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Der Vater ist der Hauptdarsteller: Wolfgang Möckl als Ludwig Thoma.

Aufführung der Ludwig-Thoma-Gemeinde

Wenn der Vater mit dem Sohne

Der 17-jährige Gymnasiast Ben Möckl hat bei dem Stück „Thoma – eine Selbstzerstörung“ Regie geführt. Im Interview erzählt er, wie er dazu kam.

Dachau – Sein Vater Wolfgang Möckl spielte die Titelrolle in dieser Uraufführung, die an sechs Abenden im Thomahaus in Dachau auf große Resonanz stieß. Edi Hörl, Vereinsvorsitzender der Ludwig-Thoma-Gemeinde, berichtet über die Resonanz auf das Stück, das Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler für die Thoma-Gemeinde schrieb.

-Herr Möckl, wie intensiv haben Sie sich auf Ludwig Thoma vorbereitet, um die Regie zu übernehmen?

Ben Möckl: Natürlich ist es nötig, sich mit den Werken und dem Leben Thomas auseinanderzusetzen und vertraut zu machen, um eine möglichst authentische Darstellung zu gewährleisten. Geholfen haben mir dafür unter anderem die gesammelten Werke von Ludwig Thoma im Bücherregal des heimischen Wohnzimmers.

-Ist die Aufgabe an Sie herangetragen worden?

Nachdem ich das Stück zum ersten Mal las, Ideen entwickelte und den Text schließlich selbst bearbeitete, indem ich monologlastige Szenen dialogisierte und den Charakter des Erzählers mit der Thomafigur Wilhelm Käsebier ersetzte, sowie das Stück durch einige dramaturgische Kniffe spannender machen wollte, ist bei meinem Vater der Gedanke aufgekommen, mir die Regie zu übertragen, um selbst die Hauptrolle zu übernehmen. Diesen Vorschlag trug er mir vor. Es war nicht viel Überzeugungsarbeit nötig, die Aussicht allein, selbst hautnah bei dem Entwicklungsprozess von der Idee hin zur lebendigen Aufführung beteiligt zu sein genügte mir, um zuzusagen.

-Waren die erfahrenen Darsteller bereit, auf Ihre Vorschläge einzugehen?

Die Schauspieler waren von Beginn an offen für meine Ideen und Vorschläge, dadurch haben sie es mir als jungem Regisseur einfach gemacht und meine Vorstellung auf der Bühne zum Leben erweckt.

-Werden Sie sich auch in Zukunft für die Ludwig-Thoma-Gemeinde engagieren?

Die Zusammenarbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich konnte viel lernen. Von daher bin ich bereit, mich bei einem spannenden Projekt wieder in die Ludwig-Thoma-Gemeinde einzubringen.

-Ist Deutsch bzw. die Literatur Ihr Lieblingsfach am Gymnasium?

Es ist oben auf meiner Liste. Jedoch geht es in der Oberstufe leider nur darum, literarisches „Futter“ zu verschlingen. Einerseits ist das nötig, um ein gutes Abitur zu schreiben, andererseits schade, weil es die Schönheit der Sprache unterschlägt und das eigene Entdecken einer guten Geschichte zu kurz kommt.

-Wissen Sie schon, was Sie nach dem Abitur machen werden?

Da habe ich noch keine Pläne. Ich werde erst einmal meine neu gewonnene Freiheit genießen und dann werde ich das Leben auf mich zukommen lassen.

-Herr Hörl, wie war das Echo auf die Aufführung und was gilt es, besonders hervorzuheben?

Edi Hörl: „Thoma – Eine Selbstzerstörung“ ist das erste Bühnenstück zum Leben Ludwig Thomas. Dementsprechend waren auch das öffentliche Interesse und die Resonanz auf die Inszenierung. Nicht nur die Tagespresse und die Fachliteratur haben darüber berichtet, selbst Rundfunk und Fernsehen kamen für Aufnahmen nach Dachau. Das ist zum einen dem Autor Dr. Norbert Göttler zu verdanken, aber zum anderen auch der spielerischen Leistung unserer Laiendarsteller. Hervorzuheben sind sicher die Hauptrolle Ludwig Thoma, dargestellt von Wolfgang Möckl, und die Regieleistung des erst 17-jährigen Ben Möckl.

-Waren die Vorstellungen ausverkauft und hat sich der Kraftakt für die Darsteller gelohnt?

Die Besucherzahl war überwältigend, dafür stehen sechs fast immer ausverkaufte Vorstellungen. Besucher kamen aus Stadt und Land, den umliegenden Landkreisen, Tegernsee und Chiemgau und äußerten sich durch die Bank begeistert von dem Stück. Dieses Lob war letztlich für uns alle die Belohnung für ein halbes Jahr Probenarbeit. 20 Darsteller dabei immer terminlich unter einen Hut zu bringen, war oft schwieriger als das eigentliche Einstudieren einer Szene. Aber alle waren von Anfang bis Ende begeistert bei der Sache, so dass es dem Jubiläumsjahr zum 150. Geburtstag von Ludwig Thoma entsprechend ein großer Erfolg wurde.

-Wenden Sie sich in der nächsten Spielsaison einem anderen Autor zu?

Im Sommer und Spätsommer werden wir schließlich aussuchen und entscheiden, welchen Autor wir dann 2018 auf der Bühne vorstellen wollen.

Interview: Ingrid Koch


Als nächste Aufgaben

stehen für die Ludwig-Thoma-Gemeinde an: Am 4. Mai um 19 Uhr im Innenhof des Bezirksmuseums der „Briefwechsel Thoma – Taschner“, am 12. Mai um 15 Uhr in Kooperation mit der Stadtbücherei der „Aktionstag Ludwig Thoma“ und am 27. Mai um 15 Uhr das „Thoma-Gartenfest“ im Biergarten der Schlossbrauerei Mariabrunn.

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