Fahrräder, soweit das Auge reicht: Solche Parkplätze sind in Münster keine Seltenheit. fotos: Florian Göttler/Stadt Dachau

Bald regieren in Dachau die Radfahrer

Dachau - Die Dachauer Stadträte haben in Münster neue Erkenntnisse gewonnen. Fahrradstraßen, Fahrradschleusen, Fahrradparkhäuser - zwei Tage lang drehte sich auf der Infofahrt des Stadtrats alles um den Verkehr mit dem Drahtesel.

Noch gar nicht richtig angekommen, und schon das erste Verkehrsproblem. Der Reisebus voller Dachauer Stadträte kommt wegen eines Falschparkers nicht um die Kurve - kurz vor der Ankunft im Hotel in Münster. Der Busfahrer will schon den Abschleppdienst rufen, doch der OB trommelt die Kräftigsten zusammen. Peter Bürgel und einige junge Stadträte krempeln die Ärmel hoch und lupfen das Auto ein Stück zur Seite.

Dachauer Stadträte in Münster

Autos spielen in Münster seit Jahrzehnten eine untergeordnete Rolle. Es gibt locker doppelt so viele Räder wie Bewohner, knapp die Hälfte aller Fahrten in der Stadt wird mit dem Fahrrad zurückgelegt. Das sind die Gründe, warum das Bündnis für Dachau schon vor fast vier Jahren beantragt hatte, die Stadtratsfahrt nach Münster zu unternehmen. So machten sich OB Peter Bürgel, 26 Stadträte, Bauamtsleiter Michael Simon, Rechtsamtsleiter Josef Hermann, Stadtkämmerer Thomas Ernst, Hendrik Röttgermann und Gottfried Hahn, Geschäftsführer der Stadtbau GmbH, Georg Mayerbacher, Vorstandsmitglied der Sparkasse Dachau, Alt-OB Dr. Lorenz Reitmeier sowie Marion Karas und Angela Loth, die Damen aus dem OB-Büro, die für eine perfekte Organisation sorgten, mit dem Zug auf den Weg nach Münster.

Auf den Straßen der westfälischen Universitätsstadt regiert der Radfahrer. „Selbst die Polizei kapituliert bei Lichtkontrollen angesichts der im Schwarm auftretenden Fahrradfahrer“, berichtete Stephan Böhme, Fachstellenleiter für die Planung von Verkehrsanlagen in der Stadtverwaltung, in einem Vortrag. Das Radfahren in Münster ist nicht nur deshalb so beliebt, weil es kaum Steigungen gibt. Die Innenstadt ist für Pkw gesperrt oder besteht aus Einbahnstraßen, dafür wird sie von einem 4,5 Kilometer langen grünen Ring umgeben, der Promenade. Viele Sonderregeln erleichtern das Radfahren, beispielsweise die Fahrradschleusen: Radfahrer dürfen an großen Kreuzungen zwischen den Autos bis direkt vor die Ampel fahren, damit sie bei Grün im Blickfeld der anfahrenden Autos sind. In Fahrradstraßen haben Radfahrer die „Hoheit“, Autofahrer sind nur geduldet. In Wohngebieten enden viele Straßen für Autos als Sackgasse, für Radler gibt es Querverbindungen. In der Fußgängerzone dürfen Radfahrer zu gewissen Zeiten fahren.

Mit all dem theoretischen Wissen über das Radwegekonzept stiegen die Dachauer selbst aufs Rad. Sie holten sich die Leihräder in der Radstation am Bahnhof ab, dem größten Fahrradparkhaus in Deutschland mit Werkstatt und Waschanlage. 3300 Plätze für Räder stehen dort zur Verfügung, sie werden hauptsächlich von Pendlern benutzt. Schwungvoll strampelten die Gäste auf der Promenade rund um die Innenstadt, am Schloss und am Aasee vorbei. Einige Stadträte nahmen das Radwegekonzept in fachlicher Hinsicht unter die Lupe, testeten Fahrradschleusen und -straßen. Und sie staunten - über die zackige Ampelschaltung, über die rücksichtsvollen Autofahrer, über die rasanten Münsteraner Radler.

„Die Stadt bleibt frisch“, sagte Oberbürgermeister Markus Lewe beim Empfang. Von 280 000 Einwohnern sind 50 000 Studenten. Voller Stolz stellte Markus Lewe seine Stadt vor, die als lebenswerteste Stadt der Welt ausgezeichnet wurde.

Dem Lebensgefühl haben sich die Dachauer voll hingegeben. Die Grünen und die SPD wollen ersten Gedanken Anträge folgen lassen. Vielleicht gehört bald so manches Verkehrsproblem in Dachau der Vergangenheit an.

no

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