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Den Siegerpokal erhielt die Mannschaft aus Odelzhausen von Daniela Obert (r.) sowie Monika Sedlatschek (l., Helferkreis Erdweg) und Bürgermeister Georg Osterauer (hinten, 2.v.l.).

Integrationscup in Erdweg

Zwölf Mannschaften, ein großer Gedanke

Erdweg - Es war ein Fußballturnier der besonderen Art in Erdweg. Zwölf Mannschaften, ein Cup. Doch die Teams bestanden ausschließlich aus Flüchtlingen, der Pokal war ein Integrationscup. Und die Schirmherrschaft hatte Landrat Stefan Löwl übernommen.

Bunte Trikots, unterschiedliche Hautfarben und ein goldener Pokal – was nach großem internationalen Turnier klingt, fand vor kurzem auf dem Bolzplatz von Kleinberghofen statt. Der Helferkreis Asyl Erdweg hatte ein Fußballereignis auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen konnte: Zwölf Flüchtlingsmannschaften aus dem gesamten Landkreis Dachau traten gegeneinander an, um den ersten Integrationscup zu absolvieren.

„Wir mussten fünf Mannschaften sogar absagen, so groß war der Zuspruch“, sagte Daniela Obert, die die Idee zum Turnier hatte und zusammen mit einem fleißigen Team die Organisation übernommen hatte. Als ehrenamtliche Helferin weiß sie, dass Fußball die meisten der jungen Flüchtlinge interessiert und viele selber regelmäßig kicken. „Das Turnier wollte ich schon letztes Jahr ausrichten, aber es war schwieriger, als ich dachte, einen geeigneten Platz für die Austragung zu finden. Ohne die Unterstützung des Tennisclubs Kleinberghofen wäre es nicht gegangen“, meinte Obert dankbar.

Ludwig Ostermair, Vorsitzender des TC Kleinberghofen , hatte von den Plänen erfahren und erklärte sich gleich bereit, dem Helferkreis das Vereinsheim neben dem Bolzplatz zur Verfügung zu stellen. So war es möglich, den vielen Gästen und Teilnehmern Essen auszugeben und die sanitären Einrichtungen zu nutzen. Die Speisen wurden zum großen Teil von den Helferkreisen und Flüchtlingen gespendet, für gute Stimmung am Rande des Spielfelds sorgte mit einem internationalen Musikmix DJ Olli aus Kleinberghofen.

Doch im Mittelpunkt standen natürlich die Sportler, die mit großem Eifer und Teamgeist auf dem Platz kämpften. Die Mannschaften aus den Flüchtlingsunterkünften waren bunt gemischt – Syrer und Afghanen, Nigerianer und Senegalesen, Pakistani und viele andere Nationalitäten gaben ihr Bestes, um den goldenen Pokal zu gewinnen. Die Verständigung auf dem Platz funktionierte mehrsprachig, gecoacht wurde vom Spielfeldrand aus durch Mitbewohner und zwei professionelle Schiedsrichter hatten ein Auge darauf, dass alles nach Regeln und fair ablief.

Am Ende standen die glücklichen Sieger fest: die Mannschaft aus Odelzhausen, die das Finale im Elfmeterschießen gegen ein Team aus Altomünster für sich entschied, nahm freudestrahlend den Pokal entgegen, den Landrat Stefan Löwl als Schirmherr gestiftet hatte. Von ihm sowie vom Erdweger Bürgermeister Georg Osterauer kam auch eine Geldspende für das Turnier, genauso wie von der Erzdiözese München-Freising.

Begonnen hatte die Veranstaltung mit einer Schweigeminute für die Opfer des Amoklaufs in München. „Heute Morgen wäre ich am liebsten zuhause geblieben. Aber wir dürfen gerade jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken. Vor dem Hintergrund der großen Gewaltbereitschaft, die zur Zeit herrscht, ist es doch umso wichtiger, schöne gemeinsame Erlebnisse zu schaffen,“ meinte ein Helfer.

Und der Integrationscupwird allen sicher als ein solches Erlebnis in Erinnerung bleiben. „Es schreit nach Wiederholung“, sagte Daniela Obert erschöpft, aber rundum zufrieden am Abend, nachdem alles wieder aufgeräumt und die letzten Gäste gegangen waren. Sie schmiedet bereits große Pläne für das nächste Jahr.

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