Zwei Männer, jede an eigenem Tischchen
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Die Meinungen prallen aufeinander: Herbert Müller als Voltaire (links) und Ansgar Wilk als Rousseau (rechts).

Hoftheater Bergkirchen - Lesung „Ein Streit um die Vernunft“ über den Briefwechsel von Voltaire und Rousseau

Die Vernunft formt den Menschen

Bergkirchen – „Zum literarischen Abend“ hat Theaterleiter Herbert Müller zusammen mit Ansgar Wilk das Publikum begrüßt. Genauer zu einer Lesung über eine Begegnung von Voltaire und Rousseau.

In der Lesung „Ein Streit um die Vernunft“ nehmen die beiden berühmten Schriftsteller und Philosophen Voltaire (1694-1778), der eigentlich François-Marie Arouet hieß, und Jean-Jaques Rousseau (1712-1778) in einem Briefwechsel zu grundlegenden und immer noch aktuellen Fragen Stellung. Den Briefwechsel gab es tatsächlich. Für „Ein Streit um die Vernunft“ wurde dieser literarisch aufbereitet. War es Zufall, oder hat nicht alles eine Ursache? Und wird wirklich alles wieder gut? Anlass für das Streitgespräch war das gewaltige Erdbeben in Lissabon, das im Jahre 1755 das bedeutende Handels- und Wirtschaftszentrum fast vollständig zerstörte und über 10 000 Menschenleben forderte.

Rousseau hatte sich jahrelang um ein Treffen bemüht. Er ist vom einstigen Bewunderer Voltaires zu einem seiner größten Widersacher geworden. Sein Menschenbild ist gekennzeichnet von Gesellschaftskritik und einer Abneigung gegen seine Zeitgenossen, die sich von der natürlichen Weise zu leben entfremdet hätten. „Ironie und Sarkasmus sind ihre Mittel“, wirft er Voltaire vor.

Die Meinungen prallen aufeinander. Voltaire, einer der meistgelesenen und einflussreichsten Autoren der Aufklärung, gibt sich überheblich: „Sie halten sich für zu wichtig“. In dem Disput treten die Unterschiede auch in der Herkunft zutage: Voltaire stammte aus einem wohlhabenden Elternhaus und war erfolgreich in seinem Streben nach Wohlstand und Ansehen, Für ihn brach mit der Katastrophe in Lissabon seine bisherige Weltsicht in sich zusammen: „Lissabon ist zerstört, und in Paris tanzt man“. Er holt weit aus, stellt die Frage nach Gott und dem Universum und klagt „die christlichen Mörder mit Bibel und Waffe in der Tasche“ an. Es wendet sich gegen die Philosophen, die den Leibnitz’schen Grundsatz „Alles wird gut“ mit der Katastrophe in Einklang zu bringen.

Rousseau, „der Naturmensch“, ist arm und musste seine sechs Kinder ins Waisenhaus geben. Mit scharfem Unterton greift er Voltaires Lebensweise an und verteidigt seine These: „Eines Tags wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung, die Vernunft formt den Menschen“.

Voltaire, der die scharfe Auseinandersetzung dominiert, hat das letzte Wort. „Ich hasse Sie, besuchen Sie mich nie wieder.“ Und damit verlassen Müller und Will die Bühne nach einem bewegenden Auftritt an diesem lauen Sommerabend vor zauberhafter Kulisse im Bühnenbild von Ulrike Beckers. Sie lassen ihre aufmerksamen Zuhörer nachdenklich zurück.  

Das Sommertheater 2020 wird verlängert

Das Sommertheater am Hoftheaters Bergkirchen auf der Freilichtbühne in Lauterbach wird aufgrund des großen Erfolges bis zum 22. August verlängert. Karten gibt es nur noch für „Die sieben Türme“ am Dienstag und Mittwoch, 18. und 19. August, jeweils um 19 Uhr (Telefon: 0 81 31/32 64 00).

Ingrid Koch

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