihrer Nachkommen erfasst.

Anton Jais, Vorsitzender des Dachauer Forums, das zusammen mit der Volkshochschule die nun bereits 14. Ausstellung initiiert hat, erinnerte daran, dass neben den bekannten Widerstandskämpfern viele Opfer vergessen wurden. Andreas Kreutzkam, ehemaliger Geschäftsführer des Dachauer Forums, setzt sich seit 1984 für die Erinnerungsarbeit ein. Er würdigte die eifrige Herangehensweise von Agathe Halmen und den sichtbaren Erfolg ihrer Arbeit. Bei Bürgermeister Simon Landmann, der die Begrüßungsansprache hielt, bedankte er sich mit einer Urkunde für die erste von einer Gemeinde übernommene Patenschaft bei einer Ausstellung. Stellvertretende Landrätin Marianne Klaffi stellte die unerschrockene Haltung der Glas-Brüder heraus, die in dunkler Zeit die Stirn geboten haben. Heute gelte es wachsam, achtsam und beweglich zu bleiben, um den Populisten entgegenzutreten.

Viele Inhaftierte waren nach ihrer Entlassung aufgrund der Folgen der Haft gesundheitlich ruiniert, mit psychischen Folgen für die nächsten Generationen. Gesprochen wurde üblicherweise, so auch in der Familie Glas, nicht oder nur wenig über die Zeit der Inhaftierung. Die Lebenswege der jungen Männer verliefen sehr unterschiedlich, Einigkeit bestand aufgrund ihrer politischen Gesinnung im Widerstand gegen das Nazi Regime – etwa durch das regelmäßige Verteilen von Flugblättern. Josef, von Beruf Fabrikarbeiter und Vater von sechs Kindern, und sein Bruder Benno, ein Kernmacher, der SPD/KPD nahestand, wurden 1933 verhaftet und ins KZ Dachau gebracht. Aus der Haft entlassen, gab Benno den Widerstand nicht auf und wurde Mitte Juni 1935 erneut verhaftet, kam zunächst nach Stadelheim und dann wieder nach Dachau, bis er 1938 entlassen wurde.

Bruder Johann, ein Zimmerer und Mitglied der KPD, wurde 1935 vom Arbeitsplatz weg verhaftet und kam erst 1938 frei. Weil er bei Krauss-Maffei arbeitete, wurde er anders als Benno nicht zur Wehrmacht eingezogen. Benno engagierte sich nach der Heimkehr aus dem Krieg von 1946 bis 1948 als Gemeinderat in Bergkirchen, gründete ein Fuhrunternehmen und zog 1963 in die DDR. Seine erste Frau Walburga war 1951 gestorben.

„Ich habe sehr viel gelernt und sehr viel Hilfe erhalten“, sagte Agathe Halmen zum Abschluss ihrer bewegenden Präsentation. Von allen Seiten erhielt sie viel Lob für ihren engagierten Beitrag über lokale Geschichte und über Menschen, die ihre eigenen Geschichten hatten.

Die Ausstellung im Bruggerhaus ist zu den Geschäftszeiten der Volkshochschule dienstags bis donnerstags von 9 bis 13 Uhr, donnerstags auch von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

ink

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