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Duell der speisenden Giganten: Ansgar Wilk als Johann Sebastian Bach, Jessica Dauser als Miss Tschuldigung und Herbert Müller als Friedrich Händel (v.l.).

Komponisten-Komödie

Bergkirchener Hoftheater lässt Händel und Bach wieder auferstehen - dabei geht es ordentlich zur Sache

Es ist das Jahr 1747. Im Hotel Thüringer Hof in Leipzig prallen zwei Titanen der Musikwelt aufeinander, die gegensätzlicher nicht sein könnten.

Bergkirchen – Der aus London angereiste extrovertierte Genussmensch Georg Friedrich Händel ist aus Anlass der Aufnahme von Johann Sebastian Bach in die Sozietät der Wissenschaften nach Leipzig gekommen und hat den zurückhaltend und bescheiden auftretenden Thomas-Kantor Bach zum Essen eingeladen, nachdem es zuvor kein Zusammentreffen gegeben hatte.

Im wirklichen Leben sind sie sich nie begegnet. Doch das Hoftheater Bergkirchen führte die beiden großen Komponisten in der Komödie „Mögliche Begegnung“ von Paul Barz zusammen.

Händel Herbert Müller war in der Rolle des „Popstars des Barock“, für den „die Musik ein Geschäft ist“, in seinem Element. Ansgar Wilk spielte überzeugend „den kleinen Kirchenkantor“, der im beschaulichen Umfeld seiner Familie komponiert und lebt. Händel prahlt zunächst polternd mit seinen internationalen Erfolgen und fuchtelt angriffslustig mit seinem Gehstock herum, bis Bach zum Gegenschlag ausholt und dem „Ungeheuer“ die Perücke an den Kopf wirft.

Das Duell der Giganten hat begonnen – und macht Riesenspaß. Da es sich um eine Komödie handelte, durfte es auch derb zugehen, sodass das Bild des sächsischen Kurfürsten an der Wand ins Wackeln gerät und die Fetzen fliegen. Doch mit dem Bekenntnis Händels, dass er aus der Heimat floh, weil „überall schon die Bachs waren“ und er nun dem „Fluch des Reichtums“ ausgesetzt ist, kommen sich die Kontrahenten näher.

„Ich platze vor Neid“, gesteht Bach schließlich. Doch: „Kunst ist Kampf.“

Ob Händels Oratorium „Messiah“ zu laut oder Bachs „Matthäus-Passion“ gar „Hintergrundgeplänkel“ ist, klärte Petra Morper auf, die als virtuose Pianistin Ausschnitte aus Werken der beiden großen Meister spielte und das Duell auf der Bühne musikalisch untermalte. Als charmante Miss Tschuldigung war außerdem Jessica Dauser ständig in Bewegung, um die die für Bach ungewohnten Köstlichkeiten wie Austern und Seezunge zu kredenzen.

Ulrike Becker hatte für das kunstvolle barocke Bühnenbild den italienischen Maler Michelangelo Cavaggio in den Blickpunkt gerückt. Das Wandbild ging nahtlos auf die Anrichte über, auf der die Delikatessen angerichtet waren.

Dem Hoftheater war es gelungen, für diese Inszenierung erstmals den erfahrenen Regisseur und Dramaturgen Volkmar Kamm zu gewinnen, dessen Regieassistent Theaterleiter Herbert Müller in frühen Jahren in Regensburg und Bremerhaven war. „Nach 50 Jahren trifft man sich wieder auf den Brettern, die die Welt bedeuten“, freute sich Müller.

Das Premierenpublikum bedankte sich mit Bravorufen und frenetischen Applaus für das Erlebnis, Händel und Bach auf so vergnügliche Art und Weise kennenzulernen. Ingrid Koch

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