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Janet Bens als erste Ehefrau Jetty vor dem Bild des großen Meisters Johann Strauß.

Musen, Managerinnen und Geliebte

Deutsche Erstaufführung von „Madame Strauß“ im Hoftheater Bergkirchen

Ein zauberhafter Abend mit Johann Strauß (1825-1899), seinen drei Ehefrauen und Janet Bens: Das Hoftheater Bergkirchen hat mit der deutschen Erstaufführung die Premiere von „Madame Strauß“ gefeiert.

Das Schauspiel, uraufgeführt 2015 in Wien, hat Felicitas Wolf geschrieben. Es ist „eine süffige Melange aus Schauspiel und Musik als Hommage an Johann Strauß, die Kraft der Frauen und die Macht der Liebe“. Zu Beginn des von Herbert Müller inszenierten Stücks meldet sich zunächst einmal Johann Strauß selbst als Stimme aus dem „Jenseits“ zu Wort. Ob Himmel oder Hölle, das weiß er nicht, er fühlt sich aber wohl im Kreise seiner Komponisten-Kollegen und verweist auf die im Hoftheater ab Ende Oktober 2019 laufende Ausstellung „Wiener Blut“ über sein Werk und Leben und das seiner Frauen.

Die drei sehr unterschiedlichen Frauen des Walzerkönigs Johann Strauß (Sohn) spielt hinreißend die Schauspielerin und Sängerin Janet Bens. Sie versetzt sich mit voller Hingabe in die jeweiligen Gefühlswelten von Henriette von Treffz-Calupetzky, genannt Jetty, Angelika Dittrich, genannt Lilli, sowie Adele Strauß, die verwitwete Gattin eines anderen Herrn Strauß.

Die Ehefrauen waren die Musen, Managerinnen und Geliebten des genialen Komponisten, der wenig Zeit für sie hatte, weil er immerzu komponierte. Doch alle drei wollten unbedingt „Frau Johann Strauß“ werden, trotz Altersunterschied, fester Bindungen oder der unterschiedlichen Religionszugehörigkeit. Die Opernsängerin Jetty, die sieben uneheliche Kinder hat, verlässt ihren Lebensgefährten für den geliebten „Schani“. Nach ihrem Ableben (1866) findet der Witwer bereits nach sechs Wochen Trost bei „der mittelmäßigen Soubrette“ Lilli aus Deutschland. Die temperamentvolle junge Frau kommt mit der ihr zugedachten Rolle nicht klar, trennt sich und beteuert dennoch: „Ich bleibe immer deine Frau.“

Adele verwaltet das musikalische Erbe des Verstorbenen und zieht die Tantiemen ein, ist forsch und unnachgiebig. „Die andere Cosima“ eben – genau wie die ehrgeizige Frau von Richard Wagner. Weil sie Jüdin ist und er Katholik, müssen sie nach Sachsen-Coburg ausweichen, um als Protestanten die Ehe eingehen zu können. Damit werden sie deutsche Staatsbürger.

Ulrike Beckers hat das beeindruckende Bühnenbild mit den riesigen Bildern des Superstars der Operette und seiner Damen geschaffen und Janet Bens mit drei unterschiedlichen Kostümen ausgestattet, aber für Adele Strauß überrascht sie mit einem besonders kostbaren Gewand, „einem Schmuckstück“ als Leihgabe aus Salzburg.

Während die Sopranistin Janet Bens in dem Stück nur Strauß-Melodien kurz ansingt und die Musikausschnitte aus dem Orchesterwerk eingespielt werden, wird sie in der Strauß-Operette „Die Fledermaus“ (Premiere am 19. Dezember) als Rosalinde ihre Sangeskunst voll entfalten können. Das Publikum, das sich mit Jubel für den genussvollen Abend bedankte, hat sie schon jetzt überzeugt. 

Am kommenden Freitag, 1. November, um 20 Uhr steht „Madame Strauß“ wieder auf dem Programm. Kartenbestellung unter Telefon 0 81 31/32 64 00 oder mail@hoftheater-bergkirchen.de. Ingrid Koch

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