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Es wird gegackert, gekräht, miaut und gemuht

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Mitreißende bayerische Folklore: Helena Huber, Tobias Zeitz, Herbert Müller und Janet Bens (von links) bei der Premiere am Freitag.
Mitreißende bayerische Folklore: Helena Huber, Tobias Zeitz, Herbert Müller und Janet Bens (von links) bei der Premiere am Freitag. © Koch

Die zweite Premiere der Spielzeit 2021/2022 im Hoftheater Bergkirchen bot eine schwungvolle Tierrevue voller Witz und Poesie mit dem Titel „Eine Kuh so wie du“.

Bergkirchen - Die Spielstätte auf dem Biohof Weller ist perfekt, denn die Bühne im ehemaligen Kuhstall bietet die beste Kulisse, um sich auf die unterhaltsame Suche nach dem Tier im Menschen und dem Menschen im Tier zu begeben – aber auch, um das Zusammenleben und die Glücksgefühle zu ergründen und dabei nicht das rücksichtslose Verhalten der Menschen außer acht zu lassen.

Das geschieht in Form von Gedichten, Prosatexten, mit viel Musik, Tanz und vor Spielfreude sprühenden Darstellern. Katrin Frühinsfeld hat die bunte Mischung zusammengestellt, und Herbert Müller führt nicht nur Regie, sondern rezitiert, singt und tanzt mit. Die Sopranistinnen Janet Bens, Helena Huber (früher Schneider) und Tenor Tobias Zeitz begeistern mit ihren stimmungsvollen Liedern, mal überschwänglich lustig und mal nachdenklich. Sie singen Solo, im Duett, Terzett und Quartett. Und die Pianistin Anna Nam-Winker, die virtuos am Klavier begleitet, zeigt, dass sie im Terzett als bayerisches Dirndl durchaus mithalten kann.

Ulrike Beckers hat für die urkomischen tierischen Auftritte zauberhafte Bühnenbilder kreiert, etwa von Insekten, Fischen, Vögeln und Katzen, und die Protagonisten in fantasievolle Kostüme gesteckt. Es wird gegackert, gekräht, miaut und viel gemuht. Große und kleine Tiere werden besungen und beäugt.

Das traurige Schicksal der Made nach Heinz Erhardt wird aufgetischt, aber auch „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke, der hinter Gittern auf die Welt blickt, kommt zu Wort. Tobias Zeitz ist sich sicher: „Ich bin kein Regenwurm“. Und er beklagt wehmütig wie einst Reinhard Mey: Es gibt keine Maikäfer mehr.“

Der Wunsch „Ich wollt ich wär ein Huhn...“ muss kritisch hinterfragt werden in Anbetracht der aufgezeigten brutalen Tierhaltung auf engstem Raum. Sorgen bereitet aber auch, wenn der Papagei nach der Melodie von Walter Kollo aus den 1930er Jahren „keine harten Eier frisst“.

Janet Bens beeindruckt mit Ludwig Hirschs wunderschönen, traurigen und zugleich tröstlichen Lied „Vom großen, schwarzen Vogel“. Helena Huber bewegt gefühlvoll das Leben auf andere Weise in ihrem Song „Der helle Tag“. Und Herbert Müller mag es gerne Wienerisch: „Wenn ich mit meinem Dackel von Grinzing heimwärts wackel“ oder heimatbezogen „entlang der Maisach wackel“, mit seinem Johann Nepomuk. Aber gegen die Kuh kommt kein anderes Tier an: „Eine Kuh so wie du ist das Schönste auf der Welt. „Sie hat die Ruh, sagt ab und zu Muh und ist die Schönheitskönigin.“ Den Beweis dafür liefern die vier fröhlich muhenden, tanzenden Akteure auf der Bühne.

„Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit jagst du den Alltag und die Sorgen weg“ lautete der abschließende Ratschlag aus Disneys „Dschungelbuch“ ans gut gelaunte Publikum, das sich bestens unterhalten fühlte und stürmisch applaudierte nach dem humorvollen Einstieg in die nicht immer ungetrübte Welt der Tiere.

ink

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