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„Hier ist sehr viel im Argen“: Talip Yüksel, Melanie Egerer und Hildegard Baumgartner (von links) an der Münchner Straße/Bahnhofstraße.

Eine Problemkreuzung

Behinderte klagen

Dachau - Der Behindertenbeauftragte der Stadt, Talip Yüksel, hat auf die Missstände in Dachau im Bezug auf ein behindertengerechtes Stadtbild aufmerksam gemacht. Vor allem an einer Kreuzung liegt vieles im Argen.

Bei einer Ortsbegehung der Kreuzung Münchner Straße/Bahnhofstraße traf sich Dachaus Behindertenbeauftragter Talip Yüksel mit Melanie Egerer vom Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenverbund, Hildegard Baumgartner, Beraterin vom Blickpunkt Auge und stellvertretende Behindertenbeauftragte des Landkreises, sowie Andreas Meyer, Leiter der Abteilung Tiefbau der Stadt Dachau. Dabei wurde allen Beteiligten klar, dass an der meist benutzten Kreuzung Dachaus besonderer Verbesserungsbedarf für Behinderte besteht.

„An dieser Kreuzung wurde seit Jahren nichts getan“, erklärte Yüksel. „Hier ist sehr viel im Argen.“ Ein akutes Problem seien die nicht ausreichend abgesenkten Bordsteinkanten, die das Überqueren für Rollstuhlfahrer, aber auch für Menschen mit Kinderwagen oder Rollatoren, erschweren. Für Blinde seien Noppen- oder Rillenmarkierungen notwendig. Egerer und Baumgartner pflichteten ihm bei. „Da kollidieren die Interessen von Blinden und Menschen mit Sehbehinderung mit denen von Menschen im Rollstuhl“, erläuterte Melanie Egerer. Während DIN-Normen eine „Null-Absenkung“, also einen ebenen Übergang, für Menschen mit Gehbehinderung vorsehen, sind sechs Zentimeter Bordsteinhöhe zur optimalen Markierung für Blinde empfohlen. Für eine differenzierte Querung, also einen zweigeteilten Übergang, um beiden Bedürfnissen gerecht zu werden, sei an der Kreuzung an der Münchner Straße aber einfach nicht genug Platz.

Hildegard Baumgartner lobte jedoch die weißen Markierungen an der Kreuzung, die für Menschen mit Sehbehinderung mittlerweile einen guten Kontrast zur sicheren Überquerung der Straße böten. Zudem merkten sie und Egerer an, dass die akustischen Signale der Ampeln, die „Tick“-Geräusche, zu leise seien und die Ampelmasten mit den daran angebrachten Kästen, an denen Blinde weitere Signale als Querungshilfe auslösen können, zu weit von der eigentlichen Querungsstelle entfernt seien.

Nun hofft Talip Yüksel auf den Umbau der Kreuzung, dem „Herzstück Dachaus“, um die Aufmerksamkeit der Bürger für Belange von Menschen mit Behinderung zu wecken.

Für Tiefbauleiter Andreas Meyer hätte eine Aufbesserung an der Kreuzung eine Vorbildfunktion für die Zukunft. Gerade Maßnahmen wie das Versetzen von Ampelmasten seien sehr kostspielig. „Um die Kreuzung fit für die nächsten 20 Jahre zu machen, muss man Kosten im sechsstelligen Bereich einrechnen“, sagte Meyer. Es gebe eine lange Liste an Dingen, die in Dachau gemacht werden sollen, aber „wir können nicht alles gleichzeitig planen“, bedauerte er. „Wir nehmen das sehr ernst und versuchen, alles abzudecken, aber irgendetwas fällt dabei immer unter den Tisch. Aber das sollten natürlich nicht die Schwächeren sein.“

Gerade beim Umbau der Kreuzung sei jedoch sehr viel Planung und die Abstimmung „wahnsinnig vieler“ Betroffener nötig, was einen baldigen Umbau der Kreuzung unwahrscheinlich macht. „Wenn einmal ein Stadtrat sagt: ,Wir wollen das angreifen’, dann sieht es gut aus“, ist der Leiter der Abteilung Tiefbau überzeugt.

Bis dahin soll jedoch trotzdem etwas passieren. Deshalb soll jetzt verstärkt eine Absprache der Zuständigen der Stadt Dachau mit Behindertenvertretern stattfinden. Melanie Egerer ist froh über die offene Zusammenarbeit: „Fakt ist: Dachau verschließt sich nicht.“Auch Yüksel sieht das positiv, denn „besser ein Kompromiss als gar nichts“. So könnten einzelne Bereiche des Bordsteins, freilich nicht normgerecht, abgesenkt werden. Und auch das Lauterstellen der akustischen Ampelsignale sei, so Meyer, keine große Sache.

Und doch will Talip Yüksel auch in Bezug auf einen größeren Umbau nicht locker lassen: „Ich würde mich von sechsstelligen Zahlen nicht erschrecken lassen“, meinte er. Denn Egerer weiß: „Für Kommunen zum Beispiel gibt es gute Fördermöglichkeiten.“ Hildegard Baumgartner konnte ihr da nur zustimmen. Man müsse es einfach immer wieder probieren.

Deshalb versteht Talip Yüksel nicht, warum sich keine der führenden politischen Parteien für ein behindertengerechtes Dachau einsetzt, schließlich sei der Umbau einer derart zentralen Kreuzung wie der an der Münchner Straße ein Signal, das ihnen sicherlich viele Wählerstimmen einbrächte.

lan

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