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Der „Ansager“: Ein grandioser Ansgar Wilk auf dem Stuhl im Nachtclub.

Die erste Premiere des Jahres im Hoftheater

Ein Striptease spielt sich im Kopf ab

Die erste Premiere des Jahres hat das Hoftheater Bergkirchen mit dem vielversprechenden Titel „Der Ansager einer Stripteasenummer gibt nicht auf“ von Bodo Kirchhoff gefeiert.

Bergkirchen – Das Solo für einen Herrendarsteller in der Inszenierung und Ausstattung von Ulrike Beckers spielt Ansgar Wilk grandios.

Die Rolle ist eine große Herausforderung für den ersten Schauspieler des Hauses, doch er schafft es, vom ersten Moment, wenn er die Bühne betritt, das Publikum mitzunehmen und zu fesseln. Und das 70 Minuten im Alleingang – in einem fulminanten witzigen Monolog mit taktvollen Striptease-Einlagen.

Der Ansager verspricht verheißungsvoll „den besten klassischen Striptease auf deutschem Boden“. Und das in einer vom Fernsehen dominierten Zeit, da der gute alte Striptease doch schon tot zu sein scheint. Gleich werde Andrea erscheinen, vertröstet er immer wieder. Sie beherrsche ihr Handwerk. Und: „Erotik, meine Damen und Herren, ist eine Sache des Hirns. Ganz besonders, wenn es auf den Höhepunkt zugeht. Andrea besteigt dann diesen Stuhl, und was dann folgt, verschlägt einem die Sprache.“

Doch Andrea verspätet sich weiter, und der Ansager, der sich zurückgesetzt fühlt, nutzt die Zeit, um zu zeigen, „was unter der Oberfläche brodelt“, und welche Rolle ihm eigentlich zukommen müsste, bedingt durch die Kraft seiner Sprache. Welche Wendung nimmt die Veranstaltung, wenn der Star des Abends nicht erscheint? Ist Andrea gar Andreas?

Das tragikomische Ein-Personen-Stück stellt Fragen nach der Relevanz geschlechtlicher Zuordnungen in der Gesellschaft und der Wirkung der Zurschaustellung des Körpers. Der Zuschauer erlebt einen wahren, aber eher psychischen Striptease. Das heißt, Ansgar Wilk muss sich nicht ausziehen, er lässt die Worte sprechen, aber zwei geöffnete Knöpfe dürfen es schon sein, um die Brustwarzen ins Spiel zu bringen.

Für ihn ist das erste Solostück in den dreißig Jahren seiner Schauspielerlaufbahn „ein Geschenk“. Der Ansager sei deshalb so reizvoll, „weil er eine geradezu zerrissene Persönlichkeit sei. Einerseits ein Meister seines Faches, der sich souverän vor ein Publikum stellt, andererseits ein von der Mutter fast gebrochener, schüchterner Mann, dem nichts bleibt als die großartige Eloquenz seiner Sprache“, sagte Wilk im Vorfeld. „Die Möglichkeit, ein ganzes Leben, an einem Abend, auf einer Bühne zum Leben zu bringen“, sei eine große Herausforderung.

Das Publikum war fasziniert und hat sich mit langanhaltendem Beifall für einen äußerst vergnügten Theaterabend bedankt. Die nächste Möglichkeit, den „Ansager“ zu erleben, ist am Freitag, 7. Februar, um 20 Uhr. Karten gibt es unter 0 81 31/32 64 00 oder mai@hoftheater-bergkirchen.de.

ink

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