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Als Flüchtlingsmädchen muss Schauspielerin Lisa Wittemer lernen, sich in der Fremde zurechtzufinden. foto:: ink

Premiere im Hoftheater Bergkirchen

Als Mensch dritter Klasse in der Fremde

Migration und Fremdenfeindlichkeit sind Thema bei der Premiere von „Krieg – stell dir vor, er wäre hier“ im Hoftheater Bergkirchen. Sogar ein Betroffener meldet sich dort zu Wort.

Bergkirchen – „Wenn bei uns Krieg wäre, wohin würdest du gehen?“ Dieser Frage geht das Hoftheater Bergkirchen in der zweiten Premiere dieser Spielzeit nach: Schauspieler und Regisseur, Ansgar Wilk hat den Buchtext der dänischen Schriftstellerin Janne Teller „Krieg – stell dir vor, er wäre hier“ für die Bühne inszeniert und das hochaktuelle Thema Flucht, Migration und Fremdenfeindlichkeit zu einem ganz besonderen Theaterabend werden lassen. Das aufrüttelnde Experiment, „wo Kunst an Grenzen stößt“, so Wilk, hat die Zuschauer zutiefst berührt.

Das Lagerleben in der fremden Welt zehrt

In dem Stück gelingt es der jungen Schauspielerin Lisa Wittemer, sich in die Rolle des 14-jährigen Mädchens zu versetzen, das mit seiner Familie aus ihrem Land flieht. Der Grund: Die Demokratien in Europa brechen zusammen, und in der Heimat wird die Gleichschaltungspolizei immer mächtiger.

Lisa Wittemer spielt das Ich, die Rolle des Du fällt dem Zuschauer zu. Denn der Text ist in der zweiten Person Singular geschrieben. „Du bist noch unversehrt, du hast Angst“, sagt sie, als sie mit dem Rucksack mit ihren Habseligkeiten ins Ungewisse aufbricht. 

Die Familie ist krank, der Bruder hat sich der Miliz angeschlossen. In der Hoffnung „auf ein anderes Leben“ gelingt der privilegierten Familie die Flucht in den Nahen Osten in ein Zeltlager nach Ägypten. „Das Lagerleben zehrt, es gibt Feindschaften, und der Gedanke wächst, sich „eines Tages zu rächen“.

Sie bleibt eine Fremde

Lisa Wittemer vollzieht die Entwicklung eines Mädchens zur erwachsenen Frau mit einer beeindruckenden schauspielerischen Leistung. Als Flüchtling hat sie sich daran gewöhnt, als Mensch dritter Klasse behandelt zu werden und sich als Frau in einem fremden Kulturkreis zurechtzufinden. Ohne Aufenthaltsgenehmigung darf sie keine Schule besuchen und nicht arbeiten. Allmählich findet sie Freunde, spricht Arabisch, dennoch bleibt sie eine Fremde. Wird sie eines Tages wieder nach Hause zurückkehren können, und was ist dann? 

Diese Frage bleibt in dem Stück, das demnächst an bayerischen Schulen gespielt wird, unbeantwortet. Ulrike Beckers hat die Bühne mit weißen Tüchern ausgestattet, wenige Requisiten wie eine Kiste und ein Wassereimer reichen, um die Trostlosigkeit vor Augen zu führen. Max I. Milian komponierte die Bühnenmusik mit Geräuschen des Lagerlebens, sie verstärken die Emotionen.

Ein Betroffener meldet sich bei der Premiere zu Wort

Nach der Vorstellung luden Ansgar Wilk, Lisa Wittemer und Gemeindejugendpfleger Johannes Bockermann die Zuschauer zu einer Diskussion ein. Dabei kamen die skizzierten Probleme den Ehrenamtlichen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, nur allzu bekannt vor. Eine Bereicherung für die Gesprächsrunde war der 20-jährige Afghane Faisal Rezayi: Er lebt in einer WG in Haimhausen, spricht gut Deutsch und hat einen Ausbildungsplatz bei der MAN, doch seine Zukunft in Deutschland ist ungewiss. „Entscheidend ist die Sprache“, sagt er, aber das Heimweh bleibt: „Ich denke immer an meine Familie.“ Das Gefühl, ein Mensch dritter Klasse zu sein, wie im Stück beschrieben, hat auch ihm zugesetzt.

Über Krieg und Migration

Heute ist das Stück „Krieg – stell dir vor, er wäre hier“ um 20 Uhr im Hoftheater Bergkirchen zu sehen, bevor die Tournee für die Schauspieler beginnt.

Von Ingrid Koch

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