120 Stellen gestrichen

Autoliv stellt Produktion ein

Wieder ein großer Schock bei Autoliv: Der Konzern will am Standort Dachau die Produktion komplett einstellen. Das bedeutet auch: 120 Stellen werden in dem Bereich gestrichen.Allerdings soll gleichzeitig ein neues Technologiezentrum entstehen – für Forschung und Entwicklung.

Dachau– Schon vor zwei Jahren, im Juni 2015, hatte es ähnliche Schreckensnachrichten gegeben: Damals hatte Autoliv angekündigt, dass über 150 Mitarbeiter ihren Job verlieren sollten, jeder zweite Arbeitsplatz in der Produktion und jeder vierte Arbeitsplatz in der Entwicklung sollte gestrichen werden. Nun also geht der Konzern noch einen Schritt weiter: Die Produktion von Airbags und Ersatzteilen soll in Dachau bis Mitte 2019 eingestellt werden. Diese Nachricht wurde gestern in einer Pressemitteilung veröffentlicht.

„Heute wurden die Mitarbeiter des Dachauer Standorts darüber informiert, dass eine Schließung der Produktion nicht verhindert werden konnte“, hieß es darin. „Die endgültige Einstellung ist für Sommer 2019 geplant und wird sich auf rund 70 Arbeitsplätze in der direkten Produktion sowie etwa 50 Stellen in produktionsnahen Bereichen auswirken.“ Durch den wachsenden Markt- und Kostendruck für europäische Zuliefererbetriebe der Automobilbranche sei Autoliv bereits über die vergangenen Jahre gezwungen gewesen, die Belegschaft schrittweise zu reduzieren, um die Produktion am Standort erhalten zu können. „Nach langen internen Beratungen und der sorgfältigen Prüfung aller Alternativen wurde auf Konzernebene entschieden, die Produktion in Dachau einzustellen. Wir sind uns der Tragweite, die diese schwerwiegende Entscheidung für jeden einzelnen unserer Mitarbeiter bedeutet, bewusst“, erklärt Jens Eisfeld, Geschäftsführer der deutschen Autoliv-Tochtergesellschaft Autoliv B.V. & Co. KG.

Das Problem der Automobilzulieferer: Die Großkunden diktieren die Preise. Autoliv beliefert fast alle namhaften Autohersteller, von BMW über Ford bis Maserati. Die bestellen aber nur, wenn billig produziert wird – und das ist wohl in Dachau nicht möglich. Die Airbags sollen nur noch in Polen produziert werden, die Ersatzteile in Frankreich.

Dachau soll allerdings ein fester Standort bleiben: und zwar für Innovation. An der Siemensstraße soll ein neues Technologiezentrum entstehen, mit Büroräumen, Räumlichkeiten für Forschung und Entwicklung, und einer 130 Meter langen Crashtestanlage. „Mit dem Bau des neuen Technologiezentrums möchten wir die Rolle von Dachau als wichtigen Entwicklungsstandort für automobile Sicherheitssysteme noch weiter ausbauen und festigen“, so Eisfeld. Das Zentrum soll Ende 2020 fertig sein.

Immerhin hatte der Konzern seit 2015 am Standort Dachau nur 104 Stellen in der Produktion streichen müssen – statt der befürchteten 150. Und: Die Firma hat in derselben Zeit jede Menge neue Leute im Bereich Entwicklungeingestellt. 2015 waren es in Dachau 700 Mitarbeiter, nun sind hier 790 Personen beschäftigt. In den Planungen für das neue Gebäude habe man auch eine mögliche Personalentwicklung berücksichtigt.

Und die Angestellten in der Produktion? „Wir werden umgehend Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan und Interessenausgleich beginnen“, sagt Eisfeld, „und über den gesamten Prozess eng mit unseren Mitarbeitern und der Arbeitnehmervertretung zusammenarbeiten.“

Nina Praun

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