Ansgar Wilk, Janet Bens, Tobias Zeitz und Annalena Lipp (von links).
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Feierten Online-Premiere, v.l.: Ansgar Wilk (Schneider Lämmermeier und Theophil), Janet Bens (Frau Pusebach und Frau Luna), Tobias Zeitz (Fritz Steppke und Prinz Sternschnuppe) und Annalena Lipp (Choreografie, Marie und Stella).

Operette „Frau Luna“ feiert Online-Premiere

Hoftheater Bergkirchen: Ein bisschen Berliner Luft schnuppern

Darauf haben die Freunde des Hoftheaters Bergkirchen lange gewartet: Am Ostersonntag hat die Reise auf den Mond endlich geklappt! Wenn auch nicht bei einem persönlichen Wiedersehen, sondern vom Sofa aus zu Hause mit der zündenden Online-Premiere der Operette „Frau Luna“.

Bergkirchen ‒ Die Musik stammt von Paul Lincke (1866-1946), dem Vater der Berliner Operette, die pfiffige Bearbeitung und Regie von Herbert Müller und die aufwendige Ausstattung von Ulrike Beckers. Die Musikbearbeitung hat Max I. Milian übernommen, von der Pianistin Anna Nam-Winkler sind nur ihre flinken Finger zu sehen, wie sie über die Tasten gleiten. Die beiden Kulissenschieber Erna und Emil sind Frederike Hartung und Johannes Heubner. Gespielt wurde die Kultfassung des Berliner Theaters „Bar jeder Vernunft“, die urkomische Momente und beste Unterhaltung verspricht.

Auf www.spotlight-on-dahoam.de konnten Theaterfreunde kostenlos dabei sein oder ein virtuelles Ticket erwerben, um sich an der Crowdfundingaktion für Kulturschaffende im Landkreis Dachau zu beteiligen.

Ein großes Dankeschön des Hoftheaters gilt dem Schirmherrn des Projekts, Landrat Stefan Löwl, denn der Theaterabend wurde präsentiert vom Landratsamt Dachau. Löwl begrüßte die Zuschauer „aus dem Kleinod in Bergkirchen“, um „Kultur ohne Maske zu genießen“ als eine Perspektive in schweren Zeiten.

Dass es die Berliner Luft in sich hat, offenbart die schwungvolle Aufführung mit skurriler Situationskomik, schnellen Wendungen, schlagfertigem Wortwitz und einem Reigen bekannter Melodien. Ohrwürmer, die glücklich machen, wie „Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe“ oder „Glühwürmchen. Glühwürmchen flimmre“.

Die vier leidenschaftlich agierenden Darsteller, die als Erdenbürger und Mondbewohner spielten, sangen und tanzten, sprühten vor Temperament und Spielfreude.

Zur Handlung: Mechaniker Fritz Steppke (Tobias Zeitz) ist „mit dem Bau einer Luftmaschine im Gange“ und hebt ab zum Mond ohne sein geliebtes Mariechen (Annalena Lipp). Mit ihm fliegt seine Vermieterin, die forsche Frau Pusebach (Janet Bens) sowie sein Freund, der wendige Schneider Lämmermeier (Ansgar Wilk). Ausgerechnet auf dem Mond trifft Frau Pusebach ihren geliebten Theophil wieder, der inzwischen Haushofmeister ist und mit der attraktiven Stella angebandelt hat. Ihr Fazit: „Die Männer sind alle Verbrecher.“ Janet Bens als waschechte Berlinerin ist die ideale Besetzung für die unterschiedlichen Rollen, etwa wenn sie mit Berliner Schnauze richtig aufdreht oder als verführerische Frau Luna im eleganten Gewand versucht, Steppke zu verführen.

Dem enttäuschten Prinz Sternschnuppe, herrlich gespielt von Tobias Zeitz, dagegen ist das gar nicht Schnuppe, denn er umgarnt die Mondkönigin schon seit 350 Jahren.

Am Ende kehren die Mondbesucher in ihr einzigartiges Berlin zurück mit der Erkenntnis: „Der Mond ist ein Bordell.“ Fritzecken und Mariechen, Frau Pusebach und Schneider Lämmermeier stellen ernüchtert fest: „Ist die Welt auch noch so schön, einmal wird sie untergeh’n.“ Darum singen und genießen sie, „was der Tag noch bringt“.

Die immer wieder verschobene Premiere von „Frau Luna“ in der Spielstätte des Hoftheaters ist nun für Samstag, 15. Mai, um 17 und 20 Uhr live angesetzt. ink

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