Bergkirchner müssen ins Gefängnis

Dreiste Masche: Pärchen zockt behinderten Mann (26) ab

Ein Ehepaar hat einen behinderten Dachauer über Wochen mit angeblichen Markenwaren versorgt und ihm dafür viel Geld abgenommen. Tatsächlich verkauften sie Ramsch.

Dachau – „Mein Sohn hat kein Gefühl für Geld. Er kann nicht einschätzen, ob etwas teuer oder billig ist. Es fällt dem Dümmsten auf, dass er geistig behindert ist!“ Die Mutter des jungen Mannes, der Opfer eines skrupellosen Betrüger-Pärchens geworden ist, kann auch eineinhalb Jahre nach den Vorfällen ihre Wut auf die beiden Angeklagten nur schwer verbergen.

Wochenlang verkauften die zwei Bergkirchener dem 26-Jährigen angebliche Markenartikel, darunter eine X-Box, Computerspiele, T-Shirts, Halsketten oder Mützen. Die Gegenstände, deren Wert die Polizei auf maximal 300 Euro taxierte, besorgten sie auf sogenannten Tschechen-Märkten im deutsch-tschechischen Grenzgebiet – und ließen sich diese Bringdienste von dem jungen Mann, der in einer Behinderteneinrichtung in der Kreisstadt arbeitet und der unter der Vormundschaft seiner Eltern steht, teuer entlohnen. Sehr teuer.

Der Sohn gab insgesamt 1500 Euro aus

Insgesamt rund 1500 Euro, so rekonstruierten es die Eltern des 26-Jährigen, fehlen am Ende. Der Sohn hatte das Geld – massiv von dem Ehepaar unter Druck gesetzt – im Elternhaus gestohlen beziehungsweise von seinem Bankkonto abgehoben. Als die Familie Wind von den Vorgängen bekam, ging sie zur Polizei und erstattete Anzeige. Wucher nennt sich der Straftatbestand.

Die beiden Verteidiger des Pärchens plädieren vor dem Amtsgericht jedoch auf Freispruch. Ihre Begründung: Der behinderte junge Mann habe seine Eltern bestohlen und – als diese den Fehlbetrag bemerkten – die Geschichte, dass er den beiden Bergkirchenern das Geld gegeben hätte, schlicht erfunden. „Der Nachweis, wie und wann und wo wie viel Geld an meine Mandanten gegeben wurde, kann nicht geführt werden“, betont Anwalt Günter Reisinger in seinem Plädoyer.

Darin gab ihm Richter Lukas Neubeck am Ende recht. Tatsächlich ist die Aussage des geistig Behinderten – sowie seiner Freunde – nur bedingt zu verwenden. Die junge Leute haben Schwierigkeiten, den Fragen des Gerichts zu folgen, haben Erinnerungslücken und sind nervös.

Das Paar ist mehrfach vorbestraft

Dennoch spricht Neubeck das Paar am Ende schuldig – die Indizien seien einfach zu eindeutig. Die Angeklagten hätten den Kontakt zu dem 26-Jährigen gesucht, hätten gewusst, dass er kein Gefühl für Geld hat, und hätten am Ende „seine Schwäche ausgenutzt“. Zudem sei das Paar bereits mehrfach vorbestraft – unter anderem wegen Betrugs und Diebstahl. Eine Geldstrafe für ein nur wenige Monate zurückliegendes Delikt in Höhe von 1200 Euro konnten die beiden just in dem Moment – in bar – bezahlen, als sie die „Freundschaft“ mit dem 26-Jährigen unterhielten.

Für Neubeck war dies alles kein Zufall. Wucher, so der Richter, sei „eines der hässlichsten unter den Vermögensdelikten“. Das Ehepaar muss dafür nun jeweils zwölf Monate ins Gefängnis.

Stefanie Zipfer

Rubriklistenbild: © dpa

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