Straße Verkehrsschild
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Bevor die Indersdorfer Gabel umgebaut wird, wird das Tempo nochmals reduziert: von 70 auf 60 km/h.

Immer wieder Unfälle an der Indersdorfer Gabel

Alle Zeichen stehen auf Ampel

Die Indersdorfer Gabel ist eine der gefährlichsten Kreuzungen im Landkreis: Dort kracht es oft. Eine Lösung wäre nun eine Ampel. Doch erst wird das Tempo reduziert.

Bergkirchen – Heidi und Detlef Fischer aus Schwabhausen fahren täglich zweimal über die Indersdorfer Gabel, auf dem Weg in die Arbeit in Richtung Dachau, und abends wieder zurück. „Ich fühle ich mich jedes Mal gefährdet, da man einfach furchtbar leicht übersehen wird“, berichtet Detlef Fischer. „Ich konnte bereits zweimal einen Unfall nur durch eine Vollbremsung vermeiden, und ich befahre diese Einmündung schon extrem vorsichtig.“

Seit Jahren gilt die Kreuzung der stark befahrenen Staatsstraßen 2047 und 2050 als einer der Unfallschwerpunkte im Landkreis Dachau. „Die Kreuzung ist unter genauer Beobachtung“, sagt Andreas Knorr, Verkehrsexperte der Dachauer Polizei. Seit Jahren seien die Unfallzahlen dort konstant (siehe Kasten). Während des Lockdowns im Frühjahr aufgrund der Corona-Pandemie sei ein leichter Rückgang zu verzeichnen gewesen – „das hat sich aber wieder relativiert“. Denn in den vergangenen Wochen spitzte sich die Situation zu: Seit der Baustelle in Stetten, derentwegen Verkehr seit 21. September über den Assenhausener Berg umgeleitet wird, hat es an der Indersdorfer Gabel neunmal gekracht, wie die Polizei mitteilte. Als Sofortmaßnahme für mehr Sicherheit hat die Unfallkommission nun eine weitere Temporeduzierung von 70 auf 60 km/h beschlossen, zudem werden weitere Warnschilder aufgestellt, teilt Andreas Knorr mit.

Unfallschwerpunkt: An der Indersdorfer Gabel (rotes Kreuz) prallen zwei starke Verkehrsströme aufeinander. Und seit der Baustelle in Stetten fahren viele Verkehrsteilnehmer über die Indersdorfer Gabel – die Unfälle häufen sich.

Eigentlich sei die Kreuzung übersichtlich. „Aber hier prallen zwei starke Verkehrsströme aufeinander, es gibt Rückstauungen, und wenn man an erster Stelle steht, steigt der Druck, man schätzt Abstände falsch ein, fährt los, es kommt zum Unfall“, erklärt Andreas Knorr. Zuletzt wurde die Rechtsabbiegespur in Richtung Assenhausen optisch abgetrennt und mit Leitschwellen und sogenannten Bischofsmützen ausgestattet, damit die Abbieger deutlicher zu erkennen sind für die, die die Vorfahrt achten müssen. Doch immer noch passieren dort viele Unfälle. „Wir befürworten einen Umbau der Kreuzung“, sagt Andreas Knorr. Auch eine Ampel erfülle ihren Zweck. Der Polizeihauptkommissar verweist auf die Kreuzung bei Eisingertshofen: Einst Unfallschwerpunkt, ist sie nun, nach dem Umbau mit Ampel, aus der Unfallstatistik der Polizei verschwunden.

Ein Kreisverkehr, den jüngst Bergkirchens Bürgermeister Robert Axtner gefordert hat (wir berichteten), benötigt viel Fläche. Landrat Stefan Löwl berichtet, dass der Landkreis bereits vor zwei Jahren gemeinsam mit der Gemeinde Bergkirchen Grund kaufen wollte – was allerdings „noch nicht realisiert werden konnte“, so Löwl. Eine Enteignung sei aktuell nicht möglich. Eine Ampel könne eine Interimslösung sein, bis der Grunderwerb möglich ist.

Zuständig für die Kreuzung ist der Freistaat Bayern, und damit das Staatliche Bauamt Freising. Wie dessen Pressesprecher Thomas Jakob mitteilte, stehe der Bau einer Ampel oder eines Kreisverkehrs zur Debatte. „Hierfür beauftragt das Staatliche Bauamt Freising als Grundlage für die Variantenentscheidung und die weiteren Planungen ein Verkehrsgutachten.“ Dieses werde bis Sommer/Frühherbst 2021 vorliegen und die Grundlage für die Entscheidung liefern. Die Unfallkommission, bestehend aus Polizei, Straßenverkehrs- und Straßenbaubehörden, habe die Empfehlung ausgesprochen, eine Ampel zu errichten, so Jakob: aufgrund der schnelleren Umsetzbarkeit. Doch sollte das Gutachten zu dem Ergebnis kommen, dass ein Kreisverkehr sinnvoller wäre, stehe man vor der Herausforderung Grunderwerb, „dann wird es schwierig“, so Jakob.

Detlef und Heidi Fischer hoffen jedenfalls, dass die Kreuzung bald umgebaut wird. Sie fragen sich, „ab wie vielen Unfällen endlich über eine vernünftige Lösung nachgedacht wird; oder müssen erst mehr Menschen ihr Leben an diese Stelle verlieren?“

Unfallstatistik der Polizei: Ein tödlicher Unfall in den vergangenen fünf Jahren

Die Polizei führt die Kreuzung der Staatsstraßen seit Jahren als Unfallschwerpunkt im Landkreis. Laut Statistik sind bei 43 Unfällen in den vergangenen fünf Jahren 34 Personen verletzt worden, davon zwei schwer. Eine Person kam ums Leben: am 23. September 2016. Ein 67-jähriger Motorradfahrer fuhr auf der 2047 von Dachau kommend in Richtung Stetten. An der Indersdorfer Gabel wollte eine Autofahrerin von der 2050 nach links in die St2047 in Richtung Dachau einbiegen. Sie missachtete die Vorfahrt. Der Motorradfahrer konnte nicht rechtzeitig abbremsen, und es kam zum Zusammenstoß. Der Motorradfahrer verstarb.

Im Jahr 2019 ereigneten sich sechs Unfälle, dabei wurden eine Person schwer und drei leicht verletzt. Im Jahr 2020 hat es bislang 13 Mal gekracht, 14 Personen wurden leicht verletzt. „Während Corona gab es einen leichten Rückgang der Unfälle“, so Andreas Knorr, Leiter Sachbereich Verkehr.

Seit 21. September 2020, seit der Baustelle in Stetten, gab es neun Unfälle mit zwölf Leichtverletzten. Bei sechs Unfällen wollten Verkehrsteilnehmer, die aus Stetten kamen, nach links in Richtung Assenhauser Berg abbiegen und kollidierten dabei mit Fahrzeugen aus dem Gegenverkehr aus Dachau, so Knorr. Die Bauarbeiten in Stetten gehen laut Polizei voraussichtlich noch bis 12. Dezember. no

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