Bassin mit 25 Millionen Liter Wasser zwischen Oberweilbach und Pellheim

Ein See für die Christbäume

Oberweilbach - Zwischen Oberweilbach und Pellheim ist ein gigantisches Bassin entstanden. Die 25 Millionen Liter Wasser darin dienen nur einem Zweck: dem Schutz und der Bewässerung von Christbäumen.

Es klingt wie ein Märchen: Es war einmal ein Obstbauer vom Bodensee. Der war sehr schusselig. Eines nachts vergaß er die Sprinkleranlage abzuschalten. Als der Vergessliche am anderen Morgen seine Bäume inspizierte, hätte ihn beinahe der Schlag getroffen. Weil die Nacht kalt war, waren seine Früchte mit einer bizarren Eisschicht überzogen. Doch o Wunder, das Obst war nicht hinüber, das Eis hatte es sogar beschützt, und der Schussel vom großen See machte eine große Ernte. Und wenn er nicht gestorben ist, dann lässt er noch heute das Wasser in der Nacht laufen. 

Stefan Spennesberger, 42, kennt diese Geschichte. Er züchtet mit seiner Familie auf dem Tannenhof Oberweilbach Christbäume (siehe Kasten) und dachte sich: Was für Obstbäume gut ist, muss auch für Christbäume gut sein. Stimmt. Beim Gefrieren des verteilten Wassers wird auf den Pflanzen Kristallisationswärme freigesetzt, so dass die Bäume vor Frostschäden bewahrt werden. Frost tötet die Triebe der Bäume ab, die dann in größerer Zahl nachwachsen. Die Folgen: Die Christbäume geraten außer Form und werden unverkäuflich.

 Und so dreht Stefan Spennesberger seit einigen Jahren ab einer Temperatur unter 0,5 Grad seine Regner auf. Der Unternehmer hatte jedoch ein Problem: die horrende Wasserrechnung. Denn: Auf seinem Tannenhof wachsen die Hölzer auf einer Fläche von 300 000 Quadratmetern, was etwa 50 Fußballfeldern entspricht. Für die insgesamt drei Plantagen braucht er 640 Sprinkler. 

Doch der 42-Jährige hatte eine weitere Idee: Ein riesiger Wasserspeicher muss her. „Der Plan entstand vor etwa drei Jahren. Wir haben uns eine solche Anlage in Norddeutschland angesehen“, sagt der Christbaumhändler. Als alles durchgerechnet war, kam ein gigantisches Becken zwischen Oberweilbach und Pellheim heraus: 80 Meter lang, 70 Meter breit und bis zu 6,50 Meter tief. Sagenhafte 25 Millionen Liter passen hinein. Damit könnte man zehnmal das große Becken im Dachauer Familienbad füllen. Erdleitungen transportieren das Regenwasser von Spennesbergers Hof ins Becken, die darunter verlegten 500 Meter Drainage sorgen dafür, dass das Wasser von den Feldern ringsum eingefangen wird. Über zwei riesige Dieselmotoren wird das segensreiche Nass durch Schläuche zu den Sprinklern gepumpt. Selbstredend nicht nur bei Frost, sondern auch im Sommer, wenn Trockenheit droht. 350 000 Euro hat die Familie Spennesberger insgesamt investiert. 

Auf die Frage, ob es bei einem Projekt von solcher Größe nicht Ärger mit der Genehmigung gab, winkt Spennesberger ab: „Die Behörden sind uns sehr entgegengekommen. Es war eine angenehme Zusammenarbeit mit der Stadt Dachau – das Becken steht auf Dachauer Flur –, dem Wasserwirtschaftsamt und der Naturschutzbehörde.“ 

Das riesige Becken ist bereits jetzt eine Attraktion. „Das Interesse ist der Wahnsinn“, sagt Stefan Spennesberger, „viele Leute kommen vorbei und wollen wissen, was da los ist.“ Und ob der See zum Baden genutzt werden kann. Das Schwimmen darin ist verboten. Nur die drei Kinder von Stefan Spennesberger schippern bisweilen zum Spaß mit einem Schlauchboot über die Wellen. 

„Früher habe ich in kalten Nächten manchmal keine Minute mehr schlafen können“, gibt Stefan Spennesberger zu. Heute schlummert der 42-Jährige so tief wie das Dornröschen. Denn er weiß, dass seine Christbäume so üppig wachsen wie die Rosen aus den Hecken um das Schloss der Königstochter. Es klingt wie ein Märchen.

Thomas Zimmerly

Rubriklistenbild: © hab

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