+
Nach fünf Jahren ist Schluss: Die Elektroladestation im Gada wurde stillgelegt.

Elektroladestation im Gada stillgelegt  

Bergkirchen zieht den Stecker

Die Gemeinde Bergkirchen hat ihre Elektroladestation im Gada-Gewerbegebiet stillgelegt. Grund: eine unerwartete Rechnung. Jahrelang herrschte ein Missverständnis darüber, wer für den Gratisstrom der Tankenden aufkommt.

Bergkirchen– Mächtig stolz wurde 2012 die Stromtankstelle im Gada-Gewerbegebiet unter Beteiligung von Politprominenz wie dem heutigen Generalsekräter der CSU, Andreas Scheuer, eingeweiht. Nun wurde an der Ladesäule, bei der Autofahrer umsonst Strom tanken konnten, von der Gemeinde erst mal der Stecker gezogen. Grund ist eine Rechnung in Höhe von rund 1000 Euro, gestellt mit reichlich Verspätung vom Energieriesen Eon. Es herrschte offenbar jahrelang Unklarheit, wer für den Gratisstrom der Tankenden aufkommt.

Hintergrund: 2012 schloss die Gemeinde mit Eon einen Vertrag über die Ladestation. Man habe mündlich vereinbart, dass in den ersten zwei Jahren von der Gemeinde nur die anfallenden Unterhaltskosten zu tragen sind, erzählt Bürgermeister Simon Landmann (CSU) von den Verhandlungen. Als nach den zwei Jahren keine Rechnung kam, ging man bei der Gemeinde davon aus, „dass die Nachfrage immer noch so gering ist und sich keine Rechnung lohnt“, erklärt Landmann gegenüber den Dachauer Nachrichten. Eon würde also für die Kosten aufkommt, so die Annahme.

Das war offenbar etwas naiv, denn im Oktober 2016 kam eine Stromrechnung in Höhe von rund 1000 Euro. Tagelang habe man gerätselt, wofür die Rechnung ausgestellt wurde, bis man schließlich auf die Ladestation im Gewerbegebiet kam, erzählt Siegfried Ketterl, Geschäftsleiter der Gemeinde.

„Jahrelang kommt nichts, und dann ganz plötzlich – so gehts nicht“, echauffiert sich Ketterl. Landmann nennt die Rechnung gar „dubios“. Grund für die Verspätung war ein Fehler beim Netzbetreiber Bayernwerk: „Wir haben es versäumt, die Zählerstände an den Betreiber (in diesem Fall Eon, Anm. d. Red.) zu übermitteln“, räumt Maximilian Zängl, Pressesprecher beim Bayernwerk, ein. Ende 2016 entdeckte der Netzbetreiber den Fehler, sandte die Daten an Eon – und das stellte eine Rechnung. Ganz zur Überraschung der Gemeinde.

Ein „ganz unglückliches Missverständnis“ nennt es das Unternehmen Bayernwerk. Klar ist aber: Nur weil keine Rechnung kommt, heißt es nicht, dass es nichts zu bezahlen gibt. Eon handelte rechtens, im Vertrag war die Gemeinde als Kostenträger für den Strom klar festgelegt, wie auch Landmann einräumt, der den Vertrag aber als „ganz schwammig“ bezeichnet. Von Eon war bislang keine Stellungnahme zu erhalten.

Momentan jedenfalls fließt kein Strom mehr am einstigen Prestigeprojekt, dem Gemeinderat war der Betrag offenbar zu hoch. Zahlreiche E-Autofahrer sind enttäuscht und beschwerten sich bereits bei der Gemeinde. Der Standort nahe der Autobahn war scheinbar häufiger genutzt als von der Gemeinde vermutet: „Ich persönlich habe da nie jemand tanken sehen“, gibt Simon Landmann zu Protokoll. Die meisten Beschwerden seien von Ortsfremden gewesen. „Es kann nicht sein, dass Gott und die Welt auf Kosten der Bergkirchner hier umsonst tanken“, erklärt Geschäftsleiter Ketterl.

Die Verwaltung bemüht sich trotzdem, dass im Gada bald wieder Strom fließt. Man sehe sich jetzt nach neuen Partnern und Konzepten um, sodass im Gewerbegebiet bald wieder – wenn auch nicht gratis – getankt werden kann. Dann aber eventuell mit einer leistungsstärkeren Säule, wie es von der Gemeinde heißt.

ahu

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Dieses Auto belegt zwei Parkplätze - Fahrer bekommt ungewöhnliche Quittung
Wer schlecht parkt, bekommt von anderen Autofahrern öfter mal was zu hören. Oder auf andere Weise Beleidigungen ab. In Vierkirchen-Esterhofen ging ein Verkehrsteilnehmer …
Dieses Auto belegt zwei Parkplätze - Fahrer bekommt ungewöhnliche Quittung
Bürger erhöhen Druck
Besorgte Bürger sind entschlossen, am 28. November eine Bürgerinitiative zu gründen, die sich für eine bessere Pflege an den Helios Amper-Kliniken Dachau und Indersdorf …
Bürger erhöhen Druck
Marvin aus Dachau
Devlin (2) hat ein Geschwisterchen: Marvin Constantin ist da! Das zweite Kind von Nicole und Cosmin Cobzaru aus Dachau erblickte am 13. November in der Helios …
Marvin aus Dachau
Versöhnliche Töne
Mit einem ungewöhnlichen Schritt hat Oberbürgermeister Florian Hartmann jetzt auf die in einem Offenen Brief und eine Pressekonferenz gegen ihn erhobenen Vorwürfe in …
Versöhnliche Töne

Kommentare