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Tolle Vorstellung: Jessica Dauser (Erzählerin, Daja und Recha) und Robert Gregor Kühn (Erzähler und Tempelherr).

Ein Appell für mehr Toleranz

Hoftheater Bergkirchen feiert Premiere mit dem Klassiker „Nathan der Weise“

Ein hochaktuelles Thema und ein Plädoyer für Vernunft und Toleranz: Die erste Premiere in 2019 hat das Hoftheater Bergkirchen mit dem Klassiker der Welt- und Theaterliteratur „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) gefeiert.

Bergkirchen – Herbert Müller, Theaterleiter und Regisseur der Inszenierung, hat das orientalische Märchen „in gekürzte Form für heute“ gebracht, geeignet für die Aufführung an bayerischen Schulen. Nur vier Darsteller stehen auf der Bühne, eine Figurenkonstellation der vertretenen drei Religionen.

Schauplatz ist Jerusalem im 12. Jahrhundert. Die Handlung spielt vor dem Hintergrund des faszinierenden Bühnenbildes von Ulrike Beckers. Ihr ist ein Meisterwerk gelungen, das die historische Rolle Jerusalems widerspiegelt, wo Judentum, Christentum und Islam aufeinandertreffen. Zu sehen sind als aktueller Bezug ein Stück der Mauer von Gaza und blutroter Stacheldraht, ein grüner Baum steht für Hoffnung.

Müller will in seiner Bearbeitung zeigen, „dass Glaubenskriege keinen Sinn machen“. Er hat, wie er sagte, „Brecht´sche Farbe“ hineingegeben und für den schnellen Verlauf der Handlung lässt er als zusätzliche Tonfarbe den „Bolero“ von Maurice Ravel einfließen.

Nathan, dem Jürgen Füser gelassen und edelmütig Ausdruck verleiht, ist ein reicher jüdischer Kaufmann und fürsorgender Vater, der von einer Geschäftsreise zurückkehrt und erfährt, dass seine geliebte Tochter Decha (Jessica Dauser) bei einem Feuer beinahe ums Leben gekommen wäre, wenn nicht ein christlicher Ritter (Robert Gregor Kühn) sie gerettet hätte. Zwischen dem vermeintlich christlichen Mädchen und dem Tempelherrn keimt Liebe auf. In einer einzigen sehr intensiven Szene sitzen sie sich gegenüber. Die Liebesgeschichte aber soll zeigen, was dahinter liegt.

Nathan trifft am Hof des Sultans Saladin (Ansgar Wilk) auf einen klugen Herrscher, der ein Vorbild an Toleranz ist. Wegen seiner Geldsorgen bittet er Nathan um Hilfe und fragt ihn nach der „wahren Religion“. Nathan antwortet mit der Ringparabel, einer lehrhaften zeitlosen Geschichte über den „unschätzbaren Wert“ des Ringes mit einem Opal als göttliches Symbol für Gnade und Liebe. Fazit: Jede der drei großen Religionen könnte die richtige sein. Saladin und Nathan werden Freunde.

Die hervorragenden Darsteller sind gleichzeitig Erzähler, die über die Weltreligionen aufklären und die grausamen Feldzüge und Glaubenskriege der Kreuzritter thematisieren. Das letzte Wort hat Jessica Dauser, um Stellung zu beziehen, gegen Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus und Intoleranz. Mit einem Zitat aus der vor kurzem gehaltenen Rede des Historikers und Holocaust-Überlebenden Saul Friedländer im Deutschen Bundestag endet das „Dramatische Gedicht“ von Gotthold Ephraim Lessing: „Wir alle hoffen, dass Sie weiter für die wahre Demokratie kämpfen“. Die Zuschauer bedankten sich mit lang anhaltendem Applaus für einen außergewöhnlichen Theaterabend. 

Ingrid Koch

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