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Wegbereiter in Bergkirchen: das Lehrerehepaar Hartlmaier.

Neues Hörpfad-Projekt von Bergkirchens Heimatforscher Hubert Eberl

Ein Schulhaus, „verwahrloster als die ärmste Hütte“

Heimatforscher Hubert Eberl hat in der im Jahre 2014 erschienen Chronik aus Anlass der 1200-Jahr-Feier von Bergkirchen auch die Lehrersfrau Josephine Hartlmaier zu Wort kommen lassen.

Bergkirchen – Nun beschäftigt er sich erneut mit deren Tagebuchaufzeichnungen von 1926 bis 1939 für sein neues Hörpfad-Projekt.

Josephine Hartlmaier lebte mit ihrer Familie von 1901 bis 1911 in Bergkirchen. Ihre Aufzeichnungen von der Monarchie bis in die Nazi-Zeit spiegeln nicht nur menschliche Schicksale wider, sondern auch das Leben in Bergkirchen. Enkel Dr. Walter Gronauer aus Weilheim hat das wechselvolle Leben mit Höhen und Tiefen, das auf 1200 fein säuberlich beschriebenen Seiten festgehalten ist, veröffentlicht unter dem Titel „Josphine Hartlmaier – Erinnerungen an München-Anzing-Wangen-Bergkirchen und Weilheim“.

Vor vielleicht 100 Jahren: Kirche und alte Schule, das heutige Rathaus.

„Es ist eine interessante Lektüre, die den Leser in frühere Zeiten zurückversetzt“, sagt Hubert Eberl, der das Buch jetzt schon zum zweiten Mal gelesen hat.

Josephine Hartlmaier, geborene Laugl, wurde am 17. Februar 1869 in München geboren. In München wuchs sie in gutbürgerlichen Verhältnissen auf, stand doch ihr Vater als Kutscher in Diensten König Ludwigs II. In Anzing traf sie als Hilfslehrerin 1886 ihren künftigen Ehemann Josef Hartlmaier.

Nach mehreren Stationen wurde dem Ehemann 1901 die Schulleitung in Bergkirchen übertragen. In Tagebuchaufzeichnungen beschrieb Josephine die Situation damals wie folgt: „Jenseits der Straße lag das Schulhaus, äußerlich nicht mal als solches zu erkennen, sondern verwahrloster als die ärmste Hütte. Von den vier Fenstern gegen die Straße konnten nur noch zwei mit den Laden schließen. Die Böden in den beiden Schulsälen spotteten jeder Beschreibung. Da gab es Löcher und meterlange Spalte. Mäuse und Ratten konnten ungeniert ihre Vorräte einholen und verzehren. Der Christus an der Wand war wurmstichig. Das Bild des Prinzregenten hing unten zum Rahmen hinaus.“

Die Lehrersfrau fragte ihren Mann, was ihn „angezogen“ habe, nach Bergkirchen zu gehen: „Die Gegend habe es ihm angetan, ebenso die wohlwollende Güte des Pfarrers“, erhielt sie zur Antwort.

Der Hartnäckigkeit von Josephine gegenüber Ehemann Josef war es zu verdanken, dass zu jener Zeit bald mit dem Neubau der verwahrlosten Schule und maroden Lehrerwohnung begonnen wurde. Eingaben bei Bezirksamt und Regierung hatten zum Erfolg geführt. Die damalige Schule ist heute das Rathaus der Gemeinde. „Aufgrund dieser Vorgeschichte darf behauptet werden, dass dieses Gebäude, das mittlerweile erweitert und umgestaltet worden ist, Josephine Hartlmaier zu verdanken ist“, so Eberl.

Ingrid Koch

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